La La Land

La La Land - StudiocanalEs zerfetzt mir das Herz, sie weinen zu sehen. Mia, gespielt von Emma Stone, sitzt einfach nur da, an einem Tisch, sagt nichts, doch in ihren Augen spiegelt sich die ganze Enttäuschung, die sie in diesem Moment empfindet. Bis zu diesem folgenreichen Gespräch mit Sebastian, gespielt von Ryan Gosling, ist La La Land ein großer Freudenreigen: für die Figuren, die nach idealistischer Selbstverwirklichung und künstlerischen Erfolgen streben, aber vor allem für das staunende Publikum, dem Regisseur Damien Chazelle („Whiplash“) eine mitreißende Liebesgeschichte im Gewand eines gleichermaßen modernen wie nostalgischen Musicals präsentiert. Er nutzt die Möglichkeiten des zeitgenössischen Kinos, um gleich zu Beginn eine atemberaubende, scheinbar fast ungeschnittene Tanz- und Gesangseinlage auf einer Autobahn zu inszenieren, die sich – klammert man den technischen Aufwand aus – so anfühlt, als wäre sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Die mal nachdenkliche, mal abenteuerlustige Musik macht süchtig und der Dreiklang aus Energie, Leidenschaft und Ideenreichtum in der Präsentation der Musicalnummern lässt die Leinwand förmlich erbeben. Doch das Herz des Films ist Emma Stone, die all das ausstrahlt, was eine Figur in einem solchen Film braucht: Lust, Freude, Verlangen, Verletzlichkeit und nicht zuletzt eine Ambivalenz in ihren Gefühlen, die ihren Charakter zutiefst menschlich macht. Es passiert nicht oft, dass der bloße Anblick einer Schauspielerin mir die Tränen in die Augen treibt – in „La La Land“ geschieht dies unzählige Male. Alle Stärken des Films finden im furiosen Finale noch einmal zueinander. Dieses lässt zwar zunächst etwas ratlos zurück, doch das kurze Gefühl der Trauer wandelt sich – sobald die wesentliche Aussage über die Ungewissheiten des Lebens erkannt ist – in eine tiefe Zufriedenheit, die wohl niemals enden wird.

 

 

Filmplakat: Studiocanal

The Nice Guys

NiceGuysBestimmte Perioden in der US-amerikanischen Geschichte eignen sich offenbar ganz besonders gut, um auf launige Weise von amateurhaften Gaunern und Helden zu erzählen. Man denke hier vor allem an die 70er und jüngere Filme wie „American Hustle“ oder „Inherent Vice“. Mit letzterem gemein hat Shane Blacks Krimi-Komödie The Nice Guys vor allem den Privatdetektiv in der Titelrolle, diesmal gespielt von Ryan Gosling und ähnlich vertrottelt wie einst in Gestalt von Joaquin Phoenix. Ihm zur Seite und leicht außerhalb des Gesetzes steht Russell Crowe. Wie so oft in diesem Genre treiben unglückliche Umstände die beiden gegensätzlichen und zunächst feindlich gesinnten Charaktere zueinander. Der Tod eines Pornostars gibt ebenso Rätsel auf wie das Verschwinden der Tochter einer hochrangigen Politikerin. Womit man alles weiß, was es zunächst zu wissen gibt. Der Rest ist eine durchaus wendungsreiche Crimestory, in deren Verlauf immer wieder Figuren auf überraschende und/oder lustige und/oder groteske Weise das Zeitliche segnen. Die wenigen ernsten Momente des Films fügen sich hervorragend ein, da die Charaktere trotz aller Überzeichnung glaubwürdig angelegt sind und untereinander hervorragend harmonieren. Dies gilt auch für Goslings junge Filmtochter, die sich maßgeblich an den Ermittlungen beteiligt. Stimmungsvolles Setting, eine ordentliche Portion Selbstironie und unverwechselbare Charaktere – „The Nice Guys“ erweist sich damit als würdiger Nachfolger von „American Hustle“ und „Inherent Vice“. Man darf gespannt sein, ob sich die Reihe auch im kommenden Jahr fortsetzen wird.

 

 

Filmplakat: Concorde

The Big Short

The Big ShortDas Starvehikel The Big Short lief lange Zeit vollkommen unter dem Radar. Warf man Ende 2015 einen Blick auf die damaligen Oscar-Favoriten, erschienen Titel wie „Spotlight“, „Carol“ oder „Steve Jobs“, nicht aber jener Film über die Finanzkrise, der mit Christian Bale, Ryan Gosling, Brad Pitt und Steve Carell überdurchschnittlich prominent besetzt ist. Dass „The Big Short“ Anfang 2016 mal kurzzeitig zum Topfavoriten für den Oscar-Triumph aufstieg, kam deswegen eigentlich nur unter diesen Ausgangsbedingungen überraschend. Ein bemerkenswerter Film ist er allemal. Episodenhaft erzählt er die Geschichte verschiedener Personen, die in irgendeiner Weise auf die 2007 beginnende Finanzkrise vorbereitet waren. Sie wetteten gegen das amerikanische Wirtschafts- und Finanzsystem, um selbst von jenem Niedergang zu profitieren, der allein in den USA mehrere Millionen Menschen arbeits- und obdachlos machte. Das alles erzählt Regisseur Adam McKay hemmungslos polemisch, ohne viel Sinn für Zwischentöne und gerade deshalb auch ziemlich unterhaltsam. Immer wieder springen sich selbst spielende Promis wie Margot Robbie oder Selena Gomez ins Bild und erklären Sinn, Zweck und Nebenwirkungen der zwielichtigen Finanzprodukte. Als Zuschauer muss man jedoch tief in der Materie drin stecken, um wirklich den Durchblick zu behalten. Die Charaktere durchbrechen immer wieder die „vierte Wand“ und erzählen dem Publikum dabei unter anderem, dass das, was es gerade sieht, eigentlich nicht dem entspricht, was sich tatsächlich ereignet haben soll. Auch wegen solcher Einfälle wirkt „The Big Short“ sehr lebendig. Das Einzige, was dem Streifen letztlich abgeht, ist ein emotionaler Zugang zu dem wilden Treiben.

 

 

Filmplakat: Paramount