Bombshell

Bombshell - Wild BunchRoger Ailes war ein Schwergewicht, sowohl körperlich als auch medial und politisch. Er gründete einst den erzkonservativen Nachrichtensender Fox News, der in den USA so viele Zuschauer*innen erreicht wie kein anderer und Donald Trump ins Präsidentenamt verhalf. Ailes selbst benahm sich offenbar so, wie man es von einem Unterstützer eines misogynen Politikers erwarten darf: Er belästigte Mitarbeiterinnen sexuell und verlangte Blowjobs für Jobs in seinem Sender. In Bombshell geht es um jene Tage, in denen die Betroffenen ihn stürzten, indem sie seine größte Waffe gegen ihn verwendeten: die Öffentlichkeit. Überzeugend sind vor allem die Hauptdarstellerinnen Charlize Theron, Nicole Kidman und Margot Robbie. Darüber hinaus ist es die Thematik selbst, die dafür sorgt, dass der Film als wütende Anklage gegen Ailes und ein von widerlichen Männern beherrschtes System funktioniert. Übrigens: 2018 führte Buzzfeed eine Umfrage unter deutschen Journalistinnen durch – 80 Frauen gaben an, während ihrer Arbeit sexuell belästigt worden zu sein.

Filmplakat: Wild Bunch

Spotlight

SpotlightWenn man selbst als Journalist arbeitet, betrachtet man einen Film wie Spotlight natürlich mit besonderem Interesse. Ein gleichnamiges Investigativteam des „Boston Globe“ recherchiert darin gegen allerlei Widerstände einen gewaltigen Missbrauchsfall in der katholischen Kirche. Das Ganze basiert auf realen Ereignissen und darf als Loblied auf idealistischen, engagierten und ausdauernden Journalismus und die Macht des Aufklärerischen verstanden wissen. Mit Mark Ruffalo, Rachel McAdams, John Slattery und Michael Keaton ist das Investigativteam exzellent besetzt. In kleineren, eher zurückgenommenen Rollen tauchen zudem Stanley Tucci als Opferanwalt und Liev Schreiber als besonnener Chefredakteur auf. Letzterer hat hierbei eine der besten Rollen seiner Karriere erwischt. Regisseur Tom McCarthy inszeniert seine aufwühlende Geschichte ohne Hektik und überflüssige Dramatik. Stattdessen konzentriert er sich ganz auf die mühsame Recherchearbeit seiner Helden, die er nicht als solche feiert. Wenngleich er Journalismus darstellt, wie er idealerweise funktionieren kann, glorifiziert er ihn jedoch nicht nur: Auch Mitarbeiter des „Boston Globe“ haben versagt und sich zunächst mit einer schlechten Sache gemein gemacht. Dennoch: Als Journalist empfinde ich diesen Film als ungemein motivierend. Ein weniger guter Film zum selben Thema hätte das womöglich nicht geleistet.

 

 

Filmplakat: Paramount