Dark Movies – Roundup 1: Januar/Februar 2015

Runde 1: Was hatte der DVD-Markt in den Monaten Januar und Februar für Fans des Erwachsenenfilms zu bieten?

Genau ein Jahr und einen Monat ist es her, dass wir uns über das Nischendasein von interessanten und anspruchsvollen Genrefilmen im Kino beschwerten und darauf hinwiesen, dass jene Unterhaltung, die sich recht explizit an Erwachsene richtet, nicht so tumb und lauwarm sein muss, wie das in den großen Produktionen leider häufig der Fall ist. Gerade in Deutschland versteckt sich die beste Genreware sehr häufig exklusiv auf DVD. Mit Ausnahme von Der Babadook, der im Mai dieses Jahres das bekommt, was er verdient – einen Kinostart – sind im vergangenen Jahr in Deutschland sämtliche der Anfang 2014 von uns vorgestellen Werke erschienen.

In diesem Jahr machen wir das ein bisschen anders. Aller paar Monate wollen wir einen Blick zurückwerfen, auf jene blutrünstigen, nervenzerreißenden, apokalyptischen und Horizonte überschreitenden Streifen, die es nicht in die Kinos, aber auf DVD geschafft haben. Neben klassischen “Dark Movies” wie Horror-, Mystery-, Grusel- und Science-Fiction-Filmen können es auch mal Schwarze Komödien, Crime-Dramen, Neo-Western oder Actionfilme in unsere Auswahl schaffen. Eben alles, was irgendwie düster und kriminell ist.

Für die Monate Januar und Februar haben wir uns für folgende sechs Filme entschieden, maßgeblich beeinflusst durch Trailer, Kritiken, interessante Storyideen und beteiligte Personen: “Banshee Chapter”, “Dark Skies”, “Honeymoon”, “Predestination”, “Stonehearst Asylum” und “These Final Hours”. Nichts davon wurde von der FSK übrigens härter als mit einer Freigabe ab 16 Jahren bewertet. Für manche ist das ja ein negatives Qualitätsmerkmal…

 

 

Platz 6: Stonehearst Asylum

(IMDb)

StonehearstAsylumThriller, USA 2014, 112 Minuten, FSK 16

 

Cast & Crew

Regie: Brad Anderson („Der Maschinist“, „Transsiberian“)
Drehbuch: Joe Gangemi („Der eisige Tod“)
Darsteller: Kate Beckinsale, Jim Sturgess, David Thewlis, Brendan Gleeson, Ben Kingsley, Michael Caine

 

Inhalt

Ein junger Mediziner, der soeben seine Ausbildung beendet hat, besucht eine psychische Heilanstalt, in der ihm vieles dubios vorkommt. Als er einen Blick in den Keller wirft, dämmert ihm, dass Personal und Patienten offenbar die Rollen getauscht haben.

 

Kritik

StonehearstAsylum10Was zur Hölle ist mit Brad Anderson los? Mitte des vergangenen Jahrzehnts mauserte er sich mit zwei Filmen (s.o.) zu einem der interessantesten Genreregisseure. Und nun das: ein völlig verkorkster Psychiatrie-Thriller, in dem rein gar nichts passt. Erschreckend platt sind schon die Mittel, mit denen in der ersten halben Stunde darauf hingewiesen werden soll, dass in der Anstalt irgendwas nicht stimmt: dichter Nebel draußen, misstrauisch-verschwörerische Blickwechsel drinnen. Nachdem die Grundpfeiler abgesteckt sind, könnte man den Wahnsinn eigentlich so langsam von der Leine lassen. Doch stattdessen gähnende Langeweile. Null Entwicklung bei Charakteren und Story. Nichts, was zum Mitfiebern anregen würde. Der viel zu lange Film plätschert nach dem ersten Twist eine Stunde lang auf sein Finale hin, in dem das Drehbuch der Handlung mit einem billigen Taschenspielertrick die entscheidende Wendung gibt. Der finale Storytwist schließlich ist gleichermaßen nett wie belanglos. Das Einzige, was in „Stonehearst Asylum“ wirklich für Entsetzen sorgt, sind die Leistungen der Darsteller. Die sind ihren Charakteren hilflos ausgeliefert und schneiden eine Grimasse nach der anderen. Davon ausgenommen sei Hauptdarsteller Jim Sturgess: Der ist selbst für diesen Film mit seinem – sorry – hilflosen und dummen Dauergrinsen noch eine Fehlbesetzung.

 

Fazit

Pro: interessante Prämisse
Contra: dumm, vorhersehbar, null Spannung, miese Schauspielführung, unzählige Genreklischees

 

Don’t look at this!

 

 

Platz 5: Dark Skies

(IMDb)

Dark SkiesSciFi-Horror, USA 2013, 97 Minuten, FSK 16

 

Cast & Crew

Regie/Drehbuch: Scott Stewart („Priest“, „Legion“)
Darsteller: Keri Russell (Golden Globe als Hauptdarstellerin der Serie „Felicity“), Josh Hamilton, J.K. Simmons (Oscar für „Whiplash“)

 

Inhalt

Unheimliche Ereignisse stören das Vorstadtidyll der vierköpfigen Familie Barrett.

 

Kritik

DarkSkies10Freundlich formuliert: „Dark Skies“ weist alle Merkmale auf, die einen typischen Haunted-House-Streifen auszeichnen. Weniger freundlich formuliert: „Dark Skies“ ist frei von jeglichen Überraschungen, Variationen und bemerkenswerten Ideen. Er folgt der klassischen Eskalationslogik dieser Filme, der zufolge zunächst die Charaktere ein paar Minuten Zeit bekommen, um sich vorzustellen, anschließend irgendjemand unerklärliche, aber zunächst noch harmlose Dinge im Haus feststellt und anschließend der Psyche der einzelnen Familienmitglieder immer weiter zugesetzt wird. Wenn man sich nicht gerade an ein paar Jump-scares erschreckt, ahnt man die meisten mysteriösen Vorfälle grundsätzlich voraus. Die Ankündigung vor Filmbeginn, dass es sich vermutlich um außerirdische Mächte handeln wird, nimmt dem Film jede Spannung. Auch auf die obligatorischen „Das sind Aliens – Du spinnst ja“-Momente wird nicht verzichtet. Wenn im vermeintlich großen Finale dann nochmal die Hütte klappert, ahnt man auch hier schon längst, was passieren wird. Grotesk, dass der vorhersehbare Twist erst fünf Minuten nachdem er sich für alle erkennbar ereignet hat als Twist gekennzeichnet wird. Das ist Kino, das wohl auch die ganz Doofen mitnehmen soll. Schwacher Trost: Die Bilder sind okay und J.K. Simmons ist in einer Nebenrolle zu sehen.

 

Fazit

Pro: J.K. Simmons, einige ansatzweise gut inszenierte Szenen, nervt nicht allzu sehr
Contra: ohne frische Ideen, vorhersehbar, dank wiederholt frühzeitiger Hinweise auf Art und Motivation der Bedrohung ohne jede Spannung

 

Don’t look at this!

 

 

Platz 4: Banshee Chapter

(IMDb)

BansheeChapterMystery, USA 2013, 87 Minuten, FSK 16

 

Cast & Crew

Regie: Blair Erickson
Drehbuch: Blair Erickson, Daniel J. Healy
Darsteller: Katia Winter (Katrina Crane in der „Sleepy Hollow“-Serie), Ted Levine (Captain Leland Stottlemeyer in „Monk“)

 

Inhalt

Fremde Mächte nehmen Menschen in Besitz, nachdem diese eine bläuliche Flüssigkeit trinken. Hinter allem steckt womöglich die US-Regierung. Eine Journalistin begibt sich auf die Suche nach ihrem spurlus verschwundenen Collegefreund.

 

Kritik

BansheeChapter10Der Film wurde äußerst preiswert produziert, laut IMDb mit weniger als einer Million US-Dollar.  Entsprechend billig ist der Look und überschaubar sind Kulissen und Protagonisten. Wirklich negativ bemerkbar macht sich das selten. Eher im Gegenteil: Die fast völlige Reduktion auf eine recht sympathische Hauptfigur und deren sich später dazu gesellenden kauzigen Sidekick sorgen nach viel Leerlauf zu Beginn in der zweiten Filmhälfte für leichtes Gruseln. Regierung und Aliens halten sich fast komplett im Hintergrund, Wohnungen, Straßen und Bunker sind menschenleer. Die Charaktere wirken vollkommen isoliert und mit der kaum greifbaren Bedrohung, die sich immer mal wieder in nervigen Jump-scares zeigt, allein gelassen. Von diesen Stimmungen lebt dieses Regie- und Drehbuchdebüt, denn auf Storyebene herrscht Ebbe. Weder passen sich die Plotwendungen überzeugend ein noch sind die Charaktere sonderlich „menschlich“ (man sollte ja annehmen, dass es irgendwelche Auswirkungen hätte, wenn man in der Wüste plötzlich von einem Alien attackiert wird – aber nein…). Manchmal wechselt „Banshee Chapter“ ins Found-Footage-Format und nervt hier mit permanent unbrauchbarem und lückenhaftem Bildmaterial – natürlich alles im Sinne der Dramaturgie. Generell wirkt der Film wie nach dem „1×1 des Drehbuchschreibens“ abgedreht.

 

Fazit

Pro: ordentliche Hauptdarsteller und zumindest in der zweiten Hälfte atmosphärische Bilder
Contra: hirnrissige Story und viele billige Jump-scares

 

Bedingt sehenswert.

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