Aladdin

AladdinAladdin als Helden meiner Kindheit zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben. Aber besonders die in den 90ern ausgestrahlte Zeichentrickserie gehörte neben „Darkwing Duck“, den „Gargoyles“ und einigen anderen zu meinen Favoriten. Es waren vor allem die vielfältigen und mysteriösen Orte und Kreaturen, die mich begeisterten. Und Dschinni, dessen witzige Anspielungen ich erst als Erwachsener vollständig verstehen konnte. Orte, Kreaturen und Dschinni – genau das wünschte ich mir also von Guy Ritchies Spielfilm im Jahr 2019. In der ersten Hälfte bekam ich tatsächlich vieles davon zu sehen: eine rasant inszenierte Flucht von Aladdin und Jasmin durch Agrabah, der Griff nach der Wunderlampe in einer gefährlichen Höhle und der erste Auftritt des von Will Smith mit viel Lust dargestellten blauen Wunderwesens. Umso enttäuschender die zweite Filmhälfte, die fast ausschließlich im Palast des Sultans spielt und überwiegend davon handelt, dass Aladdin auf unsympathische Art die Prinzessin für sich gewinnen möchte. Die zu Beginn noch etwas stärker betonte Außenseiterstory eines Diebes, der irgendwie über die Runden kommen muss, gerät völlig in den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine langweilig erzählte Lovestory (genau genommen gibt es noch eine zweite, die im 90er-Film nicht vorhanden war) in immerhin überwältigender Ausstattung. Der böse Dschafar darf gegen Ende des Films ein bisschen wüten; allzu viel passiert jedoch nicht. Vielleicht war das Original genau so belanglos wie dieser Film – ich erinnere mich nicht mehr. In jedem Fall wäre es nötig gewesen, die Geschichte zeitgemäßer und vor allem spannender zu erzählen.

Filmplakat: Walt Disney

The Jungle Book

JungleBookWar das wirklich sinnvoll? Eine weitere Verfilmung der Coming-of-Age-Geschichte „Das Dschungelbuch“ aus den Jahren 1894/95 beziehungsweise ein Quasi-Remake des gleichnamigen Kinder- und Zeichentrickfilmklassikers aus dem Hause Disney von 1967 zu machen? Ja, das war es! Die bis dato letzte Realverfilmung von Stephen Sommers handelte weniger von den Bewohnern des Dschungels als von Menschen, genauer gesagt von sich liebenden Menschen. Seitdem sind mehr als 20 Jahre vergangen, in denen sich die technischen Möglichkeiten rasant weiterentwickelt haben. Die nunmehr animierten Tiere wirken unfassbar realistisch und machen The Jungle Book schon jetzt zu einem Favoriten für den Effekte-Oscar. Doch das allein ist es nicht, was diese Neuverfilmung so sehenswert und wichtig macht. Es ist vor allem das Plädoyer für Werte, die heute so umstritten scheinen wie schon lange nicht mehr: Vielfalt, Toleranz und das Recht eines jeden Individuums auf Freiheit und Wohlergehen. Der Schurke dieses Films – der Tiger Shere Khan – diskriminiert und grenzt aus. Sowohl in Europa (und hier beileibe nicht nur am rechten Rand) als auch im Produktionsland USA sind aktuell politische und gesellschaftliche Kräfte am Werk, die ähnlich handeln. Wenn ein solcher Film, der sich speziell auch an Kinder und Jugendliche richtet, dagegen ankämpft – ob bewusst oder unbewusst – ist dies nur zu begrüßen. Richtig unterhaltsam, humorvoll und bewegend wird „The Jungle Book“ folgerichtig dann, wenn der antiautoritäre und hedonistisch veranlagte Bär Balu die Bühne betritt. Leider ist nicht zu übersehen, dass der Film unter einigen dramaturgischen Schwächen leidet. So spannend und atmosphärisch der Konflikt zwischen Mowgli und Shere Khan zunächst aufgebaut wird, so belanglos ist er mit zunehmender Dauer. Stattdessen scheinen die Macher darum bemüht, so viele bekannte Charaktere wie möglich einzubauen. Insbesondere der Handlungsstrang um den Affenkönig Louie wirkt überflüssig. Die Art und Weise, wie Mowgli anschließend zum eigentlichen Kernkonflikt zurückgetrieben wird, ist zudem arg konstruiert. Kleiner Tipp: Selbstverständlich ist die Originalfassung mit den Stimmen von Ben Kingsley, Bill Murray, Scarlett Johansson und Christopher Walken der deutschen Synchronisierung vorzuziehen.

 

 

Filmplakat: Walt Disney

Baymax

P1.43 (BIGH6_005E_G - International Payoff (Full Body Baymax))Wenn der einzige wirkliche Pluspunkt eine Selbstverständlichkeit ist in Anbetracht des Budgets – nämlich die Qualität der Animationen – dann wird es am Ende wohl eher nicht auf eine Empfehlung hinauslaufen. Im Gegenteil: Baymax (im Original: „Big Hero 6“) ist die erste richtige Enttäuschung des Jahres und die Entscheidung der Oscar-Academy, diesen Film anstatt beispielsweise den „Lego Movie“ als besten Animationsfilm zu nominieren, eine wirklich bittere Pille. Im Mittelpunkt von „Baymax“ steht ein genialer Junge, der etwas erfindet, was sich später ein Superschurke zu Eigen macht. Dieser Junge nutzt dann eine Erfindung seines Bruders im Kampf gegen den Schurken: einen unbeholfenen, harmlosen Roboter namens Baymax, der als Arzt oder Apotheker programmiert wurde. Seine Fähigkeiten werden ein bisschen aufgehübscht und so kämpfen sie gemeinsam gegen den Schurken. Sie, und noch ein paar andere Wissenschaftler, die sich jetzt ebenfalls als Superhelden ausgeben. Tja, und irgendwann ist der Film dann auch schon wieder vorbei, ohne das irgendetwas Nennenswertes passiert wäre, was man so nicht schon etliche Male gesehen hätte. Namentlich: Gags, die überhaupt nicht zünden. Emotionale Momente, die so konstruiert sind, dass sie spurlos vorbeihuschen. Kampfszenen, die nach dem üblichen vorhersehbaren Muster ablaufen. Die bekannt überdrehten Charaktere, die sich in ihren Eigenschaften nicht wesentlich voneinander unterscheiden. Eine selbst für einen Animationsfilm teils hanebüchene Handlung. Sowie einen Schurken, dessen Identität man 58 Meilen gegen den Wind riecht. Aber „Baymax“ hat auch etwas Exklusives: einen kurzen Vorfilm über einen Hund nämlich, dem es scheinbar besonders gut geht, wenn man ihn mit Dingen vollstopft, die schon für Menschen (im Übermaß) nicht sonderlich gesund sind: Pommes, Burger, Kuchen. Wenn man darüber nachdenkt, welche Zielgruppe im Kino sitzt, dann ist das nicht nur pädagogisch wertlos. Das ist einfach total unverantwortlich.

 

Filmplakat: Walt Disney