Aladdin

AladdinAladdin als Helden meiner Kindheit zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben. Aber besonders die in den 90ern ausgestrahlte Zeichentrickserie gehörte neben „Darkwing Duck“, den „Gargoyles“ und einigen anderen zu meinen Favoriten. Es waren vor allem die vielfältigen und mysteriösen Orte und Kreaturen, die mich begeisterten. Und Dschinni, dessen witzige Anspielungen ich erst als Erwachsener vollständig verstehen konnte. Orte, Kreaturen und Dschinni – genau das wünschte ich mir also von Guy Ritchies Spielfilm im Jahr 2019. In der ersten Hälfte bekam ich tatsächlich vieles davon zu sehen: eine rasant inszenierte Flucht von Aladdin und Jasmin durch Agrabah, der Griff nach der Wunderlampe in einer gefährlichen Höhle und der erste Auftritt des von Will Smith mit viel Lust dargestellten blauen Wunderwesens. Umso enttäuschender die zweite Filmhälfte, die fast ausschließlich im Palast des Sultans spielt und überwiegend davon handelt, dass Aladdin auf unsympathische Art die Prinzessin für sich gewinnen möchte. Die zu Beginn noch etwas stärker betonte Außenseiterstory eines Diebes, der irgendwie über die Runden kommen muss, gerät völlig in den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine langweilig erzählte Lovestory (genau genommen gibt es noch eine zweite, die im 90er-Film nicht vorhanden war) in immerhin überwältigender Ausstattung. Der böse Dschafar darf gegen Ende des Films ein bisschen wüten; allzu viel passiert jedoch nicht. Vielleicht war das Original genau so belanglos wie dieser Film – ich erinnere mich nicht mehr. In jedem Fall wäre es nötig gewesen, die Geschichte zeitgemäßer und vor allem spannender zu erzählen.

Filmplakat: Walt Disney