Wild Tales

Wild TalesEs ist ein ziemlich guter Ruf, der dem schwarzhumorigen, sozialkritischen Episodenfilm Wild Tales vorauseilt: zehn Minuten Applaus in Cannes, Publikumspreise auf zahlreichen Festivals, besucherstärkster Film Argentiniens aller Zeiten und diesjähriger Oscarbeitrag selbigen Landes. In der Tat ist durchaus zu erkennen, worin dieser Ruf begründet liegt. Die sechs Episoden, die wenige Minuten bis eine knappe halbe Stunde lang sind, beschäftigen sich allesamt mit Protagonisten, die aus unterschiedlichsten Gründen und auf verschiedensten Wegen an der modernen Gesellschaft (Argentiniens) verzweifeln, aus ihren starren Rollen ausbrechen und schlichtweg eskalieren. Mal geht es um die Geister der Vergangenheit oder um die Tücken der Bürokratie, mal um Mord, Lug und Betrug. Das ist häufig subversiv, böse, witzig und wirkt wie eine Mischung aus Almodóvar (der hier auch produziert) und Tarantino. Es ist aber eben nicht immer so subtil, pointiert und – gemäß Filmtitel – wild, wie es Autor-Regisseur Damián Szifrón gerne hätte. Worauf die Episoden am Ende hinauslaufen, kann man sich manchmal schon recht früh denken. Weil es stilistisch (Kamera, Schnitt, Musik) sicher und variantenreich umgesetzt sowie mit überzeugenden Darstellern besetzt ist, wird es zwar nie richtig langweilig, aber es fehlen – abseits vieler guter kleiner Einfälle – die großen Überraschungen. Vor allem die finale Hochzeitsepisode zieht sich ziemlich. „Wild Tales“ wird dem Hype daher nicht ganz gerecht, macht aber natürlich trotzdem jede Menge Spaß (und ist auch deutlich mehr Komödie als bissige Gesellschaftskritik).

 

Filmplakat: Prokino

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