Erbarmen

Erbarmen-DE-PosterMit einer beachtlichen Konstanz laufen die Krimis unserer skandinavischen Nachbarn den deut-schen Produktionen schon seit Jahren den Rang ab. So auch im Fall von Erbarmen – oder fragwürdigerweise “Jussi Adler Olsen – Erbarmen” genannt -, wenngleich hier das deutsche Fernsehen immerhin mitproduzierte. Gewohnt düster, geruhsam und mitunter brutal geht es da im Fall des mutmaßlichen Selbstmordes der Politikerin Merete Lyngaard (Sonja Richter) zu. Ein Fall, der pro forma nach Jahren von dem zwangsversetzten Kopenhagener Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und seinem Archiv-Kollegen Hafez el-Assad (Fares Fares) wieder durchgesehen … und wieder aufgerollt wird. Die Verfilmung von Jussi Adler Olsens Roman ist dabei in seiner Erzählweise und Motivwahl nicht sonderlich originell. Die Qualität der Kameraregie, des Szenendesigns und des Schnitts bewegt sich aber derart locker auf Hollywoodniveau, dass sich mal wieder die Frage aufdrängt, warum dies bei deutschen Filmen so oft zu vermissen ist. Zwar bedient sich die Handlung in diesem so übersättigten Genre altbekannter Tropen, doch werden diese sehr erfrischend neu kombiniert. Ja, dachte ich, so eine Geschichte habe ich bislang noch nicht erzählt bekommen. Fans des nordeuropäischen Verbrecherjagens können also unbesehen ins Kino pilgern – alle anderen mögen entspannt auf die DVD warten.

 

Filmplakat: NFP

The Wolf of Wall Street

WolfofWallStreetOder auch: The Wolf of Wahnsinn. Dreimal war Leo DiCaprio bereits für einen Oscar nominiert. Heute folgte Nominierung Nr. 4. Die hat er sich verdient – denn so gut wie in TWOWS war er wohl noch nie. Endlich gelingen ihm alle Nuancen, endlich meistert er auch jene Szenen ohne Overacting, die regelrecht dazu einladen. “TWOWS” ist einer der besten Filme in der nicht gerade highlightarmen Karriere des Martin Scorsese. 180 Minuten Gier und Exzess ohne Limit, immer mehr mehr mehr. Ohne den erhobenen Zeigefinger und die Stimme, die im Hintergrund warnt: Wir lachen jetzt zwar alle, aber die Realität ist ja ähnlich und echt übel. Es ist Scorsese hoch anzurechnen, dass die – teils wohl hemmungslos übertriebenen – Bilder da ganz für sich sprechen. Die dramaturgische Konstruktion zahlreicher langer Szenen ist meisterhaft. Die Dialoge sitzen perfekt. Und an die Sequenz, in der die Drogen bei Leo und Jonah Hill einmal voll reinhauen, wird man sich in 20 Jahren noch erinnern. Ebenso wie an diese irrsinnige Komödie insgesamt, die das Zeug zum Klassiker hat. In der IMDb klopft sie bereits an der Tür zur All-Time-Top50 an.

 

Filmplakat: Universal

Nebraska

nebraska.posterDer wenig überraschend sechs Mal für den Academy Award 2014 nominierte Nebraska zählt zu den sogenannten Oscar-Bait-Filmen, weil es darin um echte Probleme von quasi echten Menschen mit viel Emotionen geht. Sowas findet so mancher Kinogänger doof, weil auch hier wie in den meisten Filmen von Alexander Payne (wie “Sideways” und “The Descendants”) keine echte Spannung aufkommt, keine nennenswerten Spezial-Effekte vorhanden sind und es um nichts Großes geht. Und tatsächlich ist “Nebraska” sehr langatmig und erdrückt förmlich mit der Langweiligkeit des Lebens im ländlichen Herzen der USA, sowie mit der Langweiligkeit des Alters. Doch ist das vielleicht der ehrlichste, authentischte und fairste Blick, denn man darauf werfen kann. Der demenzkranke Woody glaubt fest daran, dass die auf einem billigen Magazin-Werbe-Prospekt versprochene Million echt ist, und will unbedingt nach Lincoln, Nebraska, um seinen Gewinn einzu-streichen. Seine zwei Söhne und seine Frau helfen ihm widerwillig und gegen besseres Wissen da-bei, und auf dem Weg dahin lernen wir noch Woodys Heimatstadt und Familie kennen, die plötz-lich total an ihm interessiert sind, als sie von seinem vermeintlichen Gewinn erfahren. So eine Ge-schichte, die durchaus hier und da Schmunzler beschert, braucht Geduld und einen langen Atem, vom Filmemacher wie vom Zuschauer. Er ist in Schwarz-weiß, weil vielleicht so die eigentlich vielseitige Welt so trostlos aussieht, wie sie von Woody empfunden wird, und weil so zugleich das hässliche dieser Welt etwas hübscher und reiner wirkt, weniger kompliziert und schmerzlich.

 

Filmplakat: Paramount

Dancing In Jaffa

Dancing in Jaffa posterWieder einer dieser Doku-Filme, die einen großartigen Blick auf menschliches Leben werfen und für die doch kaum einer ins Kino gehen wird. Dabei erzählt Regisseurin Hilla Medalia die Ge-schichte des Tanzlehrers und ehemaligen Preistänzers Pierre Dulaine und der Kinder Jaffas ganz unangestrengt, hält sich praktisch kommentarlos zurück und lässt die Protagonisten erzählen. Davon wie es ist, als jüdisches Mädchen die Hand eines palästinensischen Jungen zu nehmen, in Jaffa – jener arabischen Stadt, die 1948 unter israelische Kontrolle gebracht wurde und in der nun zwei verfeindete Bevölkerungsgruppen Seite an Seite nebeneinander her Leben. Dancing In Jaffa ist erfrischend leicht, so ernst der Hintergrund des Films auch ist. Hier wird keine soziale Revoluti-on geplant oder der große Arthouse-Zeigefinger gehoben. Es wird ein leidenschaftlicher und muti-ger Lehrer und seine talentierten Schüler gezeigt, die es gar nicht fassen können, wie ein gemein-samer Tanz einen anderen Menschen näher bringt. Es ist nicht auszuschließen, und wer würde das auch abstreiten wollen, ist ja nichts dabei immerhin, also warum um den heißen Brei drum herum-reden, dass beim Gucken Tränen fließen könnten und werden.

 

Filmplakat: MFA

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

WalterMittyVielleicht mag ich den derben, satirisch überspitzten Humor eines “Zoolander” oder “Tropic Thunder” etwas mehr. Nichtsdestotrotz ist ein so warmherziger Film wie Walter Mitty der ideale Auftakt ins neue Kinojahr. Dass die Story an entscheidenden Stellen vorhersehbar, der “Bösewicht” eine reine Karikatur und Stiller an sich kein sonderlich guter Charakterdarsteller ist, darüber sehe ich gern hinweg. Denn Stiller ist diese etwas stereotype Tagträumer-Rolle wie auf den Leib geschrieben (welch Wunder, mit ihm als Regisseur). Die übrigen Charaktere sind allesamt glaubwürdig und jeder auf seine eigene Art sympathisch. Dazu besticht Stillers fünfte Regiearbeit mit teils wunderschönen Bildern und schlägt sich glaubwürdig auf die Seite all jener, die zu den “Verlierern” der modernen Zeiten zählen: den Unscheinbaren, den Bescheidenen, den Entlassenen. Eine Seltenheit im Hollywood-Kino.

 

 

 

 

Filmplakat: Fox

Das war’s schon?

Natürlich haben eure Leinwanderer noch mehr Kurzkritiken bzw. Reviews-To-Go zu bieten – doch weil wir diese bislang immer bloß auf facebook veröffentlich hatten, bedarf es etwas Arbeit, diese nun in unsere Homepage einzuspeisen. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis das erledigt ist. Bis dahin könnt ihr ja einfach selbst nach anderen Reviews auf facebook Ausschau halten! ;)
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