Mad Max: Fury Road

FuryRoadEs gibt wohl nicht viele Regisseure auf diesem Planeten, die tendenziell kinderfreundliche Filme wie „Schweinchen Babe in der großen Stadt“ oder die beiden „Happy Feet“-Teile drehen würden und anschließend zu jener postapokalyptischen Trilogie zurückkehren, die einst ein ganzes Genre geprägt hat. 30 Jahre nach dem dritten und lange Zeit letzten Teil setzt Regisseur George Miller himself nun also noch einen obendrauf. Und es gibt gerade nicht wenige, die sagen, er hätte mit Mad Max: Fury Road erneut einen Genre-Meilenstein abgeliefert. Zumindest – so viel lässt sich zweifelsfrei sagen – hat er eine verdammt gute und würdige Fortsetzung gedreht, die womöglich mit keinem anderen Actionfilm der Geschichte zu vergleichen ist. Zwei Stunden lang rasen Tom Hardy, Charlize Theron und mehrere zu beschützende (aber auch sehr wehrhafte) Frauen durch die Wüste, verfolgt von wahnsinnigen Schurken. Mehr Story gibt’s im Prinzip nicht. Das alles kommt zu einem großen Teil ohne Spezialeffekte aus, ist wild, ist roh, ist selbstironisch und einfach unfassbar schnell. Es ist komplett gegen die Sehgewohnheiten des aktuellen Mainstreampublikums gebürstet, weil es nicht erklärt, was es tut, und dem Zuschauer nicht vorgibt, wie ernst es diesen Film überhaupt nehmen soll. Das Ergebnis sieht man am Box Office: Zwar scheint „Mad Max: Fury Road“ kein totaler Flop zu werden – ein berauschender Erfolg sieht aber auch anders aus. Sei’s drum. Für Fans der Serie oder wahre Fans des Genres – also jene, die einen „Transformers“-Film nicht für die Krone der Actionschöpfung halten – ist das ein Leckerbissen, der schnell verdaut ist, aber auch richtig gut schmeckt.

 

Filmplakat: Warner Bros.

Der Babadook

DerBabadookEs passiert selten, dass über einen Film einer Frau geredet wird. Weil Frauen selten Filme drehen (dürfen) – in Hollywood war es im vergangenen Jahr bei den 100 kommerziell erfolgreichsten Filmen beispielsweise nur eine einzige: die bislang eher unbekannte Angelina Jolie. Selten kommt es auch vor, dass Regisseure – egal welchen Geschlechts – einen guten, stilsicheren Horrorfilm mit authentischen Charakteren abliefern. Und nun kommt’s: Der Babadook ist ein guter Horrorfilm, inszeniert von einer Frau. Und um noch einen oben drauf zu setzen: Es ist ein Debütfilm. Mir persönlich war mit Ausnahme von Jennifer Lynch („Unter Kontrolle“, „Chained“) bislang überhaupt keine Frau bekannt, die im Bereich Horror/Mystery etwas Nennenswertes vorzuweisen hatte. Das hat sich dank der Australierin Jennifer Kent nun geändert. Ihre Geschichte, basierend auf ihrem zehn Jahre alten Kurzfilm „Monster“, handelt von einer Mutter (stark: Essie Davis) und ihrem sehr schwierigen sechsjährigen Sohn, der seinen Vater auf dem Weg zu seiner eigenen Geburt bei einem Autounfall verloren hat. Er meint, seine Mutter vor einem Monster namens Babadook schützen zu müssen. Sie zweifelt erst an seinem Geisteszustand, später dann an ihrem eigenen. Klingt bekannt und etwas revolutionär Neues erzählt Jennifer Kent auch nicht wirklich. Bemerkenswert ist jedoch, wie tief sie in die Psyche ihrer Figuren eindringt und deren Unbehagen, das später zu purer Verzweiflung heranwächst, sichtbar macht. Viele Leute, die diesen Film bereits gesehen haben, sortieren ihn nicht ganz zu Unrecht eher im Dramagenre ein. Meines Erachtens ist er beides: ein Drama, das von einem schmerzhaften Schicksalsschlag und dessen für die beiden Hauptfiguren weitreichenden Konsequenzen handelt, und ein Horrorfilm, der zunehmend bedrohlicher wirkt und den Schrecken vor allem mittels Kameraführung und Soundkulisse verbreitet.

 

Filmplakat: Capelight Pictures