Uncut Gems

Adam Sandler spielt in vielen fürchterlichen Filmen mit. Das macht ihn zwar zu einem Mann, der fragwürdige Entscheidungen trifft, aber nicht zu einem schlechten Schauspieler, für den ich ihn jahrelang hielt. Dass Adam Sandler eigentlich ein toller Schauspieler ist, wussten Regisseure wie Noah Baumbach und Paul Thomas Anderson, die ihn für anspruchsvolle Rollen besetzten, lange vor mir. In Uncut Gems spielt Adam Sandler vielleicht seine beste Rolle: den Juwelier Howard Ratner, auf den viele Leute richtig sauer sind. Natürlich geht es um Schulden. Es ist einer dieser Filme, bei denen es ein boshaftes Vergnügen ist, einer unsympathischen Person dabei zuzuschauen, wie sie im Größenwahn immer schlimmere Entscheidungen trifft. Dass sich die Charaktere permanent anschreien, die Schnitte hektisch sind und das Gesagte wegen der lauten Musik manchmal kaum zu verstehen ist, erzeugt eine Vorstellung davon, wie es in Howard zugehen muss. „Uncut Cems“ ist ein angenehm anstrengender Film mit steiler Eskalationskurve und großem Finale.

Filmplakat: Netflix

Green Room

Green RoomSie sind jung und brauchen das Geld. Einzig aus diesem Grund entschließt sich die vierköpfige Punk-Rock-Band „Ain’t Rights“ dazu, in einer abgelegenen Nazikneipe aufzutreten. Obwohl die jungen Musiker gleich zu Beginn mit einem „Nazi Punks, Fuck Off“ betitelten Coversong provozieren, scheinen sie heil aus der Angelegenheit herauszukommen. Doch bedauerlicherweise hat einer von ihnen sein Handy im Aufenthaltsraum, dem sogenannten Green Room, vergessen und wird beim Abholen Zeuge eines Mordes. Die Band verschanzt sich in dem Raum und hofft zunächst auf Gnade. Doch Bar-Eigentümer Darcy, gespielt von Patrick Stewart, hat nur eines im Sinn: die unliebsamen Zeugen loszuwerden. Weshalb er ihnen Kampfhunde und diverse Nazis auf den Hals hetzt. Von nun an wird’s ziemlich blutig und brutal. Aufgeschlitzte Bäuche und Kehlen sowie heftig malträtierte Arme, Beine und Köpfe haben Green Room in Deutschland eine Freigabe ab 18 Jahren beschert. Der Härtegrad ist enorm, aber nicht selbstzweckhaft, sondern der Thematik angemessen. Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Saulnier („Blue Ruin“) macht zunächst vieles richtig, spart sich unnötige Details und kommt somit recht schnell zur Sache. Dass sich eine Gruppe junger Leute in einer Hütte im Wald nicht gegen Zombies, sondern gegen Nazis wehren muss, sorgt für Abwechslung im Survival-Genre. Noch schöner wäre es jedoch gewesen, wenn es im weiteren Verlauf tatsächlich eine Bedeutung gehabt hätte, dass Punks gegen besorgte Bürger kämpfen. So bleiben die Rollen ziemlich austauschbar; anstelle der Nazis hätten es auch beliebige andere Schwerstkriminelle sein können. Zudem kann sich Saulnier nicht so recht entscheiden, ob er für seine Charaktere Empathie erzeugen oder einen „Partyfilm“ mit kultigen Momenten abliefern möchte. Wenn Figuren vor ihrem absehbaren Ableben ständig klischeehaft „Oh shit“ rufen, kann man das Geschehen jedenfalls nur schwerlich ernst nehmen. Zum Lachen ist einem andererseits aber ebenfalls nicht zu Mute. Dennoch: Trotz einiger Genreklischees bietet „Green Room“ genügend Atmosphäre, Spannung und Härte, um sich eine Empfehlung zu verdienen.

 

 

Filmplakat: Universum