The Lobster

LobsterDavid ist Single. In der Welt des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos („Dogtooth“, „Alpen“) stellt dies einen unhaltbaren Zustand dar. Deshalb reist David zwangsweise in ein abgelegenes Hotel, wo eine Art Partnerbörse stattfindet. Die Hausregeln haben es in sich: Wer masturbiert, muss seine Hand zur Strafe in einen Toaster stecken. Stattdessen sorgen die Zimmermädchen für regelmäßige Befriedigung. Gelingt es David nicht, innerhalb von 45 Tagen eine Partnerin zu finden, wird er in ein Tier verwandelt und in der Wildnis ausgesetzt. So sind die Regeln. Wer mit den bisherigen Werken von Lanthimos noch nicht in Berührung gekommen ist, mag das ungewöhnlich finden. Für Kenner seiner Vorgängerfilme und natürlich die Charaktere selbst wirkt das Geschehen hingegen völlig normal. Liebe und Sexualität verkommen zu bloßen Zahlenwerken. Damit zwei Menschen sich als Paar bezeichnen dürfen, benötigt es lediglich einer speziellen Gemeinsamkeit, zum Beispiel Kurzsichtigkeit oder eine Vorliebe für Bücher. Und als David, großartig gespielt von Colin Farrell, bei der Eingabe seiner sexuellen Orientierung „bi“ wählen möchte, wird ihm mit Bedauern mitgeteilt, dass diese Option im System nicht mehr verfügbar sei. Es ist schon erstaunlich, wie prominent The Lobster besetzt ist: Neben Farrell tauchen unter anderem John C. Reilly, Léa Seydoux, Ben Whishaw und Rachel Weisz auf. Was als Nächstes passiert, ist grundsätzlich nicht vorhersehbar. Immer wieder tauchen neue eigentümliche Figuren oder Regeln auf, die der Handlung eine andere Richtung geben. Ebenso herzlos wie die Welt, in der diese Charaktere leben, ist auch die Inszenierung von Lanthimos. All diese Merkwürdigkeiten und Grausamkeiten lässt er mit todernster Ruhe und ohne jede Aufgeregtheit geschehen. Wer auf bizarren Humor und abseitige Szenarien steht, sollte ins Kino gehen – denn dort wird dieser „Liebesfilm“, der ursprünglich in Deutschland lediglich auf DVD erscheinen sollte, nun doch starten. Es wäre schade, wenn dieser Ausflug nicht vom verdienten Erfolg gekrönt wäre.

 

 

Filmplakat: Park Circus

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