Suburra

Suburra - Koch MediaDie Apokalypse steht am Anfang. Zumindest ihre Ankündigung. In sieben Tagen soll es so weit sein, erklärt uns eine Texttafel zu Beginn des italienischen Neo-Noir-Thrillers Suburra, dessen Handlung am 5. November 2011 beginnt und exakt eine Woche später endet. Es ist eine Zeit, in der das Land dank Eurokrise unter einer schweren Rezession leidet. Am 12. November wird ein politisches Erdbeben – mal wieder – Rom erschüttern. In Kirchenkreisen machen zudem erste Gerüchte über einen bevorstehenden Amtsverzicht des Papstes die Runde. Vor diesem Hintergrund agieren in „Suburra“ rücksichtslose Gangster, gierige Bauunternehmer und korrupte Politiker – business as usual also. Es dauert nicht lange, bis die ersten Figuren dauerhaft von der Bildfläche verschwinden. Haben die (Un-)Fälle zunächst nichts miteinander zu tun, so verweben sich die Schicksale der beteiligten Personen bald auf verhängnisvolle Weise miteinander. Rache, Angst und Größenwahn werden zu den beherrschenden Motiven der Handelnden. Daran, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen kann, lässt Regisseur Stefano Sollima („A.C.A.B.“, „Gomorrha – Die Serie“) keine Zweifel. Zu gegensätzlich sind die Interessen der freiwillig und unfreiwillig Involvierten. Wie Sollima die komplexe und komplizierte Gemengelage überschaubar hält, ist beeindruckend. Jede Entscheidung wirkt plausibel, jede Eskalation scheint unvermeidlich. In „Suburra“ passt alles: das Setting, die Darsteller, packende Schießereien, die stetes Unheil verkündenden Bilder – und die Musik! Der hypnotisierende Elektropop von M83 verleiht diesem Mafia-Krimi etwas Modernes und erinnert gleichzeitig an die 70er; eine Zeit, in der das Genre Klassiker wie „Der Pate“ hervorbrachte. Mit „Suburra“ hat der Noir-Film nun einen herausragenden Vertreter hinzubekommen.

 

 

Filmplakat: Koch Media

The Nice Guys

NiceGuysBestimmte Perioden in der US-amerikanischen Geschichte eignen sich offenbar ganz besonders gut, um auf launige Weise von amateurhaften Gaunern und Helden zu erzählen. Man denke hier vor allem an die 70er und jüngere Filme wie „American Hustle“ oder „Inherent Vice“. Mit letzterem gemein hat Shane Blacks Krimi-Komödie The Nice Guys vor allem den Privatdetektiv in der Titelrolle, diesmal gespielt von Ryan Gosling und ähnlich vertrottelt wie einst in Gestalt von Joaquin Phoenix. Ihm zur Seite und leicht außerhalb des Gesetzes steht Russell Crowe. Wie so oft in diesem Genre treiben unglückliche Umstände die beiden gegensätzlichen und zunächst feindlich gesinnten Charaktere zueinander. Der Tod eines Pornostars gibt ebenso Rätsel auf wie das Verschwinden der Tochter einer hochrangigen Politikerin. Womit man alles weiß, was es zunächst zu wissen gibt. Der Rest ist eine durchaus wendungsreiche Crimestory, in deren Verlauf immer wieder Figuren auf überraschende und/oder lustige und/oder groteske Weise das Zeitliche segnen. Die wenigen ernsten Momente des Films fügen sich hervorragend ein, da die Charaktere trotz aller Überzeichnung glaubwürdig angelegt sind und untereinander hervorragend harmonieren. Dies gilt auch für Goslings junge Filmtochter, die sich maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt. Stimmungsvolles Setting, eine ordentliche Portion Selbstironie und unverwechselbare Charaktere – „The Nice Guys“ erweist sich damit als würdiger Nachfolger von „American Hustle“ und „Inherent Vice“. Man darf gespannt sein, ob sich die Reihe auch im kommenden Jahr fortsetzen wird.

 

 

Filmplakat: Concorde