Zeit der Kannibalen

Zeit der KannibalenIst dem afrikanischen Kontinent mehr geholfen, wenn man den Kapitalismus vernichtet oder wenn der Kapitalismus ihn vernichtet? Und trägt sexuelle Ausbeutung mittels oraler Befriedigung von Putzfrauen zur Entwicklungshilfe bei? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich die drei Protagonisten in Johannes Nabers zweitem Spielfilm Zeit der Kannibalen. Öllers und Niederländer, beide mit zahlreichen sozialen Defiziten ausgestattet und latent rassistisch-sexistisch, reisen seit sechs Jahren als Unternehmensberater der “Company” um die Welt und hoffen auf eine baldige Beförderung. In Nigeria schließt sich ihnen die weltoffene und tolerante Bianca an, die nach Ansicht der beiden Männer in einer NGO deutlich besser aufgehoben wäre. Mittels grandioser Dialoge (gesprochen von drei exzellenten Schauspielern) prallen die sehr verschiedenartigen Charaktere, die ihre Hotels nie verlassen, aufeinander. Naber verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger und macht den Film somit theoretisch sowohl für radikale Kapitalismuskritiker als auch für vom vermeintlichen Gutmenschentum genervte Arschlöcher genießbar. Am Ende stecken sowieso alle in derselben Scheiße.

 

Filmplakat: Farbfilm

The Wolf of Wall Street

WolfofWallStreetOder auch: The Wolf of Wahnsinn. Dreimal war Leo DiCaprio bereits für einen Oscar nominiert. Heute folgte Nominierung Nr. 4. Die hat er sich verdient – denn so gut wie in TWOWS war er wohl noch nie. Endlich gelingen ihm alle Nuancen, endlich meistert er auch jene Szenen ohne Overacting, die regelrecht dazu einladen. “TWOWS” ist einer der besten Filme in der nicht gerade highlightarmen Karriere des Martin Scorsese. 180 Minuten Gier und Exzess ohne Limit, immer mehr mehr mehr. Ohne den erhobenen Zeigefinger und die Stimme, die im Hintergrund warnt: Wir lachen jetzt zwar alle, aber die Realität ist ja ähnlich und echt übel. Es ist Scorsese hoch anzurechnen, dass die – teils wohl hemmungslos übertriebenen – Bilder da ganz für sich sprechen. Die dramaturgische Konstruktion zahlreicher langer Szenen ist meisterhaft. Die Dialoge sitzen perfekt. Und an die Sequenz, in der die Drogen bei Leo und Jonah Hill einmal voll reinhauen, wird man sich in 20 Jahren noch erinnern. Ebenso wie an diese irrsinnige Komödie insgesamt, die das Zeug zum Klassiker hat. In der IMDb klopft sie bereits an der Tür zur All-Time-Top50 an.

 

Filmplakat: Universal