Buffy: Does it ever get easy? Giles: You mean life? Buffy: Yeah, does it get easy? Giles: What do you want me to say? Buffy: Lie to me. Giles: Yes. It's terribly simple. The good guys are always stalwart and true. The bad guys are easily distinguished by their pointy horns or black hats, and, uh, we always defeat them and save the day. No one ever dies and... everybody lives happily ever after. Buffy: Liar.

René

Aladdin

AladdinAladdin als Helden meiner Kindheit zu bezeichnen, wäre etwas übertrieben. Aber besonders die in den 90ern ausgestrahlte Zeichentrickserie gehörte neben „Darkwing Duck“, den „Gargoyles“ und einigen anderen zu meinen Favoriten. Es waren vor allem die vielfältigen und mysteriösen Orte und Kreaturen, die mich begeisterten. Und Dschinni, dessen witzige Anspielungen ich erst als Erwachsener vollständig verstehen konnte. Orte, Kreaturen und Dschinni – genau das wünschte ich mir also von Guy Ritchies Spielfilm im Jahr 2019. In der ersten Hälfte bekam ich tatsächlich vieles davon zu sehen: eine rasant inszenierte Flucht von Aladdin und Jasmin durch Agrabah, der Griff nach der Wunderlampe in einer gefährlichen Höhle und der erste Auftritt des von Will Smith mit viel Lust dargestellten blauen Wunderwesens. Umso enttäuschender die zweite Filmhälfte, die fast ausschließlich im Palast des Sultans spielt und überwiegend davon handelt, dass Aladdin auf unsympathische Art die Prinzessin für sich gewinnen möchte. Die zu Beginn noch etwas stärker betonte Außenseiterstory eines Diebes, der irgendwie über die Runden kommen muss, gerät völlig in den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine langweilig erzählte Lovestory (genau genommen gibt es noch eine zweite, die im 90er-Film nicht vorhanden war) in immerhin überwältigender Ausstattung. Der böse Dschafar darf gegen Ende des Films ein bisschen wüten; allzu viel passiert jedoch nicht. Vielleicht war das Original genau so belanglos wie dieser Film – ich erinnere mich nicht mehr. In jedem Fall wäre es nötig gewesen, die Geschichte zeitgemäßer und vor allem spannender zu erzählen.

Filmplakat: Walt Disney

Captain Marvel

Captain MarvelIn der letzten Folge von „Buffy“, der besten Serie aller Zeiten, gibt es eine Schlüsselszene: Am Abend vor der entscheidenden Schlacht hält die Vampirjägerin eine flammende Rede. Sie handelt von mächtigen Männern, die Frauen seit Jahrhunderten unterdrücken, aber deren Zeit nun abgelaufen ist. Oberflächlich betrachtet geht es in der Rede um die übernatürlichen Kräfte, die auch in anderen potentiellen Jägerinnen lauern und üble Bösewichte besiegen könnten. Doch unter der Oberfläche findet man – wie so häufig in dieser Serie – kämpferische Aussagen über die Geschlechterverhältnisse in der realen Welt. Captain Marvel enthält eine Schlüsselszene, die stark an diesen Moment erinnert. Es ist eine phantastische Szene, die auf plakative, aber wunderbar leidenschaftliche Weise die Ermächtigung einer Frau zeigt und darin gipfelt, dass die Superheldin zur Musik von „Just a Girl“ ihre Gegner verprügelt (drei Wörter übrigens, die auch Buffy immer wieder zu hören bekam). „Captain Marvel“ ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Wohlfühlfilm im besten Sinne. Er würdigt Stan Lee gleich zu Beginn in angemessener Form, weckt Empathie mit Flüchtenden und lässt eine supersüße Katze mit der Heldin und dem jungen Fury nostalgisch durch die 90er reisen. Natürlich erzählt der Film auch eine klassische und gelegentlich überraschende Gut-gegen-Böse-Geschichte, aber zum ersten Mal geht es im MCU eigentlich um etwas anderes: um eine Frau, der Mann immer wieder sagt, dass sie etwas nicht kann und dass sie ihre Emotionen in den Griff bekommen soll – und die irgendwann aufhört, auf diese Männer zu hören. Vieles davon ist nicht sonderlich subtil, aber das sind die popkulturellen Anspielungen anderer MCU-Filme auch nicht – warum sollten für Bezüge auf politische Verhältnisse strengere Maßstäbe gelten? Außerdem fühlt es sich niemals so an, als ob da unbedingt noch eine Szene mit feministischer Botschaft rein musste. Was die Charaktere in diesen Momenten sagen, ergibt sich stets auch aus ihrem persönlichen Hintergrund. Gegen Ende des Films gibt es schließlich eine Szene, die zeigt, wie ein Mädchen freudig zu Captain Marvel aufblickt. Oberflächlich betrachtet ist es nur das. Aber eigentlich ist es viel mehr. Unzählige Mädchen und Frauen haben nun (hoffentlich) eine sympathische, mitfühlende und schlagfertige Heldin, die sie repräsentiert – nicht nur wegen ihres Geschlechts, sondern auch wegen der Kämpfe, die sie austrägt. „Captain Marvel“ mag nicht der beste MCU-Film sein, aber neben „Black Panther“ vielleicht der wichtigste.

Filmplakat: Walt Disney

Weightless

WeightlessJoel arbeitet auf einer Müllhalde in einer US-amerikanischen Kleinstadt. Viel mehr lässt sich über den introvertierten, zurückhaltenden Mann kaum sagen. Möglicherweise spielten Gewalt und Alkohol in seiner Vergangenheit eine große Rolle. Die Abende und Nächte verbringt er mit einer Frau, deren Rolle zunächst ebenfalls nicht ganz klar ist. Eines Tages erreicht ihn ein Anruf: Joel soll sich um seinen 10-jährigen Sohn Will kümmern, nachdem dessen Mutter spurlos verschwunden ist. Will spricht seitdem kein Wort und verlässt das Haus nicht mehr. Weil er stark übergewichtig ist, hänseln ihn die anderen Kinder. Joel wächst langsam in die ihm ungewohnte Rolle als Vater hinein, doch sein Arzt ist anderer Meinung: Eine Pflegefamilie soll sich um Will kümmern. Das große Drama, das diese Konstellation in Aussicht stellt, bleibt jedoch aus. Was einerseits positiv ist: Weightless verzichtet auf allzu konstruierte Momente, schlägt leise Töne an, gibt Emotionen den nötigen Raum und konzentriert sich lieber auf Atmosphäre und Stimmungen. Andererseits: Dabei mangelt es den Charakteren an Tiefe; am Ende des Films weiß man kaum mehr über Vater und Sohn als zu Beginn. Weil oft nicht zu durchschauen ist, was genau in den Köpfen der Figuren eigentlich vorgeht, schaffen es die Emotionen und Gefühle zu selten von der Leinwand in den Kinosaal.

Filmplakat: Kinostar

Chaos im Netz

Chaos im NetzDas Internet ist für uns alle Neuland. Naja, zumindest für einige von uns – zum Beispiel für Ralph und Vanellope. Die beiden Held*innen des 2012 veröffentlichten Animationsabenteuers „Ralph reicht‘s“ müssen ihre liebevollen Spielewelten verlassen, um in den Weiten des WWW nach einem Ersatzteil für einen Arcade-Automaten zu suchen. Finden sie es nicht, droht Vanellope und den anderen Rennfahrerinnen die Abschaltung ihres Racing-Games und damit die Obdachlosigkeit. Auch der zweite Teil ist vollgestopft mit Details, Anspielungen und vielen Gags. Besonders witzig wird es häufig dann, wenn die täglichen Internet-Routinen oder -ärgernisse der realen Welt in die fiktiven Handlungen eines animierten Charakters übersetzt werden: Wenn ein alter Mann die Suchenden nie ausreden lässt, sondern nach jedem Wort oder gar Buchstaben versucht, die komplette Anfrage zu erraten; wenn kleine Vögel rund um die Zentrale eines Social-Media-Giganten herumzwitschern; oder wenn ein halb nerviger, halb hilfreicher Bot permanent auftaucht, um ablaufende Fristen ins Gedächtnis zu rufen. Ab und zu geht‘s aber auch ernsthaft zur Sache – Stichwort: Don‘t read the comments! Der Disney-Welt mit Stormtroopers und schlagfertigen Prinzessinnen in Freizeitkleidung statten Ralph und Vanellope ebenfalls einen Besuch ab. Den emotionalen Kern des Films bildet eine Geschichte über Freundschaft. Klingt etwas rührselig, ist es manchmal auch. Dass jene Elemente, die eine Freundschaft belasten oder zerstören können, hier den zentralen Konflikt darstellen – man könnte auch sagen: den beziehungsweise die Bösewichte –, ist jedoch eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Superschurkenstorys. Am Ende ist das sogar für sogenannte Erwachsene durchaus lehrreich.

Filmplakat: Walt Disney

Raus

RausRaus. Ja, das beschreibt sie ganz gut, die Gedanken, die spätestens nach einer halben Stunde durch meinen Kopf rasen. Raus aus dem Kinosaal, irgendwas konsumieren, bestenfalls Bier und Nutella, und schnell vergessen. Aber das funktioniert nicht. Ich schaue Filme von der ersten bis zur letzten Minute; selbst Filme wie Raus, die sich anfühlen wie ein Gedicht von Julia Engelmann, das einfach nicht aufhören möchte. „Raus“ ist ähnlich belanglos und nichtssagend, aber immerhin ohne den neoliberalen „Du schaffst das ganz alleine, wenn du es nur willst“-Quark. Die fünf jugendlichen Protagonist*innen in „Raus“ haben ebenfalls keine Lust mehr auf „Ich-Ich-Ich“, sinnlosen Konsum, Tierquälerei und all die anderen Zumutungen der modernen Gesellschaft. Was sie erstmal sympathisch macht und mich neugierig. Doch dann folgen die Aussteiger*innen einem anonymen Social-Media-Aufruf in den Wald und die Tortur beginnt – für sie, aber vor allem für mich. Die Dialoge stehen völlig im Kontrast zur Umgebung; sie klingen nicht natürlich, sondern steril und auswendig gelernt; und sie verraten nichts über die Charaktere, was hinausgeht über hohle Phrasen und Offenbarungen wie „Wer so mutig ist wie [ein Typ, der via Youtube dazu aufruft, dass alle gleichzeitig keine Miete mehr überweisen], der darf mich sofort nehmen [ficken]“. Zudem ist ein Regisseur am Werk, der bislang vor allem Musikvideos gedreht hat und nun offenbar alles in den Topf wirft, was ihm gerade in die Hand fällt: Elemente des Horrorgenres, die nicht zum Ton des restlichen Films passen, Slow-Motion-Aufnahmen, Wackelkamera, seitlich abkippende Bilder, hektische Schnitte sowie klischeehafte „Jetzt haben wir ein neues Leben begonnen“-Montagen mit Nacktbaden, Schlammbaden und dem unvermeidlichen Sonnenlicht. Die durchgängig harmlosen Popsongs bilden dabei so etwas wie einen roten Faden. Das alles wäre irgendwie zu ertragen, würden sich die Charaktere nicht so verhalten, als wären sie zu oft gegen einen Baum gerannt. Aber vor allem in der letzten halben Stunde ist „Raus“ eine fast körperliche Qual; eine Grenzerfahrung, wie man sie im Kino selten erlebt. Es stellt sich heraus – Achtung, Spoiler –, dass die anonyme Person, die den Trip in den Wald organisiert haben soll, tatsächlich eine*r der fünf Protagonist*innen ist. Jemand hat also gelogen – das ist nicht nett, aber der Weg ist ja das Ziel und die Hütte, die man gemeinsam sucht, existiert tatsächlich. Halb so wild also. Denkste. Nachdem die anderen vier Leute davon erfahren haben und unfassbar alberne Gesichtsausdrücke zeigen durften, fesseln sie den Lügner an einen Baum, foltern ihn und lassen ihn fast sterben. Sollte es stimmen, dass „Raus“ tatsächlich „das Lebensgefühl der Generation Z einfängt“ (O-Ton aus dem Presseheft), dann sind wir alle richtig am Arsch.

Filmplakat: Farbfilm

Glass

GlassMit dem unkonventionellen Superheldenfilm Glass endet die – zumindest von Fans – sogenannte „Eastrail 177“-Trilogie und damit ein Stück Kinogeschichte. Es dürfte keinen vergleichbaren Fall gegeben haben, in dem erst das Ende eines Films verraten hat, dass es sich eigentlich um eine Fortsetzung zu einem anderen Film handelt. Nach dem fast 20 Jahre alten „Unbreakable“ und dem noch jungen „Split“ vereint M. Night Shyamalan nun seine außergewöhnlichen Charaktere. Bereits nach wenigen Minuten treffen der offenbar unverwundbare David Dunn (Bruce Willis), der genial-gefährliche Mr. Glass (Samuel L. Jackson) und die 24 Identitäten des Kevin Wendell Crumb (James McAvoy) in einer therapeutischen Einrichtung aufeinander. Dort versucht die von Sarah Paulson gespielte Ärztin Ellie Staple ihre außergewöhnlichen Patienten davon zu überzeugen, dass deren Fähigkeiten plausibel erklärbar sind – und liefert dafür überzeugende Argumente. „Glass“ dreht das Rad also wieder zurück. Nachdem Shyamalan sein Publikum erst davon überzeugt hat, dass unter anderem die Bestie tatsächlich existiert, weckt er jetzt wieder massive Zweifel daran. Das Klinikszenario bricht dabei mit den Erwartungen, die man nach dem Ende von „Split“ und den ersten Minuten von „Glass“ haben durfte; es gibt zunächst keine direkte Konfrontation zwischen Dunn und Crumb, allenfalls eine therapeutische. Unterhaltsam und spannend ist es dennoch – schließlich ahnt man ja, dass da noch etwas im Verborgenen lauert. Auch in der zweiten Filmhälfte weiß Shyamalan immer wieder zu überraschen, aber nicht alle Ideen passen zueinander. „Glass“ ist insgesamt weniger ein stimmiges Ganzes als vielmehr die faszinierende Summe starker Szenen, überzeugender Darsteller*innen und eigenwilliger Perspektiven auf das Comic-Genre. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern bleibt das Emotionale diesmal leider auf der Strecke.

Filmplakat: Walt Disney

Babylon Berlin (Staffel 1+2)

Babylon BerlinNein, Babylon Berlin ist nicht das deutsche „Game of Thrones“, wozu es gelegentlich erklärt wird. Ganz offensichtlich nicht, da keine Fantasywelt mit fliegenden Drachen und wandelnden Toten zu sehen ist, sondern die Weimarer Republik mit korrupten Cops und bösen Gangstern. Das ist aber nicht der entscheidende Punkt. „Babylon Berlin“ ist schlicht besser, viel besser als „Game of Thrones“. Der bislang 16 Episoden umfassende Krimi, welcher auf dem Roman „Der nasse Fisch“ basiert, ist dank einer Vielzahl an Charakteren und Ereignissen komplex, aber stets im nötigen Tempo erzählt. Es entsteht nie das Gefühl, in den zurückliegenden Folgen über bestimmte Figuren oder Nebenplots zu wenig erfahren zu haben. Was sicherlich vor allem daran liegt, dass man gar nicht über das, was gerade nicht erzählt wird, nachdenkt, weil das, was erzählt wird, so packend, berührend und authentisch ist. Kein Charakter oder Handlungsstrang hat mich gelangweilt. Im Gegenteil: An jeder Straßenecke wartet das Unerwartete und Überraschende. Falls eine Wendung doch mal vorhersehbar ist – so wie am Ende der 15. Episode – dann stellt sich gleichzeitig heraus, dass ein damit verknüpfter Twist der eigentlich relevante ist. Häufig geht „Babylon Berlin“ sowieso den anderen Weg: Die vermuteten Storyelemente sind einfach nicht vorhanden; dort nicht der Verrat, hier nicht die Läuterung und da nicht die Romanze, mit denen man rechnet, weil vieles darauf hindeutet, nicht zuletzt die Genretradition – stattdessen immer wieder Kurswechsel, Rückschläge und das böse Erwachen. Zu Beginn der finalen Folge zwingt mich „Babylon Berlin“ sogar zu einem Verlangen, das mich innerlich fast zerreißt: Weil das, was ich mir in diesem Moment für die Dramaturgie der Serie erhoffe, im Gegensatz zu dem steht, was ich den Charakteren wünsche – die man trotz diverser Lügen, Intrigen und Gemeinheiten irgendwann halt doch ins Herz schließt. Sie kämpfen schließlich nicht nur im Großen gegen das organisierte Verbrechen, sondern auch im Kleinen und meistens ganz allein gegen schwere Krankheiten, ärmliche Verhältnisse und die Dominanz der Männer. Neben ausnahmslos herausragenden Schauspieler*innen, grandioser Ausstattung, meisterhaft konstruierten Spannungsmomenten und atmosphärischer Musik enthält „Babylon Berlin“ noch eine politische Komponente von höchster Relevanz: mit einer Polizei im Zentrum des Geschehens, die den Feind auf der linken Seite mit allen Mitteln bekämpft, während sich innerhalb und außerhalb der Behörde längst rechtsradikale Terrornetzwerke gebildet haben und der Zug Richtung Faschismus nahezu unbemerkt und ohne nennenswerten Widerstand an Fahrt gewinnt. Offenbar war der 2008 veröffentlichte Roman, der 1929 spielt, seiner Zeit voraus. Ob er besser oder schlecht als die Verfilmung ist, weiß ich nicht. „Babylon Berlin“ jedenfalls besitzt nahezu keine Schwächen, bleibt über 16 abwechslungsreiche Episoden hinweg durchgängig auf höchstem Niveau und ist daher nichts anderes als ein Meisterwerk.

Plakat: X-Verleih