Aladdin

AladdinAladdin als Helden meiner Kindheit zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben. Aber besonders die in den 90ern ausgestrahlte Zeichentrickserie gehörte neben „Darkwing Duck“, den „Gargoyles“ und einigen anderen zu meinen Favoriten. Es waren vor allem die vielfältigen und mysteriösen Orte und Kreaturen, die mich begeisterten. Und Dschinni, dessen witzige Anspielungen ich erst als Erwachsener vollständig verstehen konnte. Orte, Kreaturen und Dschinni – genau das wünschte ich mir also von Guy Ritchies Spielfilm im Jahr 2019. In der ersten Hälfte bekam ich tatsächlich vieles davon zu sehen: eine rasant inszenierte Flucht von Aladdin und Jasmin durch Agrabah, der Griff nach der Wunderlampe in einer gefährlichen Höhle und der erste Auftritt des von Will Smith mit viel Lust dargestellten blauen Wunderwesens. Umso enttäuschender die zweite Filmhälfte, die fast ausschließlich im Palast des Sultans spielt und überwiegend davon handelt, dass Aladdin auf unsympathische Art die Prinzessin für sich gewinnen möchte. Die zu Beginn noch etwas stärker betonte Außenseiterstory eines Diebes, der irgendwie über die Runden kommen muss, gerät völlig in den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine langweilig erzählte Lovestory (genau genommen gibt es noch eine zweite, die im 90er-Film nicht vorhanden war) in immerhin überwältigender Ausstattung. Der böse Dschafar darf gegen Ende des Films ein bisschen wüten; allzu viel passiert jedoch nicht. Vielleicht war das Original genau so belanglos wie dieser Film – ich erinnere mich nicht mehr. In jedem Fall wäre es nötig gewesen, die Geschichte zeitgemäßer und vor allem spannender zu erzählen.

Filmplakat: Walt Disney

Cinderella

P1.43 (CINDE_003B_G - Payoff Poster (Blue Dress) (ONLINE DEBUT NOVEMBER))Nichts, wirklich gar nichts hat mich eigentlich dazu gereizt, diesen Film zu schauen. Doch die überraschend positiven Besprechungen im Anschluss an die Vorführung auf der diesjährigen Berlinale haben meine Neugier geweckt und – ja – tatsächlich darf die neueste Verfilmung des klassischen Märchens als gelungen bezeichnet werden. Das liegt zum einen daran, dass der Stoff auch nach Jahrhunderten noch nichts von seiner Aktualität verloren hat. Eine gute Seele, namentliche Ella, gespielt von Lily James, gerät an die Grenzen ihrer Barmherzigkeit, wenn sie von ihrer abgrundtief bösen Stiefmutter und deren lediglich an Oberflächlichkeiten interessierten Töchtern gnadenlos ausgenutzt wird, bis hin zur Quasi-Versklavung. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf des Guten gegen das Böse um Gerechtigkeit – das zieht immer, auch hier, vor allem dank einer liebe- und lustvollen Inszenierung sowie überzeugenden Darstellerinnen, wobei wieder einmal Cate Blanchett, diesmal als Schurkin, herauszuheben wäre. Darüber hinaus überzeugt Cinderella mit schönen Kostümen, glamouröser Ausstattung und sparsam, aber sinnvoll eingesetzten Spezialeffekten. Ende gut, alles gut? Nicht ganz. Denn genau genommen ist dieser Film nicht wirklich empfehlenswert. Er wagt nichts und er variiert nichts. Trotzdem: Das, was er macht, macht er gut. Und in Zeiten, in denen ein Wort wie „Gutmensch“ in inflationärer Weise verächtlich benutzt wird, ist es ganz einfach auch mal schön, mit der Gewissheit, dass der „Gutmensch“ am Ende siegen wird, einen Film zu gucken.

 

Filmplakat: Walt Disney