John Wick

JohnWickWenn der in der Versenkung verschwundene Ex-Auserwählte Keanu Reeves, ein Drehbuchautor, der bislang zwei Vorlagen für Dolph Lundgren lieferte, sowie zwei Regisseure, die bislang lediglich bei der Inszenierung von Actionszenen in Erscheinung traten, aufeinandertreffen, kann man Schlimmes befürchten. John Wick ist deshalb eine positive Überraschung. Ein charismatischer Reeves mimt den Profikiller John Wick, der seine „Karriere“ eigentlich beendet hatte, sich nach dem Tod seiner Frau und dem Mord an deren einziger Hinterlassenschaft (ein Hund) aber selbst reaktiviert. In der hübsch fotografierten New Yorker Unterwelt sorgt Reeves/Wick daraufhin für einen Bodycount im annähernd dreistelligen Bereich. Sein Kampfstil („Gun Fu“ – eine Mischung aus „Gun“ und „Kung Fu“) ist richtig gut anzuschauen, weil Reeves fast alles selbst dreht und daher auch kein Schnittgewitter nötig ist, um den Einsatz von Stuntdoubles zu kaschieren. Insbesondere wenn Fäuste und Kugeln fliegen, ist das ein ziemlicher Spaß. Weniger spaßig sind die vorhersehbare Story, die lausigen Dialoge, der Mangel an Spannung und ernsthaften Gegenspielern sowie die zu lange Laufzeit. 80 bis 90 Minuten wären hierfür absolut ausreichend gewesen, stattdessen verpasst „John Wick“ mindestens einmal das richtige Ende. Letztlich soll das alles etwas cooler, cleverer und origineller sein als es in der Realität eigentlich ist. Denn in der Realität ist dieser Film lediglich ein lange Zeit unterhaltsamer, durchgestylter und angenehm ruppiger Revengethriller. Reicht ja eigentlich auch mal für einen schönen Kinoabend, vor allem wenn das Genre ansonsten nicht viel hergibt.

 

Filmplakat: Studiocanal

The Fault In Our Stars

fault-our-stars-movie-poster(“Das Schicksal ist ein mieser Verräter”)
Als Shailene Woodley in “The Descendants” an George Clooneys Seite brillierte, konnte jeder eins und eins zusammenrechnen und ihr eine blühende Karriere prophezeien. Doch während der Sci-fi-Blockbuster “Die Bestimmung – Divergent” eher mäßigen Erfolg feierte, schlägt das romantische Drama The Fault In Our Stars an den Kinokassen ein wie eine Bombe. Vollkommen zu-recht, denn mit der Romanadaption von Autor John Green gelang Regisseur Josh Boone einer der ergreifendsten, poetischsten und stilsichersten Filme dieses Jahres. Darin wird die Geschichte der unheilbar an metastasiertem Lungenkrebs erkrankten Teenagerin Hazel (Shailene Woodley) erzählt, die einen recht trübseligen Alltag voller Galgenhumor fristet. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie den nur ein paar Jahre älteren Augustus (Ansel Elgort) kennen, der selbst den Kampf gegen den Krebs gewann und sie mit seiner charmant arroganten Art als Freundin gewinnt. Nun klingen die Worte Romanze + Teenager + Krebsfilm vielleicht nach einem allzu klischee- und schmalzanfälligem Rezept, doch ist es wohl vor allem dem immens glaubwürdigen, unbeschwerten Spiel der beiden jungen Hauptdarsteller zu verdanken, dass das Mitgefühl in keiner Minute auf der Strecke bleibt und oder kitschig und aufgesetzt wirkt. Sie sind nicht einfach lebenskluge Alte im Körper von jungen Menschen, sie sind auch nicht einfach nur weltvergessene Teenager im Liebes- oder Zerstörungsmodus. Sie sind greifbar. Und deshalb greifen überall auf der Welt die Kinogänger tief in ihre Tempotüten. Alle Top 10 Listen dieses Jahres müssen sich in acht nehmen.

 

Filmplakat: 20th Century Fox