Sture Böcke

StureBoecke_ArsenalIm weitgehend einsamen und überschaubar aufregenden Leben von Gummi (Sigurður Sigurjónsson) und Kiddi (Theodór Júlíusson) haben Schafe seit jeher die komplette Kontrolle. Sie sind Ersatz für Freunde und Familie, werden verehrt wie Götter und dienen als ökonomische Grundlage des bäuerlichen Daseins. Schaut man sich die Pullover der beiden getrennt voneinander lebenden Brüder an, könnte man fast meinen, sie tragen die Schafe auch täglich am eigenen Körper. Schon seit Jahrzehnten reden Gummi und Kiddi nicht mehr miteinander, obwohl sie Haus an Haus wohnen. Hat der eine dem anderen etwas Wichtiges mitzuteilen, schickt er seinen Hund mit einem Zettel im Maul hinüber. Das Verhältnis der Beiden verschlechtert sich weiter, als die Schafe des Dorfes mit einer tödlichen Krankheit befallen werden und das Veterinäramt deren Schlachtung anordnet. Die Existenz der Bauern droht zu zerfallen. Doch womöglich liegt ausgerechnet in dieser Krise auch eine Chance. Mit viel Sympathie, Einfühlungsvermögen und Geduld erzählt der isländische Autor-Regisseur Grímur Hákonarson in Sture Böcke von einem Leben, das uns globalisierten Großstädtern so fern ist. Die ruhige, unaufgeregte und meist statische Kamera fängt Gesichter und Blicke ebenso zielsicher ein wie karge, graue und unendlich weite Landschaften. Das mit einigem absurden und bösen Humor gespickte Drama entfaltet gegen Ende eine zuvor kaum für möglich gehaltene Intensität, die dem Tonfall der vorangegangenen 75 Minuten jedoch nicht entgegen steht. Erst mit der allerletzten Einstellung kann sich das Publikum sicher sein, wessen Geschichte hier eigentlich erzählt wird und um wen es sich bei den im Filmtitel genannten Figuren wirklich handelt.

 

 

Filmplakat: Arsenal

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