Mini-Reviews-To-Go: November 2018

An jedem dritten Donnerstag eines Monats veröffentlichen wir Mini-Reviews zu aktuellen Kinostarts. Im November sind es: die auf berührende Weise von Einsam- und Zweisamkeit handelnden „In My Room“, „Cold War“ sowie „Der Dolmetscher“, die Actionfilme „Operation Overlord“ und „Peppermint“ sowie zwei auf berühmter Literatur basierende Weihnachtsfilme.

InMyRoomIn My Room: Armin arbeitet als freier Journalist, hat viel Zeit, aber wenig Geld, und fühlt sich einsam. Dieses Gefühl wird eines Tages zur Realität, als er in seinem Auto aufwacht und offenbar alle Menschen von der Erde verschwunden sind. Armin fühlt Ratlosigkeit, Panik und Trauer, genießt jedoch schon bald die grenzenlose Freiheit. Warum die Menschen verschwunden sind, ist eigentlich egal. Der Film nimmt sich viel Zeit, den Protagonisten zunächst als eine Person darzustellen, die in sozialen Beziehungen scheitert, und anschließend ebenso viel Zeit, ihn die neue Welt erkunden zu lassen. Besonders eindrücklich ist der Anblick eines Partybootes, das am Vorabend noch stimmungsfroh unterwegs war und nun im Regen leblos vor sich hintreibt. Später findet Armin anderes Leben und ungewohnte Gefühle. Doch es ist unklar, ob beides in dieser Welt von Dauer sein kann. Das unerwartete Schlussbild wird wohl lange im Gedächtnis bleiben.

(Kinostart: 8. November, IMDb, Trailer)

Operation Overlord: Am sogenannten D-Day im Jahr 1944 landet eine handvoll amerikanischer Soldaten nach einem misslungenen Flugzeugabsprung in einem französischen Dorf. Dort bekommen sie es zunächst mit menschlichen, aber sehr unmenschlich handelnden Nazis zu tun. Später treffen sie in einem Labor auf etwas, woran die Nazis gerade forschen – und was mit Menschen nur noch ansatzweise Ähnlichkeit hat. Was trashig klingt, entpuppt sich als ernsthafter Horrorstreifen mit halbwegs vielseitigen Charakteren, mitreißenden Actionszenen und wirklich ekelerregenden Kreaturen.

(Kinostart: 8. November, IMDb, Trailer)

ColdWarCold War: Die Liebe in Zeiten des Kalten Krieges ist kompliziert; komplizierter als sie es sowieso schon ist. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlieben sich in Polen die junge Sängerin Zula und der Komponist Wiktor ineinander. Beide entstammen unterschiedlichen sozialen Milieus, doch das spielt zunächst keine Rolle. In extrem auf die Protagonisten fokussierten Schwarz-Weiß-Bildern präsentiert Regisseur Pawel Pawlikowski eine Geschichte über Liebe vor, während und nach der Flucht, die vor allem von den Widrigkeiten handelt, die beide überwinden müssen, und die mehr als ein Jahrzehnt umspannt. Dass es für beide tatsächlich die Liebe des Lebens ist, zeigt sich in den unfassbaren Opfern, die sie vollbringen werden, und in einem ambivalenten Ende, in dem Optimisten wie Pessimisten und Atheisten wie Gläubige die für sich passende Interpretation finden werden.

(Kinostart: 22. November, IMDb, Trailer)

Der Dolmetscher: Eigentlich ist der 80-jährige Ali Ungár aus der Slowakei nach Österreich gereist, um den Vater von Georg Graubner zu töten. Dieser war als SS-Offizier für den Tod seiner Eltern verantwortlich. Doch Georg behauptet, dass sein Vater bereits gestorben sei. Stattdessen treten beide nun eine gemeinsame Reise in die Slowakei an. Georg möchte mehr über die Taten seines Vaters erfahren und Ali soll ihm als Dolmetscher dabei helfen. Anfangs wirkt der Film wie eine Mischung aus Road- und Buddy-Movie. Seine Qualitäten entfalten sich vor allem durch die gegensätzlichen Charakterzüge der Protagonisten: auf der einen Seite der fröhliche, draufgängerische Georg, auf der anderen Seite der griesgrämige, nachdenkliche Ali. Je mehr Georg über seinen Vater erfährt, desto mehr dominieren jedoch die traurigen Streicher und die schwer verdaulichen Momente. Insgesamt funktioniert diese Mischung sehr gut.

(Kinostart: 22. November, IMDb, Trailer)

WeihnachtenDer Mann, der Weihnachten erfand: Als Charles Dickens an seiner „Weihnachtsgeschichte“ arbeitete, befand er sich offenbar in einer schwierigen Situation. Glaubt man diesem Film, war er pleite und litt noch immer unter den Folgen traumatischer Erlebnisse in seiner Kindheit. Diese Prämisse und die buchstäblich zum Leben erwachenden Figuren seines neuen Werkes bieten eigentlich genügend Potential für eine interessante Geschichte. Doch der Film leidet unter oberflächlichen Charakteren, die wenig Empathie zulassen, und einem permanent Grimassen schneidenden Hauptdarsteller. Dass es am Ende ein Happy End geben muss, ist klar – doch der Weg dahin ist einfach nicht überzeugend.

(Kinostart: 22. November, IMDb, Trailer)

Der Grinch: Eigentlich ist der Grinch eine sehr sympathische Figur. Auf Weihnachten und das ganze Drumherum hat er überhaupt keine Lust; stattdessen verbringt er die Zeit allein in einer Höhle weit über der Stadt Whoville, in der alle schrecklich fröhlich sind. Der Grinch ist aber auch eine tragische Figur, weil er als Kind immer außen vor blieb, wenn die anderen feierten. Dafür will er sich nun rächen. Von der Kritik am Weihnachtskommerz, für die die Vorlage gelobt wurde, ist in dieser weichgespülten Variante nichts mehr übrig. Bissigen Humor muss man ebenfalls mit der Lupe suchen – und findet dann eher unappetitlichen Kitsch. Einzig die liebevollen Animationen können überzeugen.

(Kinostart: 29. November, IMDb, Trailer)

PeppermintPeppermint: Fünf Jahre hat sich Riley North auf diesen Rachefeldzug vorbereitet: Am Jahrestag der Ermordung ihres Mannes und ihrer Tochter kurz vor Weihnachten möchte sie es allen Beteiligten heimzahlen: den Killern, den Auftraggebern und den Korrupten in den staatlichen Behörden. Dieser Rachefeldzug ist weder inhaltlich noch stilistisch originell umgesetzt. Trotzdem: Der Film ist flott erzählt, hat mit Jennifer Garner eine vor allem physisch überzeugende Hauptdarstellerin und leistet sich nicht allzu viele blöde Momente. Kurzweilige Unterhaltung für Genrefans.

(Kinostart: 29. November, IMDb, Trailer)

Filmbilder: Paramount („Operation Overlord“, Titelbild), Pandora („In My Room“), Neue Visionen („Cold War“), KSM („Der Mann, der Weihnachten erfand“), Universum („Peppermint“)

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