Chaos im Netz

Chaos im NetzDas Internet ist für uns alle Neuland. Naja, zumindest für einige von uns – zum Beispiel für Ralph und Vanellope. Die beiden Held*innen des 2012 veröffentlichten Animationsabenteuers „Ralph reicht‘s“ müssen ihre liebevollen Spielewelten verlassen, um in den Weiten des WWW nach einem Ersatzteil für einen Arcade-Automaten zu suchen. Finden sie es nicht, droht Vanellope und den anderen Rennfahrerinnen die Abschaltung ihres Racing-Games und damit die Obdachlosigkeit. Auch der zweite Teil ist vollgestopft mit Details, Anspielungen und vielen Gags. Besonders witzig wird es häufig dann, wenn die täglichen Internet-Routinen oder -ärgernisse der realen Welt in die fiktiven Handlungen eines animierten Charakters übersetzt werden: Wenn ein alter Mann die Suchenden nie ausreden lässt, sondern nach jedem Wort oder gar Buchstaben versucht, die komplette Anfrage zu erraten; wenn kleine Vögel rund um die Zentrale eines Social-Media-Giganten herumzwitschern; oder wenn ein halb nerviger, halb hilfreicher Bot permanent auftaucht, um ablaufende Fristen ins Gedächtnis zu rufen. Ab und zu geht‘s aber auch ernsthaft zur Sache – Stichwort: Don‘t read the comments! Der Disney-Welt mit Stormtroopers und schlagfertigen Prinzessinnen in Freizeitkleidung statten Ralph und Vanellope ebenfalls einen Besuch ab. Den emotionalen Kern des Films bildet eine Geschichte über Freundschaft. Klingt etwas rührselig, ist es manchmal auch. Dass jene Elemente, die eine Freundschaft belasten oder zerstören können, hier den zentralen Konflikt darstellen – man könnte auch sagen: den beziehungsweise die Bösewichte –, ist jedoch eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Superschurkenstorys. Am Ende ist das sogar für sogenannte Erwachsene durchaus lehrreich.

Filmplakat: Walt Disney

Wish I Was Here

R_Wish_I_Was_Here_4Unfassbare zehn Jahre hat uns Zach Braff nach seinem großartigen „Garden State“ auf den nächsten Film warten lassen. Dieser ist seinem Erstling sehr ähnlich, u.a. weil Braff selbst wieder die Hauptrolle übernimmt und Wish I Was Here ebenfalls ein Generationenporträt ist, diesmal der Mittdreißiger. Weniger geht es diesmal darum, seinen Platz in der Welt zu finden, als ihn zu behaupten. Dazu findet Braff wieder schöne Bilder, tolle Musik sowie sehr viele kluge und witzige Dialoge. Aber das reicht nicht. Denn anders als bei „Garden State“, wo das alles perfekt miteinander ausbalanciert wurde und funktionierte, trifft Braff diesmal viel zu häufig nicht den richtigen Ton. Schon ganz grundsätzlich kann man es langweilig finden, die vermeintlichen Probleme einer gehobenen amerikanischen Mittelschichtfamilie vorgekaut zu bekommen. Viel problematischer als das ist aber die Inszenierung: Es müssen immer die großen Weisheiten sein, die ganz starken Gefühle. Um das zu verdeutlichen, vergeht kaum eine Minute ohne Musik, die einem erklären möchte, was die Charaktere gerade fühlen. “Wish I Was Here” wirkt so unglaublich bemüht, dass es anstrengt. Schade. Hoffentlich nimmt sich Braff die Kritik, die ihm von allen Seiten entgegen schlägt, zu Herzen und macht es beim nächsten Mal wieder besser. Leicht gehobenes Mittelmaß ist für ein Talent seiner Klasse, das einen so ausgezeichneten Blick für die Besonderheiten und Skurrilitäten des Alltags hat, einfach zu wenig.

 

Filmplakat: Wild Bunch

Saving Mr. Banks

saving_mr_banks-posterAchtung: Dies ist ein Film über ein Frau – eine Frau, die weder jung ist, noch auf eine niedlich-attraktive Art sympathisch, noch mit einer amourösen oder sonst wie sexuellen Verbindung zu ei-nem Mann konfrontiert ist. Nach allen bestehenden Regeln der Unterhaltungsindustrie dürfte dieser Film nicht erfolgreich sein, wenn es ihm überhaupt vergönnt wäre, produziert worden zu sein. Es ist die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte der Autorin P. L. Travers, die aus dem hei-matlichen England nach Hollywood reißt, um die aus ihrer finanziellen Not bewilligte Adaption ihres Buches “Mary Poppins” zu beraten und genau genommen zu überwachen. Dabei wird sie mit Erinnerungen an ihre Jugend konfrontiert, die sie überhaupt zum Schreiben von “Mary Poppins” veranlassten. Dass Saving Mr. Banks umgesetzt werden konnte, hängt gewiss auch damit zusammen, dass darin Walt Disney und sein Studio höchstselbst die Verfilmung von “Mary Poppins” umzusetzen gedenken, und somit der auf dem Kinoplakat passend symbolische Schatten der mächtigen Mickey Mouse hinter sowohl über dem Marketing des Films als auch über der Rahmenstruktur der Erzählung hängt – und hin und wieder den Eindruck erwecken lässt, es ginge hier um ihn Walt Disney (oder den charmanten Mr. Tom Hanks). Aber Walt Disney ist nur Anstoß und Nebenfigur. Das Herz ist die grummelige Autorin. “Saving Mr. Banks” ist ein Film mit einer bescheidenen Geschichte auf großer Bühne, herausragende Darsteller im kleinen Quasi-Kammerspiel, majestätische Musik zu einer sehr persönlichen Handlung. Emma Thompson hätte eine Oscar-Nominierung verdient gehabt. Aber wichtig ist nur, dass dieser Film entstehen konnte.

 

Filmplakat: Walt Disney

Anchorman 2 – Die Legende kehrt zurück

anchorman_2_the_legend_continues_posterDie Pseudo-Nachrichtenlegende Ron Burgundy (Will Ferrell) und sein notgeiles und beknacktes Team aus vermeintlichen Spitzenreportern ist zurück – und irgendwie besser als zuvor. Nach einem erneuten Höhenflug und Fall des besten Nachrichtensprechers von San Diego, geht das Abenteuer in New York bei dem ersten 24-Stunden-Nachrichtensender der Welt weiter. Nebenzahllosen witzi-gen Gaststars sind auch Paul Rudd, Steve Carell und Christina Applegate wieder mit von der Partie. Im Gegensatz zum Vorgänger “Anchorman – Die Legende von Ron Burgundy” ist der neue Film noch eine ganze Ecke absurder und abgefahrener. Durch die noch stärkere Mediensatire, die sich hinter all dem Ulk versteckt, wirkt das Ganze aber noch ausreichend geerdet. Während Will Ferrell so gekonnt bescheuert ist wie immer, stehlen ihm die umwerfend komischen Steve Carell und Kristen Wiig sogar fast die Show. Ich habe sehr, sehr gelacht.

 

 

 

Filmplakat: Paramount