Buffy: Does it ever get easy? Giles: You mean life? Buffy: Yeah, does it get easy? Giles: What do you want me to say? Buffy: Lie to me. Giles: Yes. It's terribly simple. The good guys are always stalwart and true. The bad guys are easily distinguished by their pointy horns or black hats, and, uh, we always defeat them and save the day. No one ever dies and... everybody lives happily ever after. Buffy: Liar.

René

Mini-Reviews-To-Go: November 2018

An jedem dritten Donnerstag eines Monats veröffentlichen wir Mini-Reviews zu aktuellen Kinostarts. Im November sind es: die auf berührende Weise von Einsam- und Zweisamkeit handelnden „In My Room“, „Cold War“ sowie „Der Dolmetscher“, die Actionfilme „Operation Overlord“ und „Peppermint“ sowie zwei auf berühmter Literatur basierende Weihnachtsfilme.

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Mini-Reviews-To-Go: Oktober 2018

An jedem dritten Donnerstag eines Monats veröffentlichen wir Mini-Reviews zu aktuellen Kinostarts. Im Oktober sind es: die deutschen Komödien „Der Vorname“ und „Wuff“, das enttäuschende „Halloween“-Sequel von David Gordon Green und zwei US-amerikanische Indiefilme.

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Avengers: Infinity War

Das Marvel Cinematic Universe stand schon mehrmals am Scheideweg. Zunächst mit dem ersten „Avengers“-Film im Jahr 2012, der nach einer Reihe mittelmäßiger Soloauftritte zeigte, dass diese Comic-Umsetzungen doch richtig gut sein können. Dann mit dem „Civil War“ im Jahr 2016, als sich die Frage stellte, ob die Reihe mutig genug ist, sich von Figuren und Traditionen zu verabschieden, um frischen Wind zu entfachen, aber außer einem grandiosen Superheldenkampf wenig anzubieten hatte. Und nun wieder. Zehn Jahre nach dem ersten „Iron Man“ laufen fast alle Fäden im Infinity War zusammen. Es ist ein Spektakel, das aus dem Rahmen fällt, mit nichts zu vergleichen ist und nicht nur deshalb, sondern auch wegen der kommenden Fortsetzung im Jahr 2019 nur schwer bewertet werden kann. Wie so häufig in den vergangenen Jahren setzt Marvel mit Figurenentwicklung, Hintergrundgeschichten und Dramaturgie keine neuen Maßstäbe. Selbst wenn man Trailer und Fotos ignoriert hat, weiß man stets so ungefähr, wohin die Reise geht. Überraschend gut gelungen sind hingegen die Balance aus Humor und Tragik sowie die Mammutaufgabe, mehrere dutzend Charaktere in zweieinhalb Stunden unterzubringen, ohne dass der Film vollkommen gehetzt wirkt. Letzteres ist vielleicht die größte Leistung des Regie-Duos, das diesmal jedoch keine ganz so hervorragend inszenierten Actionszenen wie in „Civil War“ und „The Winter Soldier“ im Angebot hat. Wie die verschiedenen Superhelden und ihre Kräfte miteinander agieren, ist dennoch phantastisch anzuschauen. Aber was ist nun mit dem erneuten Scheideweg? Sagen wir es mal so: Sollte der nächste „Avengers“-Film die Entwicklungen nicht rückgängig machen, hat das Marvel Cinematic Universe nun das Potential für weitere zehn Jahre. In jedem Fall dürfte es in den Kinosälen zu Beginn des Abspanns sehr ruhig sein. Und dann wird es Redebedarf geben – so viel wie vielleicht noch nie zuvor nach einem solchen Comic-Blockbuster.

 

Filmplakat: Walt Disney

You Were Never Really Here

You Were Never Really Here - ConstantinWenn Joe (Joaquin Phoenix) den Hammer auspackt, wird‘s ungemütlich. Dann sinken Menschen reihenweise zu Boden. Warum Joe andere Personen malträtiert, bleibt erst einmal unklar. Klar ist jedoch, dass ihn sein aktueller Auftrag in ein Kinderbordell führt. Dort soll er die 13-jährige Tochter eines ambitionierten Politikers befreien – für Joe eigentlich eine Standardaufgabe. Doch daraus entwickelt sich schnell ein tödliches Komplott, das selbst ihn überfordert. Es ist mit Sicherheit nicht die Rahmenhandlung, die You Were Never Really Here (hierzulande mit anderem englischen Titel) deutlich über den Durchschnitt des Genres hebt. Denn abgesehen vom erstaunlich unspektakulären, aber inhaltlich aussagekräftigen Finale präsentiert Lynne Ramsay bekannte Kost. Viel interessanter ist das, was sie über ihren von Joaquin Phoenix mit unfassbarer Präsenz gespielten Hauptcharakter erzählt oder eben nicht erzählt. Da deuten sich in schmerzhaften Rückblenden diverse Traumata an, die der Zuschauer selbst zusammenfügen muss. Ob Joe auf bestimmte Situationen sensibel, wütend oder ängstlich reagiert, ist nicht vorherzusehen – die Reaktion fühlt sich aber immer passend an. Neben der starken Schauspielleistung bleibt vor allem die Musik des Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood im Gedächtnis. Diese erinnert in manchen Momenten in angenehmer Weise an ähnlich atmosphärische Werke wie „Drive“ oder „Mulholland Drive“, unterstreicht aber vor allem den labilen Zustand von Joe. Immer wieder springt die Musik förmlich aus der Spur, verheddert sich oder kommt einfach zum Stillstand. Diese außergewöhnlichen Elemente zu einem elektrisierenden, besonderen Film zusammenzufügen, ist die bemerkenswerte Leistung von Lynne Ramsay.

 

Filmplakat: Constantin

Mute

Mute - NetflixEin bisschen erinnert die Karriere von Duncan Jones an jene von M. Night Shyamalan. Beide schafften es mit ihren ersten (nennenswerten) Spielfilmen zumindest unter Genrefans zu großer Beliebtheit – der eine mit „The Sixth Sense“ und „Unbreakable“, der andere mit „Moon“ und „Source Code“. Doch dann folgte in der Gunst des Publikums der brutale Absturz: bei Shyamalan langsam über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren, bei Jones ganz schnell mit der in nahezu jeder Hinsicht erbärmlichen „Warcraft“-Verfilmung. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide viel zu viel Häme abbekommen. Insbesondere Shyamalans Werke „The Village“ und „After Earth“ waren bei Weitem nicht so schlecht wie allgemein behauptet. Auch „Signs“ und „Lady in the Water“ hatten starke Momente – in jedem Fall stachen sie aus dem üblichen Genre-Einheitsbrei heraus. Ähnlich verhält es sich nun mit Mute, dem neuen und exklusiv auf Netflix veröffentlichten Film von Duncan Jones. Dieser spielt in einem Berlin um das Jahr 2060, in dem der stumme Protagonist Leo (Alexander Skarsgård) seine verschwundene Freundin sucht. Dabei begegnet er immer wieder diversen Klein- und Schwerstkriminellen, die wiederum ihre eigene Agenda verfolgen. „Mute“ ist dreckig, brutal und oft ziemlich kompromisslos; er bedient diverse Klischees und leidet unter einem eher blassen Hauptcharakter. Doch er steckt auch voller Leben, voller irrer Figuren, voller visueller Ideen und voller glaubwürdiger Vorstellungen davon, wie eine europäische Großstadt in 40 Jahren aussehen könnte. Dass „Mute“ so sperrig und ungeschliffen daherkommt, ist mehr Stärke als Schwäche. Gemeinsam mit Leo kämpfen wir uns durch diese bizarre Welt. Es gibt viel zu entdecken.

 

Filmplakat: Netflix

Annihilation

Annihilation - NetflixSelbst mit einigem Abstand ist nicht ganz klar, was von diesem Film zu halten ist. Was zunächst einmal für ihn spricht. Das zweite Regiewerk von Alex Garland („Ex Machina“) entführt in eine Umgebung, die auf dieser Welt liegt, aber irgendwie nicht von dieser Welt ist. Wir stoßen auf seltsame Kreaturen, hadern mit unseren Erinnerungen und zweifeln an unserem Verstand – oder vielmehr an jenem der fünf weiblichen Figuren um die Biologin mit Armeeerfahrung, gespielt von Natalie Portman, die sich in dieses Gebiet, das immer größer wird und in dem fast alle, die es betreten, spurlos verschwinden, hinein wagen. Annihilation ist auf vielen Ebenen bemerkenswert, aber auf ebenso vielen Ebenen problematisch. Auf der Ebene der Bilder findet sich in nahezu jeder Einstellung irgendein Licht, das irritiert. Mal sind es klassische Lens-Flare-Effekte, mal ist es ein künstliches oder das Sonnenlicht, das durch eine Öffnung seinen Weg findet. Auf mich wirkte das zu gewollt und daher ablenkend. Auf der inhaltlichen Ebene bleiben interessante Details in Erinnerung, aber kein stimmiges Ganzes. Ein US-Kritiker formulierte, dass sich „Annihilation“ so anfühle, als sei es ein Kurzfilm auf Spielfilmlänge. Das kommt meinen Eindrücken sehr nahe. Die angeblich so zahlreichen philosophischen Ansätze, die weit über das Filmende hinaus zum Nachdenken anregen sollen, konnte ich nicht finden. Auf mich wirkten sowohl die Charaktere als auch ihre Überlegungen eher oberflächlich. Die Dramaturgie folgt weitgehend ausgetretenen Pfaden; wirkliche Überraschungen sind rar. Entscheidend voran kommt der Film immer nur dann, wenn die Figuren nicht nachvollziehbar handeln oder Dinge geschehen, die nicht erklärbar sind. Was wohl einen Teil des großen Mysteriums darstellen soll; aber damit macht es sich Garland zu einfach. Im Grunde bietet „Annihilation“ eine handvoll Denkanstöße und greift dabei vor allem bekannte Ideen des Genrefilms auf. Vergleicht man das mit einem anderen Netflix-Film, „The Discovery“, bietet allein dessen Prämisse – ein Wissenschaftler entdeckt das Leben nach dem Tod und löst damit eine Flut von Selbstmorden aus – mehr Stoff für Diskussionen als „Annihilation“ insgesamt. Die vielleicht beste Idee kommt zudem schon ziemlich früh zum Vorschein – und wiederholt sich später, selbst im faszinierenden und audiovisuell betörenden Finale, nur noch in diversen Variationen. Aber keine Angst: Wer an „Ex Machina“ nichts auszusetzen hatte, dürfte auch mit „Annihilation“ glücklich werden. Aus meiner Sicht ist es nun aber schon der zweite Garland-Film, der die großen Menschheitsfragen behandeln möchte, dabei aber intellektuell nicht über Schulniveau hinauskommt. Weil er vor allem optisch und musikalisch ungewöhnliche Wege geht, sollte jeder Cineast dennoch einen Blick riskieren.

 

Filmplakat: Netflix

Ghostland

Ghostland - Capelight PicturesVieles in Ghostland erinnert an „Martyrs“, jenen modernen Horrorklassiker, mit dem Pascal Laugier im Jahr 2008 über das Genre hinaus bekannt wurde: zwei junge Protagonistinnen, Elemente des Home-Invasion-Films sowie Wahnsinn und gnadenlose Gewalt. Diesmal sind es die Schwestern Beth (Emilia Jones) und Vera (Taylor Hickson), die gemeinsam mit ihrer Mutter in ein geerbtes Haus ziehen. Bereits in der ersten Nacht kommt es zu einem brutalen Übergriff, der das Leben aller Beteiligten für immer verändert. Zwar scheint zumindest Beth das Trauma überwunden zu haben und als Autorin erfolgreich Karriere zu machen, doch eine Rückkehr zu ihrer schwer geschädigten Schwester und weit verdrängten Erinnerungen bringt ihre Welt ins Wanken. Der sich anschließende Twist – auch davon gab es in „Martyrs“ ja so einige – gehört zu den besten Momenten des Films. Ebenso gelungen ist der Auftakt: Die Charaktere erhalten eine Viertelstunde, um sich vorzustellen, doch selbst in dieser Zeit stapeln sich bereits die Andeutungen auf bevorstehendes Unheil – welches dann mit voller Wucht einschlägt. Laugier inszeniert gewohnt kompromisslos und versetzt die Zuschauer in ein Gefühl des Dabeiseins. Die Schläge, Tritte und Stiche sieht man nicht nur, sondern fühlt sie regelrecht. Dieses Dabeisein äußert sich aber auch in unangenehmer Weise, vor allem bei den unzähligen Jump-Scares. Im gefühlten Minutentakt hämmert es genau dann gegen die Tür, wenn jemand das Ohr daran hält; kommt genau dann jemand aus der Dunkelheit geschossen, wenn alle konzentriert hinein starren. Das ist ärgerlich, besonders weil es Laugier in der Anfangsphase schlicht mit Kamerabewegungen viel besser gelingt, Spannung aufzubauen. Jene Spannung bricht zusammen mit der Dramaturgie im letzten Akt vollends zusammen, weil das Drehbuch dort im Wesentlichen nur noch eine Wiederholung des zuvor Gezeigten vorsieht. Das Gefühl der Ungewissheit und Bedrohung, das den Film auch dank richtig unheimlicher Eindringlinge bis dahin kennzeichnete, weicht dann einem Gefühl der Gleichgültigkeit.

 

Filmplakat: Capelight Pictures