The Girl with All the Gifts

The Girl with All the Gifts - SquareOne UniversumIrgendwann während der ersten Staffel von „The Walking Dead“ gab es bei mir die Hoffnung, die Serie könnte der Zombiemythologie etwas Neues hinzufügen. Doch die hohe Qualität der ersten Staffeln resultierte eher aus den zwischenmenschlichen Grausamkeiten, der schonungslosen Brutalität und manch inszenatorischer Wucht denn aus bahnbrechend neuen Vorstellungen über das Wesen von Zombie und übertragenem Virus. Wer aber genau so etwas von einem Genrebeitrag erwartet, ist bei The Girl with All the Gifts des bislang eher unbekannten Regisseurs Colm McCarthy gut aufgehoben. Darin spielt die heute 14-jährige Sennia Nanua das Mädchen Melanie, das sich – genau wie einige andere Art- und Altersgenossen – auf einer Militärbasis verschiedenen Experimenten unterziehen muss und dabei überhaupt nicht menschenwürdig behandelt wird. Dies liegt vor allem daran, dass Melanie nach Ansicht der Militärs kein Mensch, sondern eine Art Zombie ist. Im Film ist vor allem von „Hungries“ und Infizierten die Rede. Kurz bevor Melanie unter dem Skalpell einer Wissenschaftlerin landet, kann und muss sie gemeinsam mit einigen „normalen“ Menschen die Flucht antreten. Hat man die ersten 15 Minuten, in denen arg mit dem symbolischen Holzhammer gearbeitet wird, überstanden, entwickelt sich „The Girl with All the Gifts“ zu einem über weite Strecken starken Endzeitstreifen, der durch harte Zombieaction, starke Darsteller, spannende Momente und interessante Ideen besticht. Letztere betreffen beispielsweise die Art und Weise, wie „Hungries“ ihren Tag verbringen und auf Menschen reagieren, oder die Verbreitung der Pilzkrankheit, welche auf ganz neuen Wegen geschieht. Letztlich hat dieser Film somit innerhalb von zwei Stunden mehr für das Zombiegenre geleistet als „The Walking Dead“ im Laufe der gesamten Serie.

 

 

Filmplakat: SquareOne / Universum

The Voices

TheVoicesHunde sind treudoof und Katzen ziemlich hinterhältig. Ob diese weit verbreitete Wahrnehmung der Realität entspricht, zu verallgemeinernd formuliert ist oder gar überhaupt nicht zutrifft, mag ich als Allergiker nicht beurteilen. Für Jerry (Ryan Reynolds), den Protagonisten in Marjane Satrapis schwarzer Tragikomödie, dürfte es jedoch genau diesen Anschein haben. Wenn er von der Arbeit in einer Kleinstadt nach Hause kommt, reden ihm seine Tiere gut und schlecht zu. Der Hund hält ihn für einen anständigen Kerl, die Katze möchte ihn zum Serienkiller machen. Weil der Film ab 16 Jahren freigegeben wurde, setzt sich selbstverständlich die Katze durch, sodass Jerry, zwei von Gemma Arterton und Anna Kendrick gespielte Kolleginnen sowie ein großes scharfes Messer bald Bekanntschaft miteinander machen. Im Kern ist das natürlich eine ziemlich traurige Geschichte, weil Jerry – genau wie seine Mutter – krank ist, Stimmen hört, wo keine sind, und mit einer ihm innewohnenden Brutalität klarkommen muss, die einem erfolgreichen sozialen Leben im Wege zu stehen scheint. Regisseurin Satrapi („Persepolis“) stand nun vor der Herausforderung, komische und tragische Momente unter einen Hut zu bekommen und tat genau das – alles in einen Topf werfen. Das drückt sich dann beispielsweise in den ersten blutigen Szenen sehr deutlich aus, wenn Slapstick, Dialogwitz, absurde Zufälle, kaum zu ertragende Brutalität und bedrückender Schmerz eine Allianz bilden, die man sowohl als gelungen als auch als unpassend empfinden kann. So ziemlich alles, was Jerry anstellt – seien es nun Gespräche mit Menschen oder mit Tieren – erzeugen Mitleid, aber auch den Wunsch, hemmungslos über ihn zu lachen. Für mich hat diese Mischung gut funktioniert und gerade das Widersprüchliche, eigentlich nicht zueinander Passende, verleiht dem Film ein paar angenehme Ecken und Kanten, mit denen man als Zuschauer arbeiten muss. Leider krankt The Voices an einem überforderten Schauspieler, die die Nuancen seines Charakters, die das Drehbuch vorsieht, nicht in eine glaubwürdige Mimik übersetzen kann (in einer halbwegs vergleichbaren (Dreifach-)Rolle in „The Nines“, der hierzulande 2012 auf DVD rauskam, hat mir Reynolds besser  gefallen) sowie einem schwachen letzten Akt, der auf voller Empathie mit der Hauptfigur aufbaut, die wegen erstgenannten Problems aber nicht gegeben ist.

 

Filmplakat: Ascot Elite