The Big Short

The Big ShortDas Starvehikel The Big Short lief lange Zeit vollkommen unter dem Radar. Warf man Ende 2015 einen Blick auf die damaligen Oscar-Favoriten, erschienen Titel wie „Spotlight“, „Carol“ oder „Steve Jobs“, nicht aber jener Film über die Finanzkrise, der mit Christian Bale, Ryan Gosling, Brad Pitt und Steve Carell überdurchschnittlich prominent besetzt ist. Dass „The Big Short“ Anfang 2016 mal kurzzeitig zum Topfavoriten für den Oscar-Triumph aufstieg, kam deswegen eigentlich nur unter diesen Ausgangsbedingungen überraschend. Ein bemerkenswerter Film ist er allemal. Episodenhaft erzählt er die Geschichte verschiedener Personen, die in irgendeiner Weise auf die 2007 beginnende Finanzkrise vorbereitet waren. Sie wetteten gegen das amerikanische Wirtschafts- und Finanzsystem, um selbst von jenem Niedergang zu profitieren, der allein in den USA mehrere Millionen Menschen arbeits- und obdachlos machte. Das alles erzählt Regisseur Adam McKay hemmungslos polemisch, ohne viel Sinn für Zwischentöne und gerade deshalb auch ziemlich unterhaltsam. Immer wieder springen sich selbst spielende Promis wie Margot Robbie oder Selena Gomez ins Bild und erklären Sinn, Zweck und Nebenwirkungen der zwielichtigen Finanzprodukte. Als Zuschauer muss man jedoch tief in der Materie drin stecken, um wirklich den Durchblick zu behalten. Die Charaktere durchbrechen immer wieder die „vierte Wand“ und erzählen dem Publikum dabei unter anderem, dass das, was es gerade sieht, eigentlich nicht dem entspricht, was sich tatsächlich ereignet haben soll. Auch wegen solcher Einfälle wirkt „The Big Short“ sehr lebendig. Das Einzige, was dem Streifen letztlich abgeht, ist ein emotionaler Zugang zu dem wilden Treiben.

 

 

Filmplakat: Paramount

Foxcatcher

FoxcatcherBesessenheit, Neid, Missgunst, Eitelkeit und zurückgewiesene Zuneigung können einen giftigen Cocktail ergeben, der im schlimmsten Fall tödlich endet. Bennett Miller („Capote“, „Moneyball“) erzählt nach einer wahren Begebenheit vom Verhältnis des Multimillionärs John du Pont (Steve Carell) und der beiden Ringenbrüder Mark (Channing Tatum) und David (Mark Ruffalo) Schultz. Beide wurden 1984 US-amerikanische Olympiasieger, doch genießen können sie das nicht gleichermaßen. Mark sieht sich stets im Schatten von David, der für ihn seit früher Kindheit eine Ersatzfunktion als Eltern übernommen hat, sich wegen einer eigenen Familie aber zunehmend zurückzieht. Da kommt du Pont gerade recht, der Mark trainieren und von David emanzipieren möchte (sagt er zumindest). Vielleicht ohne es zu wissen setzt der Großgrundbesitzer, der selbst verzweifelt die Anerkennung seiner Mutter sucht, damit Dynamiken in Gang, die sich für alle Beteiligten als verheerend erweisen werden. Diese grundsätzlich recht klassische Konstellation überträgt Miller in eine düstere, bedrohliche und ungemein intensive Atmosphäre, in der Dialoge und Charaktere genug Raum zum Atmen bekommen. Der Film nimmt sich Zeit, was vor allem seinen Darstellern zu Gute kommt, die hier in wohl mindestens zwei Fällen ihre Karrierebestleistungen zeigen. Ruffalo und Tatum sind großartig – körperlich wie mimisch. Steve Carell ist mehr als das: Er ist ein Ereignis. Gnadenlos gegen den Strich besetzt, aber nicht nur so irgendwie ganz gut, wie es ein Carrey, Stiller oder Sandler in ernsthaften Filmen gelegentlich auch hinbekommt, sondern beängstigend gut. Die 40-jährige männliche Jungfrau hat ein Monster erschaffen mit Blicken, die unter die Haut gehen und in denen stets etwas Böses lauert, das nur darauf wartet, auszubrechen. Was „The Dark Knight“ für Heath Ledger war, ist Foxcatcher für Steve Carell.

 

Filmplakat: Koch Media

Anchorman 2 – Die Legende kehrt zurück

anchorman_2_the_legend_continues_posterDie Pseudo-Nachrichtenlegende Ron Burgundy (Will Ferrell) und sein notgeiles und beknacktes Team aus vermeintlichen Spitzenreportern ist zurück – und irgendwie besser als zuvor. Nach einem erneuten Höhenflug und Fall des besten Nachrichtensprechers von San Diego, geht das Abenteuer in New York bei dem ersten 24-Stunden-Nachrichtensender der Welt weiter. Nebenzahllosen witzi-gen Gaststars sind auch Paul Rudd, Steve Carell und Christina Applegate wieder mit von der Partie. Im Gegensatz zum Vorgänger “Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy” ist der neue Film noch eine ganze Ecke absurder und abgefahrener. Durch die noch stärkere Mediensatire, die sich hinter all dem Ulk versteckt, wirkt das Ganze aber noch ausreichend geerdet. Während Will Ferrell so gekonnt bescheuert ist wie immer, stehlen ihm die umwerfend komischen Steve Carell und Kristen Wiig sogar fast die Show. Ich habe sehr, sehr gelacht.

 

 

 

Filmplakat: Paramount