Buffy: Does it ever get easy? Giles: You mean life? Buffy: Yeah, does it get easy? Giles: What do you want me to say? Buffy: Lie to me. Giles: Yes. It's terribly simple. The good guys are always stalwart and true. The bad guys are easily distinguished by their pointy horns or black hats, and, uh, we always defeat them and save the day. No one ever dies and... everybody lives happily ever after. Buffy: Liar.

René

Raus

RausRaus. Ja, das beschreibt sie ganz gut, die Gedanken, die spätestens nach einer halben Stunde durch meinen Kopf rasen. Raus aus dem Kinosaal, irgendwas konsumieren, bestenfalls Bier und Nutella, und schnell vergessen. Aber das funktioniert nicht. Ich schaue Filme von der ersten bis zur letzten Minute; selbst Filme wie Raus, die sich anfühlen wie ein Gedicht von Julia Engelmann, das einfach nicht aufhören möchte. „Raus“ ist ähnlich belanglos und nichtssagend, aber immerhin ohne den neoliberalen „Du schaffst das ganz alleine, wenn du es nur willst“-Quark. Die fünf jugendlichen Protagonist*innen in „Raus“ haben ebenfalls keine Lust mehr auf „Ich-Ich-Ich“, sinnlosen Konsum, Tierquälerei und all die anderen Zumutungen der modernen Gesellschaft. Was sie erstmal sympathisch macht und mich neugierig. Doch dann folgen die Aussteiger*innen einem anonymen Social-Media-Aufruf in den Wald und die Tortur beginnt – für sie, aber vor allem für mich. Die Dialoge stehen völlig im Kontrast zur Umgebung; sie klingen nicht natürlich, sondern steril und auswendig gelernt; und sie verraten nichts über die Charaktere, was hinausgeht über hohle Phrasen und Offenbarungen wie „Wer so mutig ist wie [ein Typ, der via Youtube dazu aufruft, dass alle gleichzeitig keine Miete mehr überweisen], der darf mich sofort nehmen [ficken]“. Zudem ist ein Regisseur am Werk, der bislang vor allem Musikvideos gedreht hat und nun offenbar alles in den Topf wirft, was ihm gerade in die Hand fällt: Elemente des Horrorgenres, die nicht zum Ton des restlichen Films passen, Slow-Motion-Aufnahmen, Wackelkamera, seitlich abkippende Bilder, hektische Schnitte sowie klischeehafte „Jetzt haben wir ein neues Leben begonnen“-Montagen mit Nacktbaden, Schlammbaden und dem unvermeidlichen Sonnenlicht. Die durchgängig harmlosen Popsongs bilden dabei so etwas wie einen roten Faden. Das alles wäre irgendwie zu ertragen, würden sich die Charaktere nicht so verhalten, als wären sie zu oft gegen einen Baum gerannt. Aber vor allem in der letzten halben Stunde ist „Raus“ eine fast körperliche Qual; eine Grenzerfahrung, wie man sie im Kino selten erlebt. Es stellt sich heraus – Achtung, Spoiler –, dass die anonyme Person, die den Trip in den Wald organisiert haben soll, tatsächlich eine*r der fünf Protagonist*innen ist. Jemand hat also gelogen – das ist nicht nett, aber der Weg ist ja das Ziel und die Hütte, die man gemeinsam sucht, existiert tatsächlich. Halb so wild also. Denkste. Nachdem die anderen vier Leute davon erfahren haben und unfassbar alberne Gesichtsausdrücke zeigen durften, fesseln sie den Lügner an einen Baum, foltern ihn und lassen ihn fast sterben. Sollte es stimmen, dass „Raus“ tatsächlich „das Lebensgefühl der Generation Z einfängt“ (O-Ton aus dem Presseheft), dann sind wir alle richtig am Arsch.

Filmplakat: Farbfilm

Glass

GlassMit dem unkonventionellen Superheldenfilm Glass endet die – zumindest von Fans – sogenannte „Eastrail 177“-Trilogie und damit ein Stück Kinogeschichte. Es dürfte keinen vergleichbaren Fall gegeben haben, in dem erst das Ende eines Films verraten hat, dass es sich eigentlich um eine Fortsetzung zu einem anderen Film handelt. Nach dem fast 20 Jahre alten „Unbreakable“ und dem noch jungen „Split“ vereint M. Night Shyamalan nun seine außergewöhnlichen Charaktere. Bereits nach wenigen Minuten treffen der offenbar unverwundbare David Dunn (Bruce Willis), der genial-gefährliche Mr. Glass (Samuel L. Jackson) und die 24 Identitäten des Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) in einer therapeutischen Einrichtung aufeinander. Dort versucht die von Sarah Paulson gespielte Ärztin Ellie Staple ihre außergewöhnlichen Patienten davon zu überzeugen, dass deren Fähigkeiten plausibel erklärbar sind – und liefert dafür überzeugende Argumente. „Glass“ dreht das Rad also wieder zurück. Nachdem Shyamalan sein Publikum erst davon überzeugt hat, dass unter anderem die Bestie tatsächlich existiert, weckt er jetzt wieder massive Zweifel daran. Das Klinikszenario bricht dabei mit den Erwartungen, die man nach dem Ende von „Split“ und den ersten Minuten von „Glass“ haben durfte; es gibt zunächst keine direkte Konfrontation zwischen Dunn und Crumb, allenfalls eine therapeutische. Unterhaltsam und spannend ist es dennoch – schließlich ahnt man ja, dass da noch etwas im Verborgenen lauert. Auch in der zweiten Filmhälfte weiß Shyamalan immer wieder zu überraschen, aber nicht alle Ideen passen zueinander. „Glass“ ist insgesamt weniger ein stimmiges Ganzes als vielmehr die faszinierende Summe starker Szenen, überzeugender Darsteller*innen und eigenwilliger Perspektiven auf das Comic-Genre. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern bleibt das Emotionale diesmal leider auf der Strecke.

Filmplakat: Walt Disney

Babylon Berlin (Staffel 1+2)

Babylon BerlinNein, Babylon Berlin ist nicht das deutsche „Game of Thrones“, wozu es gelegentlich erklärt wird. Ganz offensichtlich nicht, da keine Fantasywelt mit fliegenden Drachen und wandelnden Toten zu sehen ist, sondern die Weimarer Republik mit korrupten Cops und bösen Gangstern. Das ist aber nicht der entscheidende Punkt. „Babylon Berlin“ ist schlicht besser, viel besser als „Game of Thrones“. Der bislang 16 Episoden umfassende Krimi, welcher auf dem Roman „Der nasse Fisch“ basiert, ist dank einer Vielzahl an Charakteren und Ereignissen komplex, aber stets im nötigen Tempo erzählt. Es entsteht nie das Gefühl, in den zurückliegenden Folgen über bestimmte Figuren oder Nebenplots zu wenig erfahren zu haben. Was sicherlich vor allem daran liegt, dass man gar nicht über das, was gerade nicht erzählt wird, nachdenkt, weil das, was erzählt wird, so packend, berührend und authentisch ist. Kein Charakter oder Handlungsstrang hat mich gelangweilt. Im Gegenteil: An jeder Straßenecke wartet das Unerwartete und Überraschende. Falls eine Wendung doch mal vorhersehbar ist – so wie am Ende der 15. Episode – dann stellt sich gleichzeitig heraus, dass ein damit verknüpfter Twist der eigentlich relevante ist. Häufig geht „Babylon Berlin“ sowieso den anderen Weg: Die vermuteten Storyelemente sind einfach nicht vorhanden; dort nicht der Verrat, hier nicht die Läuterung und da nicht die Romanze, mit denen man rechnet, weil vieles darauf hindeutet, nicht zuletzt die Genretradition – stattdessen immer wieder Kurswechsel, Rückschläge und das böse Erwachen. Zu Beginn der finalen Folge zwingt mich „Babylon Berlin“ sogar zu einem Verlangen, das mich innerlich fast zerreißt: Weil das, was ich mir in diesem Moment für die Dramaturgie der Serie erhoffe, im Gegensatz zu dem steht, was ich den Charakteren wünsche – die man trotz diverser Lügen, Intrigen und Gemeinheiten irgendwann halt doch ins Herz schließt. Sie kämpfen schließlich nicht nur im Großen gegen das organisierte Verbrechen, sondern auch im Kleinen und meistens ganz allein gegen schwere Krankheiten, ärmliche Verhältnisse und die Dominanz der Männer. Neben ausnahmslos herausragenden Schauspieler*innen, grandioser Ausstattung, meisterhaft konstruierten Spannungsmomenten und atmosphärischer Musik enthält „Babylon Berlin“ noch eine politische Komponente von höchster Relevanz: mit einer Polizei im Zentrum des Geschehens, die den Feind auf der linken Seite mit allen Mitteln bekämpft, während sich innerhalb und außerhalb der Behörde längst rechtsradikale Terrornetzwerke gebildet haben und der Zug Richtung Faschismus nahezu unbemerkt und ohne nennenswerten Widerstand an Fahrt gewinnt. Offenbar war der 2008 veröffentlichte Roman, der 1929 spielt, seiner Zeit voraus. Ob er besser oder schlecht als die Verfilmung ist, weiß ich nicht. „Babylon Berlin“ jedenfalls besitzt nahezu keine Schwächen, bleibt über 16 abwechslungsreiche Episoden hinweg durchgängig auf höchstem Niveau und ist daher nichts anderes als ein Meisterwerk.

Plakat: X-Verleih

Ben Is Back

Ben Is BackKurz vor Weihnachten ist Ben zu seiner Familie zurückgekehrt. Was seine Mutter Holly freut, trifft bei Schwester Ivy und Stiefvater Neal auf großes Unverständnis. Eigentlich sollte sich Ben gerade in Therapie befinden, um seine Drogensucht zu überwinden – weit weg von Zuhause, wo ihn zahlreiche Orte und Menschen an den vermeintlichen Genuss erinnern. Doch sein Therapeut sei mit diesem Ausflug einverstanden, erzählt Ben. Während Teile seiner Familie mit der Situation nur schwer warm werden, betrachten andere Bekanntschaften seine Anwesenheit überaus positiv – und schicken ihn auf einen Trip, von dem es diesmal vielleicht keine Rückkehr geben wird. Ben Is Back gehört nicht zu den Filmen, die übermäßigen Drogenkonsum und dessen unmittelbare Auswirkungen auf die Abhängigen in den Mittelpunkt der Handlung stellen. Zu sehen sind vor allem zwei Personen: eine, die sich langsam erholt, aber in Angst vor einem Rückfall lebt, und eine andere, die ebenso kämpft und zweifelt. Lucas Hedges als Ben und Julia Roberts als Holly sind das heftig schlagende Herz dieses Films. Wenn sie miteinander reden, dann stets Klartext. Gleich zu Beginn trichtert Holly ihrem Sohn ein, dass er ihr „gehöre“, wenn er Weihnachten bei seiner Familie verbringen möchte. Später fährt sie mit Ben zum Friedhof und fordert ihn auf, eine Stelle für sein künftiges Grab zu wählen – das sei bald nötig, falls er sein Leben nicht grundsätzlich ändert. Innerhalb weniger Sekunden kann mühsam aufgebautes Vertrauen wieder in Misstrauen umschlagen – ein kleiner Scherz, den beide zunächst sogar als solchen empfinden, reicht manchmal schon aus. Genau wie das Drehbuch rückt auch die Kamera die beiden Darsteller*innen permanent in den Fokus. Mit ihren Bewegungen und Einstellungen zwingt sie förmlich dazu, in die Gesichter der Protagonist*innen zu schauen. Diese Aufmerksamkeit haben Hedges und Roberts verdient.

Filmplakat: Tobis

Colette

ColetteAls die Zeitschrift „National Geographic“ im Januar 2017 ein neunjähriges Transmädchen auf dem Cover abbildete und die komplette Ausgabe der „Gender-Revolution“ widmete, folgten die erwartbaren Reaktionen: Krank, nervig, falsch und linke Propaganda sei das. Offenbar haben sich wesentliche Teile westlicher Gesellschaften in den vergangenen 100 Jahren in dieser Hinsicht nicht nennenswert weiterentwickelt. Das nach der gleichnamigen Schriftstellerin benannte Biopic Colette zeigt, dass es zumindest im Paris des frühen 20. Jahrhunderts diesbezüglich durchaus fortschrittliche Ansichten gab. So ist es die von Keira Knightley facettenreich gespielte Hauptfigur, die eine Affäre mit einer als Frau geborenen Person beginnt, die sich selbst nicht (mehr) als solche identifiziert und typische Männerkleidung trägt. Ein Kuss auf offener Bühne führt jedoch zu einer Massenschlägerei im Publikum. Colette ist außerdem sowohl in homo- als auch heterosexuellen Beziehungen zu sehen und darf gewissermaßen als frühe LGBT-Aktivistin betrachtet werden – und als Feministin, auch in eigener Sache. Im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren schreibt sie mehrere überwiegend autobiographische Romane, die sich massenhaft verkaufen, aber das Pseudonym ihres deutlich älteren Ehemanns Henry tragen. Als Colette den Wunsch äußert, unter ihrem eigenen Namen zu publizieren, argumentiert Henry: Das kauft doch niemand. Dieser Konflikt taucht im Film erst ziemlich spät auf. Der größte Teil widmet sich den alltäglichen Kämpfen gegen einen – für damalige Verhältnisse liberalen – Machoehemann, der Colette liebt und betrügt, ausnutzt und fördert. Regisseur Wash Westmoreland („Still Alice“), der das Drehbuch gemeinsam mit seinem mittlerweile verstorbenen Ehemann Richard Glatzer geschrieben hat, ist ein erstaunlich lockeres und häufig humorvolles Porträt einer äußerst selbstbewussten, zielstrebigen und modernen Frau gelungen, das auch hinter der Kamera mit Geschlecht und Herkunft spielt. In einem Interview verriet Westmoreland, dass viele Darsteller*innen eine andere Hautfarbe oder sexuelle Orientierung hätten als es bei den historischen Originalen der Fall gewesen sei.

Filmplakat: DCM

Spider-Man: A New Universe

Spider-ManEs war wirklich frustrierend, dass sich ausgerechnet mein Lieblings-Comicheld nie über eine richtig gelungene Verfilmung freuen durfte. Allenfalls „Spider-Man 2“ von Sam Raimi könnte mit seinen sympathischen Figuren und spektakulären Actionszenen in diese Kategorie fallen. Aber seitdem sind fast anderthalb Jahrzehnte vergangen und das Marvel Cinematic Universe war damals noch mehr als einen Sprung von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer entfernt. Ob Thor, Captain America, die restlichen Avengers oder die Guardians of the Galaxy – sie alle bekamen mittlerweile mindestens einen Film spendiert, dessen Witz, Retrocharme oder politische Relevanz aus dem sonstigen Einheitsbrei herausragt. Nur Spidey blieb irgendwie auf der Strecke. Bis jetzt. A New Universe ist besser als alle anderen Spider-Man-Filme, besser als alle anderen MCU-Filme und besser als die meisten Animationsfilme. Mehr als „Es geht um Spider-Man und mehrere Dimensionen“ sollte man vorher idealerweise gar nicht wissen. Allein die vielen Wendungen und Überraschungen unterscheiden ihn schon deutlich von anderen Comic-Verfilmungen. Der Humor ist ebenfalls vielfältiger, weil er sich nicht auf Dialogwitz, Situationskomik und groteske Absurditäten beschränkt, sondern durch Andeutungen auf misslungene Momente früherer Filme und die Animationen zusätzliche Ebenen erhält. Letztere wiederum liefern nicht nur Gags, sondern zeigen Welten, wie ich sie bislang noch nicht gesehen habe. Im Wettrennen um die realistischste Grafik biegt „A New Universe“ einfach an der ersten Kreuzung ab und setzt stattdessen auf einen Look, dessen Bescheidenheit und Größenwahn ein bislang kaum gekanntes Comicfeeling erzeugen: mit Splitscreens, verschwommenen Hintergründen, Sprechblasen, gut sichtbaren Texturen, diversen Ähnlichkeiten zu gezeichneten Spider-Man-Serien und haufenweise weiteren Gimmicks sowie einem Farbenrausch, der in der Hitze des Gefechts fast überfordert. Zu allem Überfluss hat „A New Universe“ auch noch ein großes Herz, in dem für Diversität, Black Power und Feminismus ebenso Platz ist wie für eine berührende Geschichte über Freundschaft, Verlust und Verantwortung. Mein Lieblings-Comicheld darf sich nun nicht nur über eine richtig gelungene Verfilmung freuen, sondern über eines der mutigsten, innovativsten und aufregendsten Mainstreamwerke der vergangenen Jahre. Danke.

PS: Dieser Text stammt aus der Feder von René und spricht aus der Seele von Knut.

Filmplakat: Sony