Spotlight

SpotlightWenn man selbst als Journalist arbeitet, betrachtet man einen Film wie Spotlight natürlich mit besonderem Interesse. Ein gleichnamiges Investigativteam des „Boston Globe“ recherchiert darin gegen allerlei Widerstände einen gewaltigen Missbrauchsfall in der katholischen Kirche. Das Ganze basiert auf realen Ereignissen und darf als Loblied auf idealistischen, engagierten und ausdauernden Journalismus und die Macht des Aufklärerischen verstanden wissen. Mit Mark Ruffalo, Rachel McAdams, John Slattery und Michael Keaton ist das Investigativteam exzellent besetzt. In kleineren, eher zurückgenommenen Rollen tauchen zudem Stanley Tucci als Opferanwalt und Liev Schreiber als besonnener Chefredakteur auf. Letzterer hat hierbei eine der besten Rollen seiner Karriere erwischt. Regisseur Tom McCarthy inszeniert seine aufwühlende Geschichte ohne Hektik und überflüssige Dramatik. Stattdessen konzentriert er sich ganz auf die mühsame Recherchearbeit seiner Helden, die er nicht als solche feiert. Wenngleich er Journalismus darstellt, wie er idealerweise funktionieren kann, glorifiziert er ihn jedoch nicht nur: Auch Mitarbeiter des „Boston Globe“ haben versagt und sich zunächst mit einer schlechten Sache gemein gemacht. Dennoch: Als Journalist empfinde ich diesen Film als ungemein motivierend. Ein weniger guter Film zum selben Thema hätte das womöglich nicht geleistet.

 

 

Filmplakat: Paramount

Southpaw

SouthpawBilly Hope (Jake Gyllenhaal) ist ein überaus erfolgreicher Boxer. Einer, der immer nur an Angriff denkt, nie an Verteidigung, und der mit dieser Linie nicht nur unzählige Kämpfe, sondern während der gemeinsamen Zeit im Waisenhaus auch seine spätere Frau gewonnen hat. An einem verhängnisvollen Abend, den er bei einer Spendengala verbringt, reißt seine Glückssträhne jedoch und er verliert alles: geliebte Menschen, sein Vermögen sowie den Glauben an und die Beherrschung über sich selbst. Drehbuchautor Kurt Sutter räumt diesem Niedergang sehr viel Raum ein und „Training Day“-Regisseur Antoine Fuqua bebildert ihn mit großen Gesten. Allein es will nicht so recht zünden. Zu wenig, was unter die Oberfläche des Charakters gehen würde, hat man im knappen ersten Akt über Billy erfahren, um nun die Geduld aufbringen zu können, ihm eine halbe Stunde lang beim Untergang zuschauen zu wollen. Zumal Fuqua und Sutter mit wenig Sinn für Originalität und Dramaturgie die üblichen Stationen eines solchen Lebens, das zu scheitern droht, abklappern. Jede Szene – nicht nur hier, auch im weiteren Filmverlauf – ist beladen mit Bedeutungen und wegweisenden Erkenntnissen oder Rückschlägen. Raum für wirkliche Entwicklung bleibt da nicht und der Zugang zu den Charakteren bleibt versperrt. Was Southpaw dennoch zu einem durchaus ordentlichen Film macht, sind die packend inszenierten Kämpfe und – eng damit verbunden – die starke Vorstellung von Gyllenhaal. Der holt nicht nur körperlich alles aus sich raus, sondern schafft es auch, einem eigentlich farblosen Charakter einiges an Emotionen abzugewinnen. An wirklich intensive Kampfsport- und Charakterfilme wie „Warrior“ oder „Million Dollar Baby“ reicht „Southpaw“ aber nicht annähernd heran.

 

Filmplakat: Tobis