Ex Machina (René)

Ex MachinaSpike Jonzes philosophische SciFi-Romanze „Her“, die vor etwas mehr als einem Jahr in den deutschen Kinos startete, war ein begeisterndes Stück Kino – wegen seiner Darsteller, seines Looks, vor allem aber wegen seiner Fragen und Antworten zum Thema Menschsein, Liebe – oder etwas allgemeiner: Interaktion zwischen Mensch und Maschine – sowie den Grenzen, die womöglich zunehmend verschwimmen. Auch Alex Garlands Regiedebüt Ex Machina hat überzeugende Darsteller, ist phantastisch gefilmt und stellt faszinierende Fragen in den Raum, über die nachzudenken es sich lohnt – nicht zuletzt deswegen, weil sich diese Fragen irgendwann in unserer ganz realen Welt bald zwangsläufig stellen werden (man könnte sicher auch argumentieren, dass es bereits so weit ist). Caleb, Mitarbeiter einer großen Suchmaschinenfirma, „gewinnt“ in diesem Film einen einwöchigen Trip zum abgelegen lebenden Firmenchef Nathan. Dieser hat offenbar die erste wirkliche künstliche Intelligenz erschaffen (ein Roboter namens Ava, der äußerlich weitgehend einer Frau gleicht) und erwartet von Caleb, dass dieser sie testet. Er redet viel mit ihr: über ihn, über sie, über beider Wahrnehmungen von sich und dem anderen, aber auch über Nathan, dem – so erzählt es Ava, als gerade der Strom und somit auch die Kamera ausfällt – nicht zu trauen ist. Es geht auch um Gefühle, die beide füreinander entwickeln (oder auch nicht), und um die Frage, ob hier wirklich jenes Experiment vor sich geht, das eingangs erklärt wurde, oder nicht doch etwas ganz anderes. Um es schon einmal vorwegzunehmen: Natürlich ist am Ende nicht alles so wie es noch zu Beginn den Anschein hatte. Und das ist leider das große Problem von „Ex Machina“. So interessant, spannend und faszinierend es über lange Zeit größtenteils sein mag – am Ende drängt sich das Gefühl auf, dass es hier im Kern doch weniger um einen substanziellen philosophischen Exkurs als vielmehr um den Effekt einer oder mehrerer vermeintlich überraschender Wendungen geht. „Ex Machina“ ist einer dieser Filme, die nur dann richtig gut funktionieren, wenn alle Fäden am Ende zusammenlaufen. Das tun sie aber nicht, denn – anders als beispielsweise bei „Her“ – läuft hier vieles ins Leere und hinterlässt nichts, worüber es sich weiter nachzudenken lohnt. Es ist schon eine halbwegs bittere Erkenntnis, die sich am Ende des Films breit macht, wenn man realisiert, dass hier viel Schein aufgebaut wird, und wenig Sein dahintersteckt, und somit selbst das „Robocop“-Remake mehr zur Frage, was einen Menschen (und eine Maschine) eigentlich definiert, beizutragen hatte. „Ex Machina“ ist sicher kein dummer Film – im Gegenteil: Er fordert dazu auf, intensiv nachzudenken. Doch die Belohnung dafür bleibt am Ende aus.

 

Filmplakat: Universal

Jupiter Ascending

JupiterAscendingDie Wachowski-Geschwister sind eine absolute Ausnahmeerscheinung in Hollywood. Mit ihrer „Matrix“-Trilogie scheffelten sie so viel Kohle, dass sie seitdem offenbar Narrenfreiheit genießen und einen kommerziellen Flop („Cloud Atlas“) nach dem anderen („Speed Racer“) abliefern dürfen. Mit den Budgets in dreistelliger Millionenhöhe dürfte nun aber Schluss sein. Erst wurde Jupiter Ascending im vergangenen Sommer wenige Wochen vor Kinostart wegen angeblich aufwändiger Post-Production mal eben um ein halbes Jahr nach hinten geschoben und nun wurden Kritiken mit einer Sperrfrist bis wenige Tage vor Filmstart belegt – beides keine sonderlich guten Zeichen. Die Skepsis dürfte daher rühren, dass es schwierig werden wird, für „Jupiter Ascending“ die richtige Zielgruppe, über einen bestimmten Nerdkreis hinaus, zu finden. Was schade ist, denn wie schon bei den teils heftig kritisierten Vorgängerfilmen liefern die Wachowskis meiner Ansicht nach auch diesmal ambitioniertes, unterhaltsames und manchmal beeindruckendes Blockbusterkino ab, das sich von anderen Filmen dieser finanziellen Größenordnung deutlich unterscheidet. Der Ideenreichtum bei der Bebilderung der Geschichte, in der der außerirdische Ex-Söldner Channing Tatum die zukünftige Königin des Universums Mila Kunis durch fremde Welten begleitet und vor mörderischen Angriffen schützt, scheint keine Grenzen zu kennen. An den verschiedenen Planeten, Waffen, Kostümen, Gestalten und Räumen kann man sich kaum satt sehen. In den großen Actionszenen, insbesondere der ersten (über den Häusern) und der letzten, sorgt vor allem die Kameraführung für spannende Momente. Kunis und Tatum sind vielleicht nicht die ideale Besetzung (und für die Vermarktung des Films vielleicht sogar eine eher schlechte), machen ihren Job aber solide und haben eine gute Chemie. Das einzige wirklich große Problem an diesem Film heißt: Story. Denn die hat nichts zu bieten, was man nicht schon zur Genüge kennen würde. In der ersten Stunde, in der „Jupiter Ascending“ dank seiner wilden Mixtur aus Fantasy, grandioser Optik, „von der Tellerwäscherin zur Herrscherin über das Universum“-Geschichte und teils sehr grotesk-mainstreamfeindlicher Szenen auf dem Weg zu einem „Kultfilm“ scheint, fällt das nicht weiter auf. Doch die reizvolle Ausgangsidee bleibt auf halber Strecke stehen und verläuft sich dann in Richtung der üblichen Erzählungen von Liebe, Versprechen und Verrat. Die Charaktere wechseln die Schauplätze nach dem Zufallsprinzip und nur eines ist gewiss: Dass Channing Tatum auch beim achtzehnten Mal in allerletzter Sekunde zur Stelle sein wird. „Jupiter Ascending“ wird wohl weit am Massengeschmack vorbei gehen und vermutlich auf absehbare Zeit der letzte Film bleiben, in dem die Wachowskis mit einem Budget zwischen 100 und 200 Millionen Dollar hantieren dürfen. Auch wenn es vielleicht der schwächste der Post-“Matrix“-Filme sein mag, wäre das schade. Die Wachowskis drehen Filme, die aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen, wobei nicht klar ist, ob das die Vergangenheit, die Zukunft oder gar irgendeine Parallelwelt meint. „Visionär“ ist ein so oft benutztes Wort für die Regisseure großer Hollywoodfilme. Die Wachowski-Nerds sind trotz aller erzählerischen Mängel vielleicht die Einzigen in diesem Bereich, die diese Bezeichnung wirklich verdient hätten.

 

Filmplakat: Warner Bros