Green Room

Green RoomSie sind jung und brauchen das Geld. Einzig aus diesem Grund entschließt sich die vierköpfige Punk-Rock-Band „Ain’t Rights“ dazu, in einer abgelegenen Nazikneipe aufzutreten. Obwohl die jungen Musiker gleich zu Beginn mit einem „Nazi Punks, Fuck Off“ betitelten Coversong provozieren, scheinen sie heil aus der Angelegenheit herauszukommen. Doch bedauerlicherweise hat einer von ihnen sein Handy im Aufenthaltsraum, dem sogenannten Green Room, vergessen und wird beim Abholen Zeuge eines Mordes. Die Band verschanzt sich in dem Raum und hofft zunächst auf Gnade. Doch Bar-Eigentümer Darcy, gespielt von Patrick Stewart, hat nur eines im Sinn: die unliebsamen Zeugen loszuwerden. Weshalb er ihnen Kampfhunde und diverse Nazis auf den Hals hetzt. Von nun an wird’s ziemlich blutig und brutal. Aufgeschlitzte Bäuche und Kehlen sowie heftig malträtierte Arme, Beine und Köpfe haben Green Room in Deutschland eine Freigabe ab 18 Jahren beschert. Der Härtegrad ist enorm, aber nicht selbstzweckhaft, sondern der Thematik angemessen. Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Saulnier („Blue Ruin“) macht zunächst vieles richtig, spart sich unnötige Details und kommt somit recht schnell zur Sache. Dass sich eine Gruppe junger Leute in einer Hütte im Wald nicht gegen Zombies, sondern gegen Nazis wehren muss, sorgt für Abwechslung im Survival-Genre. Noch schöner wäre es jedoch gewesen, wenn es im weiteren Verlauf tatsächlich eine Bedeutung gehabt hätte, dass Punks gegen besorgte Bürger kämpfen. So bleiben die Rollen ziemlich austauschbar; anstelle der Nazis hätten es auch beliebige andere Schwerstkriminelle sein können. Zudem kann sich Saulnier nicht so recht entscheiden, ob er für seine Charaktere Empathie erzeugen oder einen „Partyfilm“ mit kultigen Momenten abliefern möchte. Wenn Figuren vor ihrem absehbaren Ableben ständig klischeehaft „Oh shit“ rufen, kann man das Geschehen jedenfalls nur schwerlich ernst nehmen. Zum Lachen ist einem andererseits aber ebenfalls nicht zu Mute. Dennoch: Trotz einiger Genreklischees bietet „Green Room“ genügend Atmosphäre, Spannung und Härte, um sich eine Empfehlung zu verdienen.

 

 

Filmplakat: Universum

Grand Budapest Hotel

GrandBudapestHotelTäuscht der Eindruck oder ist Wes Anderson tatsächlich auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens angelangt? Waren “Die Tiefseetaucher” und “Darjeeling Limited” noch Werke, bei denen die Balance zwischen ernsten und heiteren Momenten nicht immer funktionierte, geht seitdem so richtig die Post ab: Nach “Der Fantastische Mr. Fox” und “Moonrise Kingdom” legt Anderson nun den dritten Hit in Folge vor und gleichzeitig den vielleicht besten Film seiner Karriere. Wieder gelingt ihm eine Komödie, die Lacher auf allen erdenklichen Ebenen erzeugt: vom pointierten Dialogwitz über rasante Slapstickeinlagen und absurd brutale Momente bis hin zu eigentlich banalen Szenen, die durch Kameraführung, Schnitt und Musik ihren Witz erhalten. Der Krimiplot ist spannend und leicht verschachtelt erzählt, die unfassbare Menge an Stars wird sinnvoll integriert, die Kulissen sprühen nur so vor Einfallsreichtum, und außerdem mischen sich natürlich auch wieder traurige, nachdenkliche Elemente in den Film. Anders als in früheren Filmen wirkt diesmal jedoch alles wie aus einem Guss, es gibt keine Hänger. Absolut beeindruckend, wie es Anderson schafft, seinem unverwechselbaren Stil treu zu bleiben, aber dennoch mit jedem neuen Film wieder etwas ganz Einzigartiges zu kreieren.

 

Filmplakat: Fox