Buffy: Does it ever get easy? Giles: You mean life? Buffy: Yeah, does it get easy? Giles: What do you want me to say? Buffy: Lie to me. Giles: Yes. It's terribly simple. The good guys are always stalwart and true. The bad guys are easily distinguished by their pointy horns or black hats, and, uh, we always defeat them and save the day. No one ever dies and... everybody lives happily ever after. Buffy: Liar.

Beiträge von René

Underwater

Underwater - 20th Century FoxWer atmosphärische Genrefilme mag, die vom Mainstream abweichen, wird zwar auf Netflix regelmäßig fündig, aber selten im Kino, wo meistens Standardware wie „The Purge“ oder Blockbuster den Ton angeben. Eine sympathische Ausnahme war der SciFi-Mysteryfilm „The Signal“, der 2014 in die Kinos kam. Der neue Film von William Eubank heißt Underwater, ist mit Kristen Stewart namhaft besetzt und hat eine vielversprechende Ausgangslage zu bieten – aber leider nicht viel mehr. Rund elf Kilometer unter dem Meeresspiegel zerstört ein Erdbeben eine Bohrstation. Die wenigen Überlebenden suchen nach einem Weg an die Oberfläche und sehen sich dabei mit einer offenbar monströsen Gefahr konfrontiert. Zumindest der erste Akt ist stimmungsvoll, doch nach geraumer Zeit wiederholt sich alles. Hier ein Geräusch, dort eine Gestalt und immer wieder Krach auf der Tonspur, der die zunehmend fehlende Spannung nicht ersetzen kann. Was vor allem ganz entsetzlich fehlt, sind Ansätze interessanter Ideen.

Filmplakat: 20th Century Fox

Dracula

Dracula - NetflixRichtig viel Eindruck konnte Dracula in den vergangenen Jahren in Filmen nicht hinterlassen. Die beiden wohl bekanntesten Adaptionen der jüngsten 20 Jahre – „Van Helsing“ (2004) und „Dracula Untold“ (2014) – waren zwar kommerziell erfolgreich, aber bei Cineast*innen unbeliebt. Diesen Missstand hat eine TV-Miniserie aus Großbritannien nun behoben. Die drei Teile erzählen jeweils eine Geschichte, die weitgehend für sich selbst steht, aber gleichzeitig mit den anderen verbunden ist. Während vor allem die erste Episode, die größtenteils in einem riesigen Schloss in den Karpaten spielt, sehr klassisch wirkt, wagen die Filmemacher*innen im letzten Teil einen mutigen Schritt in die Moderne. Was die Folgen eint, ist die gelungene Mischung aus blutigem Horror und schwarzem Humor sowie die alles überragende Dracula-Interpretation des Hauptdarstellers Claes Bang, die dafür sorgt, dass man den dunklen Grafen mit seiner stolz präsentierten und immer wieder ins Lächerliche gezogenen Männlichkeit sowohl fürchtet und liebt als auch verabscheut.

Plakat: Netflix

Judy

JudyAls „Der Zauberer von Oz“ am 12. August 1939 in den USA seine Premiere feierte, war Hauptdarstellerin Judy Garland erst 17 Jahre alt. Glaubt man diversen Schilderungen, erlebte sie während der Dreharbeiten eine an Folter grenzende Behandlung, inklusive Schlaflosigkeit und sexueller Belästigung. Das von Rupert Goold („True Story“) inszenierte und auf einem Musical basierende Biopic Judy zeigt, dass diese Misshandlungen sie bis in die Monate vor ihrem Tod im Juni 1969 prägten. Bei ihren Auftritten als Sängerin in London erlebt sie Höhen und Tiefen – als Mensch und als Künstlerin. Alkohol spielt dabei eine ebenso große Rolle wie (enttäuschte) Liebe. Während manche Szenen – etwa der spontane Abend mit einem schwulen Paar – zu Tränen rühren, kratzen andere nur an der Oberfläche. Im Kern ist „Judy“ vor allem eine grandiose Renée-Zellweger-Show. Das offenbar stets Theatralische im Auftreten von Garland muss man allerdings mögen, um diesen Film wirklich genießen zu können.

Filmplakat: eOne Germany

Knives Out

Knives OutDer wohlhabende Harlan Thrombey feierte seinen 85. Geburtstag auf ganz besondere Weise. Während der Party in seinem prachtvollen Haus verkündete er einem Familienmitglied nach dem anderen eine unerfreuliche Botschaft. Am nächsten Tag fand man ihn mit durchtrennter Kehle in seinem Zimmer. Privatdetektiv Benoit Blanc – gespielt von Daniel Craig – führt daraufhin die Ermittlungen. Schnell merkt er, dass viele in der Familie ein Mordmotiv besitzen und wenig für einen Suizid spricht. Vielleicht ging es dem oder der möglichen Täter*in um Rache, vielleicht aber auch ganz klassisch ums Erbe. Rian Johnson hat mit Knives Out einen mit viel Humor und cleveren Wendungen gespickten Whodunit-Krimi geschaffen, in dem Darsteller*innen wie Christopher Plummer, Ana de Armas, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Toni Collette und Don Johnson ihre schrulligen Charaktere mit großer Freude spielen. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Aufklärung des Todesfalls, sondern auch die Frage: Wem gönnt man eigentlich das Erbe?

Filmplakat: Universum

The Society (Staffel 1)

SocietyFilme und Serien, die sich mit der Frage beschäftigen, was passiert, wenn sich eine Gesellschaft von einem Augenblick zum anderen radikal verändert, faszinieren mich seit meiner Jugend. Nach dem Flugzeugabsturz in „Lost“ gab es für die Überlebenden auf der Insel den Kapitalismus sowie die bis dahin akzeptierten Autoritäten und Herrschaftsformen nicht mehr. Ähnlich ergeht es den Schüler*innen in der Netflix-Serie The Society. Nachdem sie nachts vorzeitig von einem Busausflug zurückkehren, müssen sie feststellen, dass ihre Kleinstadt verlassen ist. Eltern, Lehrer*innen, Polizei – alle weg. Die Technik funktioniert noch immer, doch der Kontakt zur Außenwelt ist abgeschnitten – unter anderem von Bäumen an den Stellen, an denen zuvor Straßen waren. Den ersten Überlegungen zufolge befinden sich die Jugendlichen wohl in einer anderen Dimension. Um sie herum existiert offenbar nichts außer Wald. Schnell gibt es eine freundliche Anführerin, die Regeln für die grundsätzlichen Bedürfnisse wie Essen und Wohnen formuliert, an die sich zunächst alle halten. Genau wie in der ersten Staffel von „Lost“ spielt das zentrale Mysterium nur eine untergeordnete Rolle. Die sozialen Beziehungen stehen im Mittelpunkt. Besonders gut funktioniert „The Society“, wenn die Charaktere mit jenen Konflikten konfrontiert sind, die sie schon länger beschäftigen; wenn es um sexuelle Identität, toxische Partnerschaften, Außenseiter*innen, Rivalitäten und Schwangerschaft geht. Dabei entstehen einige wunderschön intime Momente, in denen eine bloße Umarmung mal alles und mal gar nichts ändert. Die politische Ebene hingegen enttäuscht. Ständig sind die Charaktere gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die das Leben aller Menschen in der Gesellschaft beeinflussen. Jene, die entscheiden wollen oder sollen oder dürfen, greifen zu teils drastischen Maßnahmen, die häufig nicht plausibel erscheinen, weil sie kaum begründet und durch das bisherige Verhalten der Charaktere kaum zu erklären sind. Während sich in „Lost“ manche Konflikte über mehrere Staffeln zuspitzen und diese von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet werden, entscheidet sich in „The Society“ vieles innerhalb einer Folge. Zwischen den wichtigsten Akteur*innen gibt es keine tiefgründigen Diskussionen darüber, was richtig oder falsch ist. Dass es innerhalb der Gesellschaft andere Meinungen als die dominierenden gibt, deutet sich nur gelegentlich an. Der Wettstreit um die beste Gesellschaftsform, der doch eigentlich das Herz einer solchen Serie sein sollte, findet zwar statt, aber ohne viele Argumente. So soll man letztlich mit einer kleinen Gruppe sympathisieren, die untereinander liebevoll, aber nach außen autoritär, ja fast diktatorisch agiert, andere gnadenlos bestraft und dem eigenen „Sicherheitspersonal“ sogar Folter und sexuelle Übergriffe gestattet. Das passiert halt, weil Macht korrumpiert, soll wohl die Botschaft lauten. Vielleicht ist das so. Umso schöner wäre es gewesen, zur Abwechslung mal eine Gesellschaft zu sehen, die sich von Herrschaft und Machtmissbrauch befreit – oder es zumindest versucht.

Filmplakat: Netflix

Captain Marvel

Captain MarvelIn der letzten Folge von „Buffy“, der besten Serie aller Zeiten, gibt es eine Schlüsselszene: Am Abend vor der entscheidenden Schlacht hält die Vampirjägerin eine flammende Rede. Sie handelt von mächtigen Männern, die Frauen seit Jahrhunderten unterdrücken, aber deren Zeit nun abgelaufen ist. Oberflächlich betrachtet geht es in der Rede um die übernatürlichen Kräfte, die auch in anderen potentiellen Jägerinnen lauern und üble Bösewichte besiegen könnten. Doch unter der Oberfläche findet man – wie so häufig in dieser Serie – kämpferische Aussagen über die Geschlechterverhältnisse in der realen Welt. Captain Marvel enthält eine Schlüsselszene, die stark an diesen Moment erinnert. Es ist eine phantastische Szene, die auf plakative, aber wunderbar leidenschaftliche Weise die Ermächtigung einer Frau zeigt und darin gipfelt, dass die Superheldin zur Musik von „Just a Girl“ ihre Gegner verprügelt (drei Wörter übrigens, die auch Buffy immer wieder zu hören bekam). „Captain Marvel“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Wohlfühlfilm im besten Sinne. Er würdigt Stan Lee gleich zu Beginn in angemessener Form, weckt Empathie mit Flüchtenden und lässt eine supersüße Katze mit der Heldin und dem jungen Fury nostalgisch durch die 90er reisen. Natürlich erzählt der Film auch eine klassische und gelegentlich überraschende Gut-gegen-Böse-Geschichte, aber zum ersten Mal geht es im MCU eigentlich um etwas anderes: um eine Frau, der Mann immer wieder sagt, dass sie etwas nicht kann und dass sie ihre Emotionen in den Griff bekommen soll – und die irgendwann aufhört, auf diese Männer zu hören. Vieles davon ist nicht sonderlich subtil, aber das sind die popkulturellen Anspielungen anderer MCU-Filme auch nicht – warum sollten für Bezüge auf politische Verhältnisse strengere Maßstäbe gelten? Außerdem fühlt es sich niemals so an, als ob da unbedingt noch eine Szene mit feministischer Botschaft rein musste. Was die Charaktere in diesen Momenten sagen, ergibt sich stets auch aus ihrem persönlichen Hintergrund. Gegen Ende des Films gibt es schließlich eine Szene, die zeigt, wie ein Mädchen freudig zu Captain Marvel aufblickt. Oberflächlich betrachtet ist es nur das. Aber eigentlich ist es viel mehr. Unzählige Mädchen und Frauen haben nun (hoffentlich) eine sympathische, mitfühlende und schlagfertige Heldin, die sie repräsentiert – nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern auch wegen der Kämpfe, die sie austrägt. „Captain Marvel“ mag nicht der beste MCU-Film sein, aber neben „Black Panther“ vielleicht der wichtigste.

Filmplakat: Walt Disney