Saving Mr. Banks

saving_mr_banks-posterAchtung: Dies ist ein Film über ein Frau – eine Frau, die weder jung ist, noch auf eine niedlich-attraktive Art sympathisch, noch mit einer amourösen oder sonst wie sexuellen Verbindung zu ei-nem Mann konfrontiert ist. Nach allen bestehenden Regeln der Unterhaltungsindustrie dürfte dieser Film nicht erfolgreich sein, wenn es ihm überhaupt vergönnt wäre, produziert worden zu sein. Es ist die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der Autorin P. L. Travers, die aus dem hei-matlichen England nach Hollywood reißt, um die aus ihrer finanziellen Not bewilligte Adaption ihres Buches “Mary Poppins” zu beraten und genau genommen zu überwachen. Dabei wird sie mit Erinnerungen an ihre Jugend konfrontiert, die sie überhaupt zum Schreiben von “Mary Poppins” veranlassten. Dass Saving Mr. Banks umgesetzt werden konnte, hängt gewiss auch damit zusammen, dass darin Walt Disney und sein Studio höchstselbst die Verfilmung von “Mary Poppins” umzusetzen gedenken, und somit der auf dem Kinoplakat passend symbolische Schatten der mächtigen Mickey Mouse hinter sowohl über dem Marketing des Films als auch über der Rahmenstruktur der Erzählung hängt – und hin und wieder den Eindruck erwecken lässt, es ginge hier um ihn Walt Disney (oder den charmanten Mr. Tom Hanks). Aber Walt Disney ist nur Anstoß und Nebenfigur. Das Herz ist die grummelige Autorin. “Saving Mr. Banks” ist ein Film mit einer bescheidenen Geschichte auf großer Bühne, herausragende Darsteller im kleinen Quasi-Kammerspiel, majestätische Musik zu einer sehr persönlichen Handlung. Emma Thompson hätte eine Oscar-Nominierung verdient gehabt. Aber wichtig ist nur, dass dieser Film entstehen konnte.

 

Filmplakat: Walt Disney

Dallas Buyers Club

dallas_buyers_club_posterMatthew McConaughy ist ein Aufschneider, ein Schönling, der zu feige ist, richtig zu schauspielern. Das habe ich bis vor Kurzem noch insgeheim gedacht, wenn ich an “Der Womanizer” dachte, an “Zum Ausziehen verführt”, “Ein Schatz zum Verlieben” und wie sie alle heißen. Nun bin ich bei Weitem nicht der Einzige, den der Texaner nun doch noch eines Besseren belehrt hat. In Dallas Buyers Club erhält ein Arschloch, dass es nicht besser weiß – wie so viele -, eine einst katastro-phale Diagnose, hat Glück im Unglück und erhält die Chance, das einzig Kluge zu tun. Und dabei tut er etwas Gutes. Er muss nicht gegen AIDS kämpfen, sondern wegen AIDS. Und das verändert ihn. McConaughey und Jared Leto, der den seligen Transvestit Rayon spielt, liefern in “Dallas Buyers Club” die Performance ihres Lebens und die vielleicht stärksten Charakterdarstellungen dieses Jahres ab. Kamera, Kostüme und Sets sind herrlich simpel darauf zurechtkomponiert und fügen alle Elemente des Films auf eine Art zusammen, dass es summt. Sodass es auf eine sehr trau-rige, herzzerreißende Art summt.

 

Filmplakat: Ascot Elite

Anchorman 2 – Die Legende kehrt zurück

anchorman_2_the_legend_continues_posterDie Pseudo-Nachrichtenlegende Ron Burgundy (Will Ferrell) und sein notgeiles und beknacktes Team aus vermeintlichen Spitzenreportern ist zurück – und irgendwie besser als zuvor. Nach einem erneuten Höhenflug und Fall des besten Nachrichtensprechers von San Diego, geht das Abenteuer in New York bei dem ersten 24-Stunden-Nachrichtensender der Welt weiter. Nebenzahllosen witzi-gen Gaststars sind auch Paul Rudd, Steve Carell und Christina Applegate wieder mit von der Partie. Im Gegensatz zum Vorgänger “Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy” ist der neue Film noch eine ganze Ecke absurder und abgefahrener. Durch die noch stärkere Mediensatire, die sich hinter all dem Ulk versteckt, wirkt das Ganze aber noch ausreichend geerdet. Während Will Ferrell so gekonnt bescheuert ist wie immer, stehlen ihm die umwerfend komischen Steve Carell und Kristen Wiig sogar fast die Show. Ich habe sehr, sehr gelacht.

 

 

 

Filmplakat: Paramount

Erbarmen

Erbarmen-DE-PosterMit einer beachtlichen Konstanz laufen die Krimis unserer skandinavischen Nachbarn den deut-schen Produktionen schon seit Jahren den Rang ab. So auch im Fall von Erbarmen – oder fragwürdigerweise “Jussi Adler Olsen – Erbarmen” genannt -, wenngleich hier das deutsche Fernsehen immerhin mitproduzierte. Gewohnt düster, geruhsam und mitunter brutal geht es da im Fall des mutmaßlichen Selbstmordes der Politikerin Merete Lyngaard (Sonja Richter) zu. Ein Fall, der pro forma nach Jahren von dem zwangsversetzten Kopenhagener Kommissar Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und seinem Archiv-Kollegen Hafez el-Assad (Fares Fares) wieder durchgesehen … und wieder aufgerollt wird. Die Verfilmung von Jussi Adler Olsens Roman ist dabei in seiner Erzählweise und Motivwahl nicht sonderlich originell. Die Qualität der Kameraregie, des Szenendesigns und des Schnitts bewegt sich aber derart locker auf Hollywoodniveau, dass sich mal wieder die Frage aufdrängt, warum dies bei deutschen Filmen so oft zu vermissen ist. Zwar bedient sich die Handlung in diesem so übersättigten Genre altbekannter Tropen, doch werden diese sehr erfrischend neu kombiniert. Ja, dachte ich, so eine Geschichte habe ich bislang noch nicht erzählt bekommen. Fans des nordeuropäischen Verbrecherjagens können also unbesehen ins Kino pilgern – alle anderen mögen entspannt auf die DVD warten.

 

Filmplakat: NFP

The Wolf of Wall Street

WolfofWallStreetOder auch: The Wolf of Wahnsinn. Dreimal war Leo DiCaprio bereits für einen Oscar nominiert. Heute folgte Nominierung Nr. 4. Die hat er sich verdient – denn so gut wie in TWOWS war er wohl noch nie. Endlich gelingen ihm alle Nuancen, endlich meistert er auch jene Szenen ohne Overacting, die regelrecht dazu einladen. “TWOWS” ist einer der besten Filme in der nicht gerade highlightarmen Karriere des Martin Scorsese. 180 Minuten Gier und Exzess ohne Limit, immer mehr mehr mehr. Ohne den erhobenen Zeigefinger und die Stimme, die im Hintergrund warnt: Wir lachen jetzt zwar alle, aber die Realität ist ja ähnlich und echt übel. Es ist Scorsese hoch anzurechnen, dass die – teils wohl hemmungslos übertriebenen – Bilder da ganz für sich sprechen. Die dramaturgische Konstruktion zahlreicher langer Szenen ist meisterhaft. Die Dialoge sitzen perfekt. Und an die Sequenz, in der die Drogen bei Leo und Jonah Hill einmal voll reinhauen, wird man sich in 20 Jahren noch erinnern. Ebenso wie an diese irrsinnige Komödie insgesamt, die das Zeug zum Klassiker hat. In der IMDb klopft sie bereits an der Tür zur All-Time-Top50 an.

 

Filmplakat: Universal

Nebraska

nebraska.posterDer wenig überraschend sechs Mal für den Academy Award 2014 nominierte Nebraska zählt zu den sogenannten Oscar-Bait-Filmen, weil es darin um echte Probleme von quasi echten Menschen mit viel Emotionen geht. Sowas findet so mancher Kinogänger doof, weil auch hier wie in den meisten Filmen von Alexander Payne (wie “Sideways” und “The Descendants”) keine echte Spannung aufkommt, keine nennenswerten Spezial-Effekte vorhanden sind und es um nichts Großes geht. Und tatsächlich ist “Nebraska” sehr langatmig und erdrückt förmlich mit der Langweiligkeit des Lebens im ländlichen Herzen der USA, sowie mit der Langweiligkeit des Alters. Doch ist das vielleicht der ehrlichste, authentischte und fairste Blick, denn man darauf werfen kann. Der demenzkranke Woody glaubt fest daran, dass die auf einem billigen Magazin-Werbe-Prospekt versprochene Million echt ist, und will unbedingt nach Lincoln, Nebraska, um seinen Gewinn einzu-streichen. Seine zwei Söhne und seine Frau helfen ihm widerwillig und gegen besseres Wissen da-bei, und auf dem Weg dahin lernen wir noch Woodys Heimatstadt und Familie kennen, die plötz-lich total an ihm interessiert sind, als sie von seinem vermeintlichen Gewinn erfahren. So eine Ge-schichte, die durchaus hier und da Schmunzler beschert, braucht Geduld und einen langen Atem, vom Filmemacher wie vom Zuschauer. Er ist in Schwarz-weiß, weil vielleicht so die eigentlich vielseitige Welt so trostlos aussieht, wie sie von Woody empfunden wird, und weil so zugleich das hässliche dieser Welt etwas hübscher und reiner wirkt, weniger kompliziert und schmerzlich.

 

Filmplakat: Paramount

Dancing In Jaffa

Dancing in Jaffa posterWieder einer dieser Doku-Filme, die einen großartigen Blick auf menschliches Leben werfen und für die doch kaum einer ins Kino gehen wird. Dabei erzählt Regisseurin Hilla Medalia die Ge-schichte des Tanzlehrers und ehemaligen Preistänzers Pierre Dulaine und der Kinder Jaffas ganz unangestrengt, hält sich praktisch kommentarlos zurück und lässt die Protagonisten erzählen. Davon wie es ist, als jüdisches Mädchen die Hand eines palästinensischen Jungen zu nehmen, in Jaffa – jener arabischen Stadt, die 1948 unter israelische Kontrolle gebracht wurde und in der nun zwei verfeindete Bevölkerungsgruppen Seite an Seite nebeneinander her Leben. Dancing In Jaffa ist erfrischend leicht, so ernst der Hintergrund des Films auch ist. Hier wird keine soziale Revoluti-on geplant oder der große Arthouse-Zeigefinger gehoben. Es wird ein leidenschaftlicher und muti-ger Lehrer und seine talentierten Schüler gezeigt, die es gar nicht fassen können, wie ein gemein-samer Tanz einen anderen Menschen näher bringt. Es ist nicht auszuschließen, und wer würde das auch abstreiten wollen, ist ja nichts dabei immerhin, also warum um den heißen Brei drum herum-reden, dass beim Gucken Tränen fließen könnten und werden.

 

Filmplakat: MFA