Star Wars: Die letzten Jedi

StarWars8Nach anderthalb Stunden war der Verriss eigentlich schon fast fertig. Mit der Macht der Gedanken musste er nur noch auf Papier übertragen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war die achte „Star Wars“-Episode ein schrecklich langweiliger und vorhersehbarer Film. Die Konfrontation zwischen böser First Order und guten Rebellen verlagerte sich immer wieder an uninteressante Nebenschauplätze, die Annäherungsversuche zwischen Rey und Luke Skywalker schleppten sich mühevoll dahin und die inneren Konflikte der Charaktere wurden nur behauptet, aber nicht glaubwürdig erklärt. Was in der siebten Episode mangels anderer Schwächen kaum ins Gewicht fiel, schlägt diesmal besonders negativ zu Buche: eine Story, der es an originellen Ideen und Spannung mangelt. Stattdessen: Klischees, Pathos und ein kaum mehr zu ertragendes Dark-Light-Geschwurbel, das fast wie eine Parodie der alten Filme wirkt. Doch irgendwie konnten Regisseur Rian Johnson und die anderen Beteiligten das Ruder noch rumreißen. In der finalen Stunde präsentieren sie mitreißende Lichtschwertduelle, überraschende Figurenschicksale, sehenswerte Innenausstattungen und ein überwältigendes Finale mit betörenden Farben, epischen Momenten und einem Badass-Auftritt, der allein für die anfänglichen Strapazen entschädigt. Fairerweise muss man aber ergänzen: Die besten Momente funktionieren nur wegen der Vorarbeit der anderen Filme so herausragend.

 

Filmplakat: Walt Disney

Gefühlt Mitte Zwanzig

Gefuehlt_Mitte_ZwanzigKarrierefixiert, materialistisch und konsumorientiert sind die einen; idealistisch, hinterfragend und unangepasst die anderen. Noah Baumbach stellt in seiner neuen Regiearbeit Gefühlt Mitte Zwanzig, für die er auch das Drehbuch schrieb und die im Original „While We’re Young“ heißt, die Generationenfrage. Das verheiratete Mitte-40-Paar Cornelia/Josh (Naomi Watts und Ben Stiller), das permanent darüber nachdenkt, wie flexibel und ungebunden es eigentlich sein möchte und tatsächlich ist, trifft auf das Mitte-20-Paar Jamie/Darby (Adam Driver und Amanda Seyfried), welches sich als Nachwuchsdokumentarfilmer und Eisproduzentin selbst verwirklicht. Cornelia und Josh fühlen sich zu diesen beiden jungen Menschen, die das Leben zu jeder Zeit genau so genießen wie sie das persönlich möchten, plötzlich stärker hingezogen als zu all den gleichaltrigen Freunden, die sich nun auf für sie nur schwer zu ertragenden Mutter-Kind-Veranstaltungen herumtreiben. Sie sehen das Leben, das sie gerne hätten und das sie in dieser Phase des Daseins als das bessere bewerten. Noah Baumbach ist ein sehr präziser Beobachter gesellschaftlicher und mentaler Entwicklungen, weshalb ihm natürlich nicht entgangen ist, dass vieles, wofür die sogenannte „Generation Y“ gerne gelobt wird, unter der Oberfläche eigentlich gar nicht so toll ist. Denn wirft man mal einen Blick auf seine Kommilitonen an der Uni, dann stellt man fest, dass viele in Wahrheit wohl noch spießiger, angepasster, leistungsorientierter und an vielen wichtigen Dingen des Lebens desinteressierter sind als die Generationen vor ihnen; dass sie in erster Linie ein schönes Leben für sich selbst anstreben und ab und zu was für das gute Gewissen tun, ihnen das große Ganze aber dennoch am Allerwertesten vorbei geht und sie auch bloß in den selben verkrusteten Strukturen denken. Deshalb bleibt es in Baumbachs Film auch nicht beim zunächst stark idealisierten Pärchen Jamie/Darby, sondern bekommt die makellose Fassade sehr bald deutliche Risse. Weil Baumbach nicht nur präzise beobachten kann, sondern auch Charaktere erschafft, die sich echt anfühlen, wirkt „Gefühlt Mitte Zwanzig“ so nah am Zeitgeist westlicher Gesellschaften wie kaum ein anderer aktueller Film. Nebenbei verknüpft Baumbach sein Generationenporträt mit einem Diskurs über die Ethik des Dokumentarfilmemachens. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ist kluges, witziges, lehrreiches Kino – und der erneute Beweis dafür, dass Ben Stiller nicht nur blödeln kann.

 

Filmplakat: Universum