Buffy: Does it ever get easy? Giles: You mean life? Buffy: Yeah, does it get easy? Giles: What do you want me to say? Buffy: Lie to me. Giles: Yes. It's terribly simple. The good guys are always stalwart and true. The bad guys are easily distinguished by their pointy horns or black hats, and, uh, we always defeat them and save the day. No one ever dies and... everybody lives happily ever after. Buffy: Liar.

René

Colette

ColetteAls die Zeitschrift „National Geographic“ im Januar 2017 ein neunjähriges Transmädchen auf dem Cover abbildete und die komplette Ausgabe der „Gender-Revolution“ widmete, folgten die erwartbaren Reaktionen: Krank, nervig, falsch und linke Propaganda sei das. Offenbar haben sich wesentliche Teile westlicher Gesellschaften in den vergangenen 100 Jahren in dieser Hinsicht nicht nennenswert weiterentwickelt. Das nach der gleichnamigen Schriftstellerin benannte Biopic Colette zeigt, dass es zumindest im Paris des frühen 20. Jahrhunderts diesbezüglich durchaus fortschrittliche Ansichten gab. So ist es die von Keira Knightley facettenreich gespielte Hauptfigur, die eine Affäre mit einer als Frau geborenen Person beginnt, die sich selbst nicht (mehr) als solche identifiziert und typische Männerkleidung trägt. Ein Kuss auf offener Bühne führt jedoch zu einer Massenschlägerei im Publikum. Colette ist außerdem sowohl in homo- als auch heterosexuellen Beziehungen zu sehen und darf gewissermaßen als frühe LGBT-Aktivistin betrachtet werden – und als Feministin, auch in eigener Sache. Im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren schreibt sie mehrere überwiegend autobiographische Romane, die sich massenhaft verkaufen, aber das Pseudonym ihres deutlich älteren Ehemanns Henry tragen. Als Colette den Wunsch äußert, unter ihrem eigenen Namen zu publizieren, argumentiert Henry: Das kauft doch niemand. Dieser Konflikt taucht im Film erst ziemlich spät auf. Der größte Teil widmet sich den alltäglichen Kämpfen gegen einen – für damalige Verhältnisse liberalen – Machoehemann, der Colette liebt und betrügt, ausnutzt und fördert. Regisseur Wash Westmoreland („Still Alice“), der das Drehbuch gemeinsam mit seinem mittlerweile verstorbenen Ehemann Richard Glatzer geschrieben hat, ist ein erstaunlich lockeres und häufig humorvolles Porträt einer äußerst selbstbewussten, zielstrebigen und modernen Frau gelungen, das auch hinter der Kamera mit Geschlecht und Herkunft spielt. In einem Interview verriet Westmoreland, dass viele Darsteller*innen eine andere Hautfarbe oder sexuelle Orientierung hätten als es bei den historischen Originalen der Fall gewesen sei.

Filmplakat: DCM

Spider-Man: A New Universe

Spider-ManEs war wirklich frustrierend, dass sich ausgerechnet mein Lieblings-Comicheld nie über eine richtig gelungene Verfilmung freuen durfte. Allenfalls „Spider-Man 2“ von Sam Raimi könnte mit seinen sympathischen Figuren und spektakulären Actionszenen in diese Kategorie fallen. Aber seitdem sind fast anderthalb Jahrzehnte vergangen und das Marvel Cinematic Universe war damals noch mehr als einen Sprung von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer entfernt. Ob Thor, Captain America, die restlichen Avengers oder die Guardians of the Galaxy – sie alle bekamen mittlerweile mindestens einen Film spendiert, dessen Witz, Retrocharme oder politische Relevanz aus dem sonstigen Einheitsbrei herausragt. Nur Spidey blieb irgendwie auf der Strecke. Bis jetzt. A New Universe ist besser als alle anderen Spider-Man-Filme, besser als alle anderen MCU-Filme und besser als die meisten Animationsfilme. Mehr als „Es geht um Spider-Man und mehrere Dimensionen“ sollte man vorher idealerweise gar nicht wissen. Allein die vielen Wendungen und Überraschungen unterscheiden ihn schon deutlich von anderen Comic-Verfilmungen. Der Humor ist ebenfalls vielfältiger, weil er sich nicht auf Dialogwitz, Situationskomik und groteske Absurditäten beschränkt, sondern durch Andeutungen auf misslungene Momente früherer Filme und die Animationen zusätzliche Ebenen erhält. Letztere wiederum liefern nicht nur Gags, sondern zeigen Welten, wie ich sie bislang noch nicht gesehen habe. Im Wettrennen um die realistischste Grafik biegt „A New Universe“ einfach an der ersten Kreuzung ab und setzt stattdessen auf einen Look, dessen Bescheidenheit und Größenwahn ein bislang kaum gekanntes Comicfeeling erzeugen: mit Splitscreens, verschwommenen Hintergründen, Sprechblasen, gut sichtbaren Texturen, diversen Ähnlichkeiten zu gezeichneten Spider-Man-Serien und haufenweise weiteren Gimmicks sowie einem Farbenrausch, der in der Hitze des Gefechts fast überfordert. Zu allem Überfluss hat „A New Universe“ auch noch ein großes Herz, in dem für Diversität, Black Power und Feminismus ebenso Platz ist wie für eine berührende Geschichte über Freundschaft, Verlust und Verantwortung. Mein Lieblings-Comicheld darf sich nun nicht nur über eine richtig gelungene Verfilmung freuen, sondern über eines der mutigsten, innovativsten und aufregendsten Mainstreamwerke der vergangenen Jahre. Danke.

PS: Dieser Text stammt aus der Feder von René und spricht aus der Seele von Knut.

Filmplakat: Sony

Mini-Reviews-To-Go: November 2018

An jedem dritten Donnerstag eines Monats veröffentlichen wir Mini-Reviews zu aktuellen Kinostarts. Im November sind es: die auf berührende Weise von Einsam- und Zweisamkeit handelnden „In My Room“, „Cold War“ sowie „Der Dolmetscher“, die Actionfilme „Operation Overlord“ und „Peppermint“ sowie zwei auf berühmter Literatur basierende Weihnachtsfilme.

Abstecher zum Post

Mini-Reviews-To-Go: Oktober 2018

An jedem dritten Donnerstag eines Monats veröffentlichen wir Mini-Reviews zu aktuellen Kinostarts. Im Oktober sind es: die deutschen Komödien „Der Vorname“ und „Wuff“, das enttäuschende „Halloween“-Sequel von David Gordon Green und zwei US-amerikanische Indiefilme.

Abstecher zum Post

Avengers: Infinity War

Das Marvel Cinematic Universe stand schon mehrmals am Scheideweg. Zunächst mit dem ersten „Avengers“-Film im Jahr 2012, der nach einer Reihe mittelmäßiger Soloauftritte zeigte, dass diese Comic-Umsetzungen doch richtig gut sein können. Dann mit dem „Civil War“ im Jahr 2016, als sich die Frage stellte, ob die Reihe mutig genug ist, sich von Figuren und Traditionen zu verabschieden, um frischen Wind zu entfachen, aber außer einem grandiosen Superheldenkampf wenig anzubieten hatte. Und nun wieder. Zehn Jahre nach dem ersten „Iron Man“ laufen fast alle Fäden im Infinity War zusammen. Es ist ein Spektakel, das aus dem Rahmen fällt, mit nichts zu vergleichen ist und nicht nur deshalb, sondern auch wegen der kommenden Fortsetzung im Jahr 2019 nur schwer bewertet werden kann. Wie so häufig in den vergangenen Jahren setzt Marvel mit Figurenentwicklung, Hintergrundgeschichten und Dramaturgie keine neuen Maßstäbe. Selbst wenn man Trailer und Fotos ignoriert hat, weiß man stets so ungefähr, wohin die Reise geht. Überraschend gut gelungen sind hingegen die Balance aus Humor und Tragik sowie die Mammutaufgabe, mehrere dutzend Charaktere in zweieinhalb Stunden unterzubringen, ohne dass der Film vollkommen gehetzt wirkt. Letzteres ist vielleicht die größte Leistung des Regie-Duos, das diesmal jedoch keine ganz so hervorragend inszenierten Actionszenen wie in „Civil War“ und „The Winter Soldier“ im Angebot hat. Wie die verschiedenen Superhelden und ihre Kräfte miteinander agieren, ist dennoch phantastisch anzuschauen. Aber was ist nun mit dem erneuten Scheideweg? Sagen wir es mal so: Sollte der nächste „Avengers“-Film die Entwicklungen nicht rückgängig machen, hat das Marvel Cinematic Universe nun das Potential für weitere zehn Jahre. In jedem Fall dürfte es in den Kinosälen zu Beginn des Abspanns sehr ruhig sein. Und dann wird es Redebedarf geben – so viel wie vielleicht noch nie zuvor nach einem solchen Comic-Blockbuster.

 

Filmplakat: Walt Disney

You Were Never Really Here

You Were Never Really Here - ConstantinWenn Joe (Joaquin Phoenix) den Hammer auspackt, wird‘s ungemütlich. Dann sinken Menschen reihenweise zu Boden. Warum Joe andere Personen malträtiert, bleibt erst einmal unklar. Klar ist jedoch, dass ihn sein aktueller Auftrag in ein Kinderbordell führt. Dort soll er die 13-jährige Tochter eines ambitionierten Politikers befreien – für Joe eigentlich eine Standardaufgabe. Doch daraus entwickelt sich schnell ein tödliches Komplott, das selbst ihn überfordert. Es ist mit Sicherheit nicht die Rahmenhandlung, die You Were Never Really Here (hierzulande mit anderem englischen Titel) deutlich über den Durchschnitt des Genres hebt. Denn abgesehen vom erstaunlich unspektakulären, aber inhaltlich aussagekräftigen Finale präsentiert Lynne Ramsay bekannte Kost. Viel interessanter ist das, was sie über ihren von Joaquin Phoenix mit unfassbarer Präsenz gespielten Hauptcharakter erzählt oder eben nicht erzählt. Da deuten sich in schmerzhaften Rückblenden diverse Traumata an, die der Zuschauer selbst zusammenfügen muss. Ob Joe auf bestimmte Situationen sensibel, wütend oder ängstlich reagiert, ist nicht vorherzusehen – die Reaktion fühlt sich aber immer passend an. Neben der starken Schauspielleistung bleibt vor allem die Musik des Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood im Gedächtnis. Diese erinnert in manchen Momenten in angenehmer Weise an ähnlich atmosphärische Werke wie „Drive“ oder „Mulholland Drive“, unterstreicht aber vor allem den labilen Zustand von Joe. Immer wieder springt die Musik förmlich aus der Spur, verheddert sich oder kommt einfach zum Stillstand. Diese außergewöhnlichen Elemente zu einem elektrisierenden, besonderen Film zusammenzufügen, ist die bemerkenswerte Leistung von Lynne Ramsay.

 

Filmplakat: Constantin