Little Women

Little Women - SonyManchmal möchte man einen Film unbedingt mögen. Aber manchmal merkt man schnell, dass das wohl nicht passieren wird. Und manchmal täuscht der erste Eindruck. Little Women entwickelt sich von einer kitschigen Liebesgeschichte zu einem in seinen besten Momenten herzzerreißenden Coming-of-Age-Film, in dem die romantischen Gefühle der Protagonist*innen immer in einem Kontext stehen: zu Lebensentwürfen, Rollenerwartungen und persönlichen Tragödien. Während andere Filme häufig nicht glaubhaft darstellen können, warum sich Personen in andere Personen verlieben, nicht verlieben oder erst später verlieben, wirkt das, was die Figuren hier preisgeben, wenn sie offen über ihre Gefühle reden, absolut plausibel. Bemerkenswert ist auch, wie Greta Gerwig es schafft, mit wenigen Dialogzeilen selbst Nebencharakteren intime Details zu entlocken. „Little Women“ ist ein Film, in dem man auch als Ü30-Mann, der 150 Jahre später in komplett anderen Verhältnissen lebt, etwas über sich selbst erfahren kann.

Filmplakat: Sony Pictures

Jackie

Jackie - TobisWie kann ein Mensch weiterleben, wenn direkt neben ihm ein anderer stirbt? Wenn der Kopf des anderen plötzlich zerplatzt und sich das Gehirn auf dem eigenen Körper verteilt? Dies zu beantworten – oder es zumindest zu versuchen – ist der Anspruch des historischen Dramas Jackie. Doch da ist noch viel mehr als das: Die dem Film seinen Namen gebende Hauptfigur ist keine Geringere als die Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Regisseur Pablo Larraín hat mit Natalie Portman die perfekte Besetzung für diesen faszinierenden Charakter gefunden. Schaut man sich alte Dokumentationen an, so kommt man zu dem Schluss, dass Portman das Gebaren und den Akzent der ehemaligen Präsidentengattin nahezu ohne Verlust imitiert. Zugleich schafft sie es, die zahlreichen Widersprüche dieser Person, zumal verstärkt durch die psychische Extremsituation nach dem Tod ihres Mannes, fassbar zu machen. Dabei hilft ihr der Fokus auf die Hauptdarstellerin: Portman schaut – ungewöhnlich für heutige Filme – meist nur knapp an der Kamera vorbei. Diese wiederum bleibt stets nah am Gesicht der Schauspielerin. Zusammen mit der im besten Sinne schauderhaften Streichmusik ergibt sich so ein stimmiges, intimes, fast dokumentarisches Porträt von Person und Epoche, das in einen kraftvoll inszenierten Trauermarsch mündet.

 

 

Filmplakat: Tobis