La La Land

La La Land - StudiocanalEs zerfetzt mir das Herz, sie weinen zu sehen. Mia, gespielt von Emma Stone, sitzt einfach nur da, an einem Tisch, sagt nichts, doch in ihren Augen spiegelt sich die ganze Enttäuschung, die sie in diesem Moment empfindet. Bis zu diesem folgenreichen Gespräch mit Sebastian, gespielt von Ryan Gosling, ist La La Land ein großer Freudenreigen: für die Figuren, die nach idealistischer Selbstverwirklichung und künstlerischen Erfolgen streben, aber vor allem für das staunende Publikum, dem Regisseur Damien Chazelle („Whiplash“) eine mitreißende Liebesgeschichte im Gewand eines gleichermaßen modernen wie nostalgischen Musicals präsentiert. Er nutzt die Möglichkeiten des zeitgenössischen Kinos, um gleich zu Beginn eine atemberaubende, scheinbar fast ungeschnittene Tanz- und Gesangseinlage auf einer Autobahn zu inszenieren, die sich – klammert man den technischen Aufwand aus – so anfühlt, als wäre sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Die mal nachdenkliche, mal abenteuerlustige Musik macht süchtig und der Dreiklang aus Energie, Leidenschaft und Ideenreichtum in der Präsentation der Musicalnummern lässt die Leinwand förmlich erbeben. Doch das Herz des Films ist Emma Stone, die all das ausstrahlt, was eine Figur in einem solchen Film braucht: Lust, Freude, Verlangen, Verletzlichkeit und nicht zuletzt eine Ambivalenz in ihren Gefühlen, die ihren Charakter zutiefst menschlich macht. Es passiert nicht oft, dass der bloße Anblick einer Schauspielerin mir die Tränen in die Augen treibt – in „La La Land“ geschieht dies unzählige Male. Alle Stärken des Films finden im furiosen Finale noch einmal zueinander. Dieses lässt zwar zunächst etwas ratlos zurück, doch das kurze Gefühl der Trauer wandelt sich – sobald die wesentliche Aussage über die Ungewissheiten des Lebens erkannt ist – in eine tiefe Zufriedenheit, die wohl niemals enden wird.

 

 

Filmplakat: Studiocanal

Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

birdman posterNoch einmal groß sein! Zum ersten Mal die verdiente Aufmerksamkeit bekommen! Endlich von ihm geliebt werden! Einen richtigen Hit abliefern! Wieder so berühmt werden wie früher! Wieder richtige Kunst schaffen! Endlich etwas aus dem eigenen Leben machen! Doch wieder einen hochkriegen! Zu guter Letzt doch noch diese Show auf die Beine stellen … Riggan Thompson (Michael Keaton) will seine Adaption von Raymond Carver auf die Bühne bringen, um nach all den Jahren sein Image als abgehalfterter Ex-Superhelden-Schauspieler – Hauptdarsteller des titelgebenden, originalen Birdman und seiner zwei Sequels – loszuwerden … doch der Broadway ist für ihn gänzlich unbekanntes Terrain: Riggan tigerte durch den Backstagebereich, flieht von seiner Umkleide auf die Bühne und wieder zurück, eilt seiner Tochter Sam (Emma Stone) hinterher, flüchtet vor ihrer Zurückweisung und ihren Problemen, versucht seinen Producer Jake (Zack Galifianakis) zufriedenzustellen, seiner Freundin und Bühnenkollegin Laura (Andrea Riseborough) nicht zu oft über den Weg zu laufen, sich vom Neuzugang und Broadway-Urgestein Mike (Edward Norton) nicht unterbuttern zu lassen, die unsichere Hauptdarstellerin Lesley (Naomi Watts) bei Laune zu halten und nicht wie der größte Loser gegenüber seiner Ex-Frau Sylvia (Amy Ryan) dazustehen, die sich doch vor allem um ihre gemeinsame Tochter sorgt und seine Egozentrik noch nie nachvollziehen konnte, dabei will er doch nur gute und wertvolle Arbeit abliefern und dafür anerkannt werden und nicht mehr das kleine Würstchen sein, das Stimmen hört und für das es manchmal schwer ist, Realität von Fantasie zu unterscheiden, und endlich wieder der Mann werden, der er immer sein wollte, der unentwegt durch die Hallen des Theaters schreitet, vor dessen Füßen sich die Räume öffnen und nahtlos ineinander übergehen, und einen nicht enden wollenden Strom an Szenen, Sequenzen und Akten schaffen, kein Schnitt und kein Bullshit, genau, wie es beim Theater sein sollte, obwohl das, was er macht, ja viel mehr ist als Theater, so voller Inspiration und Humor und tiefer Gefühle, die sich direkt vor der Nase des Publikums abspielen und das Ganze zu mehr machen als Theater oder Kino oder was sonst jemals jemand versucht hat und es wird großartig und wunderschön und hässlich und vor allem wird es großartig, um noch einmal einer der Großen zu sein, und es den Hollywood-Idioten und Broadway-Schnöseln und Feuilleton-Spießern und Facebook-Kiddies so richtig zu zeigen, ihnen allen durch die Blume ein richtig schönes Fuck-You mitzugeben und ihnen eine Liebeserklärung zu senden und sie damit zum Verzweifeln zu bringen, und es großartig werden zu lassen und intim und vulgär und vor allem großartig, um im Trommelwirbel wie ein neugeborener Star aufzusteigen oder unterzugehen wie Ikarus.

 

 

Filmplakat: Fox Searchlight Pictures

Podcast #2: Der Spideycast – Es war einmal The Amazing Spider-Man 2

Eine verschollene Oscar-Episode und viele verpeilte Wochen später kommt die zweite Folge vom Leinwanderer-Podcast um die Ecke, dieses Mal zum knackigen Thema The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro. Mit 75 Minuten sogar so kurz wie nie!

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