Ghostland

Ghostland - Capelight PicturesVieles in Ghostland erinnert an „Martyrs“, jenen modernen Horrorklassiker, mit dem Pascal Laugier im Jahr 2008 über das Genre hinaus bekannt wurde: zwei junge Protagonistinnen, Elemente des Home-Invasion-Films sowie Wahnsinn und gnadenlose Gewalt. Diesmal sind es die Schwestern Beth (Emilia Jones) und Vera (Taylor Hickson), die gemeinsam mit ihrer Mutter in ein geerbtes Haus ziehen. Bereits in der ersten Nacht kommt es zu einem brutalen Übergriff, der das Leben aller Beteiligten für immer verändert. Zwar scheint zumindest Beth das Trauma überwunden zu haben und als Autorin erfolgreich Karriere zu machen, doch eine Rückkehr zu ihrer schwer geschädigten Schwester und weit verdrängten Erinnerungen bringt ihre Welt ins Wanken. Der sich anschließende Twist – auch davon gab es in „Martyrs“ ja so einige – gehört zu den besten Momenten des Films. Ebenso gelungen ist der Auftakt: Die Charaktere erhalten eine Viertelstunde, um sich vorzustellen, doch selbst in dieser Zeit stapeln sich bereits die Andeutungen auf bevorstehendes Unheil – welches dann mit voller Wucht einschlägt. Laugier inszeniert gewohnt kompromisslos und versetzt die Zuschauer in ein Gefühl des Dabeiseins. Die Schläge, Tritte und Stiche sieht man nicht nur, sondern fühlt sie regelrecht. Dieses Dabeisein äußert sich aber auch in unangenehmer Weise, vor allem bei den unzähligen Jump-Scares. Im gefühlten Minutentakt hämmert es genau dann gegen die Tür, wenn jemand das Ohr daran hält; kommt genau dann jemand aus der Dunkelheit geschossen, wenn alle konzentriert hinein starren. Das ist ärgerlich, besonders weil es Laugier in der Anfangsphase schlicht mit Kamerabewegungen viel besser gelingt, Spannung aufzubauen. Jene Spannung bricht zusammen mit der Dramaturgie im letzten Akt vollends zusammen, weil das Drehbuch dort im Wesentlichen nur noch eine Wiederholung des zuvor Gezeigten vorsieht. Das Gefühl der Ungewissheit und Bedrohung, das den Film auch dank richtig unheimlicher Eindringlinge bis dahin kennzeichnete, weicht dann einem Gefühl der Gleichgültigkeit.

 

Filmplakat: Capelight Pictures