A World Beyond

WorldBeyondWir leben offenbar in einer Zeit, die gleichsam von Gewissheit und Ungewissheit geprägt ist. Die größten Rätsel der Menschheit scheinen gelöst und jene Antworten, die wir nicht haben, etwa auf die Frage nach anderem Leben im Universum, werden wir wohl auch nie bekommen. Gleichzeitig ist ungewiss, wie die Welt, in der wir in einigen Jahrzehnten leben werden, aussehen wird. Tausende Menschen sterben durch Kriege, Millionen sind auf der Flucht, die Ungleichheit und damit die Gefahr sozialer Kämpfe nimmt weiter zu und ob wir die kommenden Herausforderungen des Klimawandels werden meistern können, ist mehr als fraglich. Es ist eine Zeit, die wie gemacht scheint für das Kino. Doch zwischen all den Remakes, Fortsetzungen, Literaturverfilmungen und Comicuniversen scheint kaum noch Raum dafür, weiterzudenken und Neues zu schaffen. Christopher Nolans „Interstellar“ war – obwohl er hinter den eigenen Möglichkeiten zurückblieb – so ein Film, der sich was traute. Genau diesen Geist atmet auch Brad Birds A World Beyond, der in Europa aus Markenrechtsgründen nicht „Tomorrowland“ heißen darf. George Clooney und Britt Robertson spielen darin zwei Menschen, die die Hoffnung auf ein besseres Morgen noch nicht aufgegeben haben und die für ein Projekt namens „Tomorrowland“ auserkoren wurden, weil sie etwas Besonderes sind. Sie sind das allerdings auf eine menschliche und verletzliche Art und Weise, wie man sie im modernen (Super-)Heldenkino quasi nicht mehr antrifft. „A World Beyond“ ist ein großartiger Film. Ein Film, der sich nicht mit ein bisschen dünner Story von Actionsequenz zu Actionsequenz hangelt, sondern der sich fast vollkommen darauf konzentriert, eine mit vielen Überraschungen angereicherte Geschichte zu erzählen, die – wenn es sinnvoll ist und immer in Maßen – durch furios inszenierte Spannungsmomente ergänzt wird. „A World Beyond“ ist so vieles: Es ist voll mit originellen visuellen und erzählerischen Einfällen; es hat wunderbar miteinander harmonierende Schauspieler mit Ausstrahlung, darunter die junge Entdeckung Raffey Cassidy; es hat Dialogwitz und eine clever konstruierte Handlung (zu den Drehbuchautoren gehört ein gewisser Damon Lindelof, für mich trotz einiger Flops in jüngerer Zeit einer der aktuell klügsten Geschichtenerzähler Hollywoods); es regt zum Mitdenken an; es ist auch mal traurig; aber vor allem ist es ein Film für die ganze Familie. Im Big-Budget-Bereich hat es das in den zurückliegenden Jahren selten gegeben; ich muss schon fast zu den Pixar-Meisterwerken „Ratatouille“, „Wall-E“ und „Oben“ zurückgehen, wenn ich nach vergleichbaren Beispielen suche. Der Film handelt seine Themen mit einer gewissen Oberflächlichkeit ab und erfindet das Konzept des Blockbusters nicht neu – viel mehr kann man den Verantwortlichen aber auch kaum vorwerfen. Das moderne Hollywoodkino, sei es gerade im vergangenen Jahr auch noch so unterhaltsam gewesen, hat einen schon fast vergessen lassen, wie schön das sein kann, in neue Welten einzutauchen. „A World Beyond“ holt dieses einzigartige Gefühl zurück.

 

Filmplakat: Walt Disney

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