Dark Movies – Roundup 5: Januar-Juni 2016

Runde 5: Kein Bock auf Party-Patriotismus

Deutschlaaaaaaaand, Deutschlaaaach halt’s Maul. Während wir uns mal wieder in die dunkelsten Abgründe der filmischen Unterhaltung begeben haben, tun sich im wahren Leben ganz andere Abgründe auf: mittelmäßiger Fußball, bösartige Fangewalt, nationales Getöse, korrupte Eliten – das alles inszeniert als sauber-fröhliches TV-Event für die ganze Familie. Nö. Haben wir keinen Bock drauf. Wer es ähnlich sieht oder zumindest mal ein wenig Abwechslung braucht, findet hier sechs mehr oder weniger empfehlenswerte DVD-Tipps zum Abschalten. Viel Spaß damit!

 

 

Platz 6: SHREW’S NEST

(IMDb)

ShrewsNest_PlakatThriller-Drama, Spanien 2014, 88 Minuten, FSK 16

 

Cast & Crew

Regie: Juanfer Andrés, Esteban Roel
Drehbuch: Juanfer Andrés, Sofía Cuenca
Darsteller: Macarena Gómez, Nadia de Santiago, Hugo Silva

 

Inhalt

Zwei streng gläubige Schwestern leben gemeinsam in einer Wohnung. Eine von ihnen kann oder will diese nicht verlassen. Als unerwartet ein verletzter Mann versorgt werden muss, brechen neue Sehnsüchte und alte Ängste auf.

 

Kritik

ShrewsNestTrotz eines offensichtlich niedrigen Budgets lässt sich „Shrew’s Nest“ zunächst sehr ordentlich an. Die ältere der beiden Schwestern sorgt sich um den Verletzten, wobei schnell klar wird, dass sie ihn eigentlich gefangen hält. Die Rolle der jüngeren Schwester, die immer wieder aufbegehrt, bleibt zunächst unklar. Auch dank guter darstellerischer Leistungen gelingt anfangs der Spagat, extreme Charaktere im Rahmen einer gewissen künstlerischen Freiheit glaubhaft wirken zu lassen. In der zweiten Filmhälfte gerät das Geschehen jedoch außer Kontrolle. Warum manche Charaktere nun völlig ausrasten und andere zwar helfen wollen, aber die offensichtlichsten Möglichkeiten, dies zu tun, ungenutzt lassen, bleibt unplausibel. Zudem sorgen massive Anschlussfehler für Ärger. Am Ende verpuffen vermeintlich bedeutungsschwere Wendungen und Bilder wirkungslos, weil die Charaktere nur noch als solche, aber nicht mehr als echte Menschen zu erkennen sind.

 

Fazit

Pro: anfangs durchaus spannendes, gut gespieltes Kammerspiel
Contra: Charaktere handeln zunehmend unplausibel, Wendungen lassen kalt

 

Bedingt sehenswert.

 

 

Platz 5: THE GREEN INFERNO

(IMDb)

GreenInferno_PlakatKannibalen-Horror, USA 2013, 96 Minuten, FSK 18

 

Cast & Crew

Regie: Eli Roth („Cabin Fever“, „Hostel“, „Knock Knock“)
Drehbuch: Guillermo Amoedo („Aftershock“), Eli Roth
Darsteller: Lorenza Izzo („Aftershock“, „Knock Knock“), Ariel Levy („Aftershock“)

 

Inhalt

Idealistische US-Studenten reisen in die Amazonasgebiete, um zu verhindern, dass die Lebensräume indigener Gruppen zerstört werden. Zum Dank werden sie lebendig verspeist.

 

Kritik

GreenInfernoMenschenrechtsorganisationen, die sich für den Schutz indigener Gruppen einsetzen, haben an Eli Roths „The Green Inferno“ kein gutes Haar gelassen: Er würde Klischees bedienen, wie das der Menschenfresser. Kann man so sehen. Tatsächlich ist es aber zumindest so, dass Roth – wie gewohnt – sämtliche Charaktere augenzwinkernd mit Klischees überzieht. Seine eigenen Landsleute sind mal wieder ziemlich blöd und naiv. Das macht die erste Hälfte des Films wiederum zu einer zähen Angelegenheit, da vollkommen klar ist, wohin die Reise geht – besonders überraschende oder witzige Etappenziele gibt es unterwegs nicht. Sobald es die jungen Amis jedoch mit dem Kannibalenstamm zu tun bekommen, steigt der Unterhaltungswert enorm. Einige der Charaktere agieren nun vollkommen überzogen. Der Härtegrad und die Details des menschlichen Verzehrs entsprechen dem, was man von einem solchen Film erwarten würde. Seinen Sinn für schwarzen Humor zeigt Roth besonders in der Szene, in der die Indigenen lachend und erzählend beisammen sitzen, bester Laune sind und es sich ordentlich schmecken lassen. Es sind Szenen, wie man sie nicht nur aus anderen Filmen, sondern auch aus dem wahren Leben kennt. Nur steht hier eben zur Abwechslung mal Menschenfleisch auf dem Speiseplan.

 

Fazit

Pro: gelungene Gore-Szenen, handwerklich sauber, selten bedientes Subgenre, schwarzhumorig
Contra: benötigt 45 Minuten, um interessant zu werden

 

Bedingt sehenswert.

 

 

Platz 4: CLOWN

(IMDb)

Clown_PlakatHorror, USA/Kanada 2014, 95 Minuten, FSK 18

 

Cast & Crew

Regie: Jon Watts
Drehbuch: Christopher Ford („Robot & Frank“), Jon Watts
Darsteller: Andy Powers, Laura Allen, Peter Stormare („Fargo“, „Prison Break“)

 

Inhalt

Weil ein gebuchter Clown kurzfristig ausfällt, muss Familienvater Kent bei der Geburtstagsfeier seines Sohnes aushelfen. Als er sich am nächsten Tag des Kostüms entledigen möchte, erlebt er eine böse Überraschung.

 

Kritik

ClownDie Idee ist simpel: Was wäre, wenn man sich nicht mehr von einem Kostüm lösen könnte und dieses Schritt für Schritt auf dämonische Art und Weise Besitz ergreift? Im Debütfilm von Jon Watts, der den kommenden „Spider-Man“-Soloauftritt inszenieren wird, dauert es keine zehn Minuten, bis dieses Szenario Wirklichkeit wird. Watts gelingt es dabei ausgesprochen gut, den Gemütszustand von Kent, der sich von Selbstzweifel rasch zu Verzweiflung wandelt, glaubwürdig darzustellen. Sein „Clown“ funktioniert in dieser Phase vor allem als psychologischer Horror sehr gut. Leider sieht das Drehbuch nach gut der Hälfte des Films einen tiefen Einschnitt vor und wechselt in die Perspektive eines anderen Protagonisten. Die Intensität ist dahin, übrig bleiben lediglich ein paar wenig gelungene Spannungsmomente und ein von Anfang an ziemlich erwartbares Finale. Am Ende überwiegt deshalb deutlich die Enttäuschung über das ungenutzte Potential.

 

Fazit

Pro: holt in der ersten Filmhäfte aus einer kleinen Idee große Spannung heraus
Contra: entwickelt sich in der zweiten Filmhälfte zu einem konventionellen Serienkiller-Slasher

 

Bedingt sehenswert.

 

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