The Girl with All the Gifts

The Girl with All the Gifts - SquareOne UniversumIrgendwann während der ersten Staffel von „The Walking Dead“ gab es bei mir die Hoffnung, die Serie könnte der Zombiemythologie etwas Neues hinzufügen. Doch die hohe Qualität der ersten Staffeln resultierte eher aus den zwischenmenschlichen Grausamkeiten, der schonungslosen Brutalität und manch inszenatorischer Wucht denn aus bahnbrechend neuen Vorstellungen über das Wesen von Zombie und übertragenem Virus. Wer aber genau so etwas von einem Genrebeitrag erwartet, ist bei The Girl with All the Gifts des bislang eher unbekannten Regisseurs Colm McCarthy gut aufgehoben. Darin spielt die heute 14-jährige Sennia Nanua das Mädchen Melanie, das sich – genau wie einige andere Art- und Altersgenossen – auf einer Militärbasis verschiedenen Experimenten unterziehen muss und dabei überhaupt nicht menschenwürdig behandelt wird. Dies liegt vor allem daran, dass Melanie nach Ansicht der Militärs kein Mensch, sondern eine Art Zombie ist. Im Film ist vor allem von „Hungries“ und Infizierten die Rede. Kurz bevor Melanie unter dem Skalpell einer Wissenschaftlerin landet, kann und muss sie gemeinsam mit einigen „normalen“ Menschen die Flucht antreten. Hat man die ersten 15 Minuten, in denen arg mit dem symbolischen Holzhammer gearbeitet wird, überstanden, entwickelt sich „The Girl with All the Gifts“ zu einem über weite Strecken starken Endzeitstreifen, der durch harte Zombieaction, starke Darsteller, spannende Momente und interessante Ideen besticht. Letztere betreffen beispielsweise die Art und Weise, wie „Hungries“ ihren Tag verbringen und auf Menschen reagieren, oder die Verbreitung der Pilzkrankheit, welche auf ganz neuen Wegen geschieht. Letztlich hat dieser Film somit innerhalb von zwei Stunden mehr für das Zombiegenre geleistet als „The Walking Dead“ im Laufe der gesamten Serie.

 

 

Filmplakat: SquareOne / Universum

Insurgent

InsurgentDie hochbegabte Tris (Eigenschaften: altruistisch, mutig, gebildet, freundlich, ehrlich) befindet sich nach den Geschehnissen von „Divergent“ nun auf der Flucht. Einige Leute in der dystopischen Zukunft von Chicago halten offenbar nichts davon, dass manche Menschen mehr als eine Sache richtig gut beherrschen. Gemeinsam mit denen, die angeblich gar nichts können, aber viele Waffen besitzen, plant Tris den Widerstand gegen das System, dessen Teil sie im ersten Film noch war und das sie mit ihrem Leben beschützen wollte. Eine klassische Geschichte also, bekannt etwa aus „Equilibrium“ und anderen düsteren Zukunftsphantasien, in denen die Freiheitsrechte mit Verweis auf ein angeblich höheres Gut unterdrückt werden. Und ein interessanter Stoff, den man unter philosophischen, kulturellen und politischen Gesichtspunkten mal so richtig schön auseinandernehmen könnte. Doch dafür interessiert sich dieses auf die Young-Adult-Zielgruppe zugeschnittene Spektakel freilich nicht im Geringsten. Pflichtbewusst wird irgendwann mal kurz angemerkt, dass der Preis, der für ein friedliches Zusammenleben gezahlt wird, viel zu hoch ist. Doch die eigentlichen Fragen, etwa die nach Entstehung und Sinn des Kastensystems mit den eingangs erwähnten Eigenschaften, bleiben bis zum Ende des Films weiter unbeantwortet. Die Antwort, die es dann gibt, ist ähnlich befriedigend und originell wie es ein „Alles nur ein Traum“ gewesen wäre. Veronica Roth, die damals 20-jährige Autorin der Romanvorlagen, hat sich ein Zukunftsszenario mit interessanten Prämissen überlegt, ohne sich jedoch weitere Gedanken darüber zu machen, wie man es sinnvoll erklären kann. Dafür sollte man einer so jungen Frau nicht böse sein. Kaufen oder gar verfilmen muss man das dann aber wirklich nicht. Im Kern ist Insurgent dann halt doch eine übliche Verschwörungsstory mit unglaubwürdigen Wendungen und Figuren, die sich oberflächlich feministisch gibt, aber eigentlich das genaue Gegenteil davon ist: Mehr noch als im ersten Teil ist die von Shailene Woodley solide gespielte Tris zur Passivität verdammt und von den Handlungen beziehungsweise der Hilfe ihrer männlichen Begleiter abhängig. Immerhin ist „Insurgent“ etwas besser als „Divergent“, u.a. weil es ohne gleichermaßen anbiedernde wie die Atmosphäre zerstörende Popmusik auskommt und der gebotene Inhalt diesmal einigermaßen zur Filmlänge passt. Irgendeinen Grund, sich auf die zweiteilige Verfilmung des dritten Bandes zu freuen, sehe ich nicht. Eher im Gegenteil: Diese mittlerweile weitverbreitete Cashcow-Methode vertreibt auch den letzten Anflug von Neugier.

 

Filmplakat: Concorde