Who Am I – Kein System ist sicher

R_Who Am I

Netter Versuch, deutsches Kino, netter Versuch. Regisseur Baran bo Odar lässt die Hacker Tom Schilling, Elyas M’Barek und Wotan Wilke Möhring vom Band, die zunächst allerlei sympathische Dinge anstellen: Nazis verarschen, BND verarschen, Großbanken verarschen. Irgendwann fällt ihnen jedoch auf, dass es ihnen eigentlich nur um Ruhm und Anerkennung des Hackerkönigs geht, weshalb die Aktionen des reinen Selbstzwecks wegen immer spektakulärer ausfallen müssen. Damit geraten sie jedoch irgendwann ins Visier von Kriminalbehörden und Organisierter Kriminalität. In Ansätzen ist dieser Genrefilm gar nicht mal so schlecht, insbesondere Darsteller, Musik und auch die eine oder andere Wendung innerhalb dieses prinzipiell spannenden Szenarios können überzeugen. Weniger gelungen sind die zahlreichen motivischen Kopien US-amerikanischer Vorbilder sowie – noch schlimmer – die offensichtlichen Kopien von Filmen, die für ihre Schlusswendungen berühmt geworden sind. Dazu eine dermaßen nicht funktionierende Lovestory, wie man es nur selten erlebt, und grundsätzlich eindimensionale, meist höchst unsympathische (Ruhm! Ruhm! Ruhm!) Charaktere. Unter einer netten Oberfläche verbirgt sich also nicht allzu viel.

 

Filmplakat: Sony Pictures

Katakomben

KatakombenOh je, noch so ein Wackelkameraerzeugnis mit lächerlichen Schockmomenten. Heißt es allerorts über John Erick Dowdles (“Quarantäne”, “Devil”) klaustrophobischen Abenteuerhorror, in dem eine Gruppe junger Wissenschaftler die Pariser Unterwelt erforscht, um den Stein der Weisen zu finden. Ich habe wohl einen anderen Film gesehen. Denn meine Katakomben waren atmosphärisch dicht, hatten ein Setting, das viel hermacht, brauchbare Darsteller sowie ein erfreulich unaufdringlich umgesetztes Found-Footage-Konzept via Helmkameras. Diverse Plotlöcher und manchmal unplausibel/nervig handelnde Charaktere trüben gelegentlich das Vergnügen. Insgesamt hatte ich mit “Katakomben” jedoch von der ersten bis zur letzten Minute meine Freude, insbesondere damit, dass nicht jedes Element der umfangreichen Mythologie bis ins kleinste Detail erklärt wurde.

 

 

 

Filmplakat: Universal

Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit

R_Mr_May_und_das_Fluestern_der_Ewigkeit_-_PlakatDer vielleicht deprimierendste Film des Jahres. Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit ist ein Film über einfache Menschen, Einsamkeit und eine Welt, in der selbst ein würdevoller letzter Abschied wegrationalisiert wird. Mr. May, grandios gespielt von Eddie Marsan, ist ein herzensguter, korrekter Mensch, ohne Freunde, ohne Familie, ohne Spaß am Leben. Statt eines Schwarzen Tees eine Heiße Schokolade zu bestellen, stellt für ihn die größtmögliche Extravaganz dar. Man erfährt wenig Gesichertes über ihn, doch Blicke und unausgesprochene Sätze verraten sehr vieles. Ein leiser, kleiner, starker Film, dessen bitteres, zynisches und zugleich frohes Ende eine Ambivalenz besitzt, die nachwirkt und zu Tränen rührt. Man muss sich jedoch darauf einlassen können.

 

 

 

 

 

 

Filmplakat: Piffl Medien

Guardians Of The Galaxy

R_Guardians Of The GalaxyBesser kann man Big-Budget-Kino kaum machen. Das neueste Marvelabenteuer ist witzig (dabei vor allem sehr selbstironisch), actiongeladen, spannend, sieht super aus und hat Charaktere, die in keine Schublade passen. Tolle Mischung aus “Star Wars” und “Firefly” und ein Pflichttermin für jeden Cineasten, besonders in der OV. Was für ein Blockbusterjahrgang!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Filmplakat: Walt Disney

Transformers 4: Age Of Extinction

transformers-age-of-extinction-posterMan mag ja von Michael Bay und seinen Filmen halten was man will, doch worüber wir uns gewiss einigen können, ist, dass der “Armageddon”-Regisseur wahrlich immer wieder neue Kino-Superlative schafft. So ist sein neuer 210 Millionen Dollar Film über kämpfende Superroboter die augenscheinlich gewaltigste Materialschlacht, die es je gab. Hier ist über nicht enden wollende Hundertfünfundsechzig Minuten so viel auf Hochglanz poliert, nur um dann kaputt gemacht zu werden, dass der Film eher 210 Milliarden gekostet zu haben scheint. Absolute Spitzenklasse ist Transformers 4: Age Of Extinction aber auch in der Hinsicht, dass ein bombastisches Actionfeuerwerk noch nie ermüdender, gleichförmiger und langweiliger war als dieses. Das ist sehr schade, weil eine mitreißende Effektshow immerhin hätte darüber hinwegtrösten können, wie be-scheuert und einfallslos Bays sogenannten “menschlichen” Charaktere (gespielt von Mark Wahlberg & Co.) agieren und reden, und wie belanglos die gesamte “Handlung” ist. Die tatsächlichen Protagonisten scheinen hier die Werbepartner zu sein, um deren in Szene gesetzten Produkte sich die “Ereignisse” ranken. Es gehen einem letztlich wirklich die Superlative aus, wenn man versucht ist zu beschreiben, wie unfassbar dämlich, maßlos und schamlos “Transformers 4: Age Of Extinction” ist. Nach dieser von Michael Bay inszenierten [QUOTE] Achterbahnfahrt [/QUOTE] – die effektiv nichts anderes als eine die Sinne abstumpfende, geschmacklose Dauer-werbesendung ist – verspürt man keine erregte Freude, sondern nur einen unwiderstehlichen Würgereiz. Es sei denn, man mochte schon die anderen „Transformers“-Filme. Dann wird man auch den Neuen bestimmt wieder super finden.

 

Filmplakat: Paramount

The Signal

The SignalWie man für 4 Millionen US-Dollar einen hübschen kleinen SciFi-Film drehen kann, der deutlicher teurer aussieht als er ist, zeigt William Eubank mit The Signal. Drei junge Leute fahren durch die USA auf der Suche nach einer geheimnisvollen Person. Als sie meinen, sie gefunden zu haben, finden sie sich auch schon in einer Quarantäne wieder. Die Handlung schlägt von hier an einige überraschende Bögen, ist aber auch nicht frei von Unglaubwürdigkeiten. Ob man mit der Auflösung leben kann, ist absolute Geschmackssache. Gesprächsbedarf gibt’s danach sicherlich. Definitiv gelungen ist die optische Umsetzung des Ganzen, bei der mit vielen symbolhaften und ungewöhnlichen Bildern gearbeitet wird. Richtig cool und alles andere als reine Effekthascherei sind die Superslowmotion-Szenen, die sich ein Zack Snyder gerne zum Vorbild nehmen darf.

 

 

 

Filmplakat: Capelight Pictures

The Fault In Our Stars

fault-our-stars-movie-poster(“Das Schicksal ist ein mieser Verräter”)
Als Shailene Woodley in “The Descendants” an George Clooneys Seite brillierte, konnte jeder eins und eins zusammenrechnen und ihr eine blühende Karriere prophezeien. Doch während der Sci-fi-Blockbuster “Die Bestimmung – Divergent” eher mäßigen Erfolg feierte, schlägt das romantische Drama The Fault In Our Stars an den Kinokassen ein wie eine Bombe. Vollkommen zu-recht, denn mit der Romanadaption von Autor John Green gelang Regisseur Josh Boone einer der ergreifendsten, poetischsten und stilsichersten Filme dieses Jahres. Darin wird die Geschichte der unheilbar an metastasiertem Lungenkrebs erkrankten Teenagerin Hazel (Shailene Woodley) erzählt, die einen recht trübseligen Alltag voller Galgenhumor fristet. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie den nur ein paar Jahre älteren Augustus (Ansel Elgort) kennen, der selbst den Kampf gegen den Krebs gewann und sie mit seiner charmant arroganten Art als Freundin gewinnt. Nun klingen die Worte Romanze + Teenager + Krebsfilm vielleicht nach einem allzu klischee- und schmalzanfälligem Rezept, doch ist es wohl vor allem dem immens glaubwürdigen, unbeschwerten Spiel der beiden jungen Hauptdarsteller zu verdanken, dass das Mitgefühl in keiner Minute auf der Strecke bleibt und oder kitschig und aufgesetzt wirkt. Sie sind nicht einfach lebenskluge Alte im Körper von jungen Menschen, sie sind auch nicht einfach nur weltvergessene Teenager im Liebes- oder Zerstörungsmodus. Sie sind greifbar. Und deshalb greifen überall auf der Welt die Kinogänger tief in ihre Tempotüten. Alle Top 10 Listen dieses Jahres müssen sich in acht nehmen.

 

Filmplakat: 20th Century Fox