Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Als ich 1999 “Die Dunkle Bedrohung” sah, fand ich zwar alles dort cool, konnte aber noch nicht so richtig etwas damit anfangen, was ich da sah. Erst als ich durch bloßen Zufall denselben Film im Sommer 2008 erneut sah, verliebte ich mich in STAR WARS. Ich trat einem sogenannten Forenrollenspiel bei und schrieb meine eigenen Star Wars Abenteuer, genoss es jeden Tag die Luft von Coruscant, Tatooine und Bastion (look it up) zu schnuppern. Die Filme standen mich von da an nie für sich allein – und so ging es sicher vielen Fans. Star Wars an sich steht vielmehr für eine größere Fantasie, eine wunderbare Idee. Eine Idee, die zugleich Science Fiction und Märchen ist, zugleich zauberhafte Abenteuergeschichte und Cautionary Tale vom Widerstand gegen den Faschismus. Es packt den Erwachsenen in mir, wie auch das Kind, gerade so als ob ich es von klein auf an geliebt hätte. Wie, bei der Macht, soll man da einen neuen Teil der Filmsaga nur bewerten können, verworren zwischen all den Disney-Konzern-Kalkülen, Fanhysterien und eigenen persönlichen Geschmackswandlungen? So, dass Andere nachvollziehen können, was ich gefühlt habe?

Ich probiere es mal so: Einst liebte ich die Prequels, doch inzwischen finde ich, sind besonders Teil 2 und 3 storytechnisch ziemlich doof gealtert. Früher konnte ich mit der originalen Trilogie, also Episode 4 bis 6, nicht so viel anfangen. Doch inzwischen weiß ich zu schätzen, mit wie viel Hingabe sie geschrieben und gestaltet sind. Mein Ranking pre Episode 7 war 2015 (absteigend): 654123.
Doch dann kam “Das Erwachen der Macht” und hat mich von den Socken gerissen. Es hat mir das gegeben, dass Star Wars in a nutshell für mich sein muss: Eine packende Abenteuergeschichte mit Heldenfiguren, auf deren Reise ich mitfiebern kann, die ich lieben lernen kann. Insbesondere war Rey genau die Heldin, dich ich zu dieser Zeit gebraucht habe. Die Verkörperung dessen, was ich in Star Wars schon immer sehen wollte. Episode 7 setzte sich ganz nach vorne auf meine Rangliste.
“Die letzten Jedi” konnte da nicht mithalten. Ich störte mich gar nicht mal so sehr am vermeintlichen Fokus-Mangel des Films, oder an der forcierten politischen Botschaft des Films. Die vielen Twists, die den Helden dauern gezeigt haben, dass die Dinge anders sind als sie glauben, fand ich sogar gut! Und wer liebt nicht die Thronsaal-Szene? Aber insgesamt fehlte der Abenteuergeist, der Roadmovie-Charakter, und das Händchen für die Charaktere ein bisschen. Gut, aber mehr auch nicht.

Und “Der Aufstieg Skywalkers”? Kurzum: Nicht so gut wie Episode 7, aber besser als 8.
Rey als Hauptfigur findet hier für mich gefühlt wieder fast zu alter Stärke zurück. Endlich ist das Team wieder mehr beisammen und nicht in alle Winde verstreut. Endlich liegt wieder richtiges Abenteuer in der Luft. Und ja, letztlich “reimt” sich wieder viel – wie George Lucas zu sagen pflegte –, so wie schon in Episode 7. Was ebenfalls nicht ganz unwichtig ist: Es macht die Sache rund, fühlt sich wie ein echtes Ende der Trilogie an, was ja so manche nach Episode 8 schon in Gefahr sahen. Und all das macht Episode 9 zu mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte. Ich bin zufrieden – wenn auch ein bisschen traurig, dass die Reise jetzt erst mal wieder vorbei ist.

PS: Wer gerne nachvollziehen möchte, wie schön/hässlich sich so die Perspektiven ändern können, aka was René und ich 2015 vor “Das Erwachen der Macht” von den Star Wars Filmen dachten: http://die-leinwanderer.de/podcast/podcast-15-starwarscast-das-erwachen-verklaerter-kindheitserinnerungen-an-eine-saga/
(ich lade ihn mir selbst mal wieder runter und höre rein^^)

Filmplakat: Walt Disney

 

Star Wars: Die letzten Jedi

StarWars8Nach anderthalb Stunden war der Verriss eigentlich schon fast fertig. Mit der Macht der Gedanken musste er nur noch auf Papier übertragen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war die achte „Star Wars“-Episode ein schrecklich langweiliger und vorhersehbarer Film. Die Konfrontation zwischen böser First Order und guten Rebellen verlagerte sich immer wieder an uninteressante Nebenschauplätze, die Annäherungsversuche zwischen Rey und Luke Skywalker schleppten sich mühevoll dahin und die inneren Konflikte der Charaktere wurden nur behauptet, aber nicht glaubwürdig erklärt. Was in der siebten Episode mangels anderer Schwächen kaum ins Gewicht fiel, schlägt diesmal besonders negativ zu Buche: eine Story, der es an originellen Ideen und Spannung mangelt. Stattdessen: Klischees, Pathos und ein kaum mehr zu ertragendes Dark-Light-Geschwurbel, das fast wie eine Parodie der alten Filme wirkt. Doch irgendwie konnten Regisseur Rian Johnson und die anderen Beteiligten das Ruder noch rumreißen. In der finalen Stunde präsentieren sie mitreißende Lichtschwertduelle, überraschende Figurenschicksale, sehenswerte Innenausstattungen und ein überwältigendes Finale mit betörenden Farben, epischen Momenten und einem Badass-Auftritt, der allein für die anfänglichen Strapazen entschädigt. Fairerweise muss man aber ergänzen: Die besten Momente funktionieren nur wegen der Vorarbeit der anderen Filme so herausragend.

 

Filmplakat: Walt Disney

Gefühlt Mitte Zwanzig

Gefuehlt_Mitte_ZwanzigKarrierefixiert, materialistisch und konsumorientiert sind die einen; idealistisch, hinterfragend und unangepasst die anderen. Noah Baumbach stellt in seiner neuen Regiearbeit Gefühlt Mitte Zwanzig, für die er auch das Drehbuch schrieb und die im Original „While We’re Young“ heißt, die Generationenfrage. Das verheiratete Mitte-40-Paar Cornelia/Josh (Naomi Watts und Ben Stiller), das permanent darüber nachdenkt, wie flexibel und ungebunden es eigentlich sein möchte und tatsächlich ist, trifft auf das Mitte-20-Paar Jamie/Darby (Adam Driver und Amanda Seyfried), welches sich als Nachwuchsdokumentarfilmer und Eisproduzentin selbst verwirklicht. Cornelia und Josh fühlen sich zu diesen beiden jungen Menschen, die das Leben zu jeder Zeit genau so genießen wie sie das persönlich möchten, plötzlich stärker hingezogen als zu all den gleichaltrigen Freunden, die sich nun auf für sie nur schwer zu ertragenden Mutter-Kind-Veranstaltungen herumtreiben. Sie sehen das Leben, das sie gerne hätten und das sie in dieser Phase des Daseins als das bessere bewerten. Noah Baumbach ist ein sehr präziser Beobachter gesellschaftlicher und mentaler Entwicklungen, weshalb ihm natürlich nicht entgangen ist, dass vieles, wofür die sogenannte „Generation Y“ gerne gelobt wird, unter der Oberfläche eigentlich gar nicht so toll ist. Denn wirft man mal einen Blick auf seine Kommilitonen an der Uni, dann stellt man fest, dass viele in Wahrheit wohl noch spießiger, angepasster, leistungsorientierter und an vielen wichtigen Dingen des Lebens desinteressierter sind als die Generationen vor ihnen; dass sie in erster Linie ein schönes Leben für sich selbst anstreben und ab und zu was für das gute Gewissen tun, ihnen das große Ganze aber dennoch am Allerwertesten vorbei geht und sie auch bloß in den selben verkrusteten Strukturen denken. Deshalb bleibt es in Baumbachs Film auch nicht beim zunächst stark idealisierten Pärchen Jamie/Darby, sondern bekommt die makellose Fassade sehr bald deutliche Risse. Weil Baumbach nicht nur präzise beobachten kann, sondern auch Charaktere erschafft, die sich echt anfühlen, wirkt „Gefühlt Mitte Zwanzig“ so nah am Zeitgeist westlicher Gesellschaften wie kaum ein anderer aktueller Film. Nebenbei verknüpft Baumbach sein Generationenporträt mit einem Diskurs über die Ethik des Dokumentarfilmemachens. „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ist kluges, witziges, lehrreiches Kino – und der erneute Beweis dafür, dass Ben Stiller nicht nur blödeln kann.

 

Filmplakat: Universum